Projektmanagement

Von Taylorismus zu Scrum

Ist die Trennung in Manager und Arbeiter noch zeitgemäß? So provokativ formuliert sicher nicht. Was bedeutet diese Einsicht angewandt auf Projektmanagement? Dass wir keine Projektmanager brauchen, jedenfalls keine im klassischen Sinne. Sind wir dann nicht eigentlich schon bei agilen Vorgehensweisen? Scrum als die Manifestation eines für die Wissensarbeit weiterentwickelten Verständnisses von Management.

Beginnen wir bei der Definition eines Managers. Im klassischen Sinne ist das jemand, der für die Arbeit anderer Menschen verantwortlich ist. Für Taylor’s Scientific Management war diese Definition sicherlich noch zutreffend: der Manager analysiert die Arbeitsschritte und optimiert sie dann für seine Arbeiter. Schon Peter Drucker verwendete jedoch eine wesentlich breiter gefasste Definition:

Responsibility for contribution, rather than rank or title or command over people, defines the manager.[1. S. 17 in Management Rev Ed]

Die Verantwortung für Ergebnisse kennzeichnet also einen Manager, weniger die formale Macht über andere. Drucker geht für seine Argumentation von fünf Arbeitsschwerpunkten aus, welche charakteristisch für die Arbeit eines Manager sind: organisieren, planen, integrieren, messen und Menschen entwickeln. Diese Aspekte finden sich aber in der täglichen Arbeit von sehr vielen, die nicht im klassischen Sinne Manager sind (und es vielleicht auch gar nicht sein wollen). Auch jeder Entwickler in einem IT-Projekt muss seine Arbeit organisieren, planen und messen, d.h. in sinnvolle Arbeitsschritte zerlegen, in geeignete Reihenfolge bringen und feststellen, ob die Ziele erreicht sind; er muss seine Tätigkeit selbstverständlich in Einklang bringen (integrieren) mit der Arbeit seiner Kollegen; und er entwickelt Menschen: mindestens sich selbst, aber oft auch unerfahrenere Kollegen im Team.

In diesem Sinne sind eigentlich alle Manager. Und das ist auch gut so: genau diese Durchdringung mit Managementaspekten charakterisiert die Wissensarbeit. Es ist also nur konsequent, das Team in den Vordergrund zu rücken und den Projektmanager in den Hintergrund: das Team organisiert und plant eigenständig die Sprints, der Scrummaster beseitigt nur die Hindernisse.

Man muss die Auflösung des Projektmanagements nicht so konsequent betreiben wie in Scrum und anderen agilen Vorgehensweisen, aber die Tendenz ist klar: Je mehr Wissensarbeit, desto mehr durchdringen die fünf Managementaspekte, organisieren, planen, integrieren, messen und Menschen entwickeln, die jeweiligen Tätigkeiten der Wissensarbeiter. Wenn aber die klassischen Aufgaben des Management zunehmend von den Wissensarbeitern selbst übernommen werden, was macht dann der Projektmanager? Führen. Er entwickelt die Visionen, stiftet Sinn und setzt die Leitplanken. Von den fünf Aspekten, konzentriert er sich viel mehr auf das Integrieren: Kommunikation fordern und fördern und Vermittlung zwischen Team und Kunde und zwischen Team und Management.

PS. Foto veröffentlicht auf Flickr von Pierdante Romei (Bestimmte Rechte vorbehalten)

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