Projektcoaching (02): Kommunikation

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Ein Projektcoach macht Menschen im Projekt erfolgreich. Er ist Coach, Berater und Diskussionspartner in einer Person; er agiert als graue Eminenz im Hintergrund. Sein Handwerkszeug sind in erster Linie Fragen: im Idealfall erkennt oder erarbeitet der Anwortende sich dabei die Lösung selbst. Die Themen sind so vielfältig wie die Menschen und ihre jeweiligen Rollen im Projekt: vom persönlichen Coaching des Projektleiters bis hin zum detaillierten Hinterfragen des Risikomanagements. In dieser Artikelserie erscheinen jede Woche fünf typische Fragen eines Projektcoaches zu einem ausgewählten Thema. Diese Fragen geben einen ersten Eindruck von Projektcoaching und regen an zum Nachdenken über das eigene Projekt und die eigene Rolle darin.

Thema der Woche: Kommunikation

Man kann nicht nicht kommunizieren. (Paul Watzlawick)

Wenn wir also ohnehin immer kommunizieren, was soll dann der ganze Zirkus um Kommunikation im Projekt? Ist ja auch irgendwie unhandlich und schwer steuerbar. Aus der lapidaren Feststellung von Paul Watzlawick folgt aber vor allem eines: Wir können uns nicht aussuchen, ob wir kommunizieren, sondern nur wie.

Erfolgreiches Projektmanagement erfordert in erster Linie Führung—und zwar Führung ohne Macht. Ohne gut ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten sind die primären Aufgaben eines Projektmanagers nicht denkbar:

  1. Aufgabe und Mission des Projekts durchdenken und definieren,
  2. Arbeit produktiv einsetzen und Menschen erfolgreich machen,
  3. Auswirkungen auf das soziale Umfeld managen.

Setzt man hingegen auf agile Vorgehensweisen, Scrum & Co., und richtigerweise auf die Selbstorganisation des Teams, wird es richtig spannend. Nicht umsonst spielen kommunikative Elemente wie das tägliche Standup-Meeting eine zentrale Rolle in Scrum. Wie man es dreht und wendet: Kommunikation ist ein–wenn nicht der—entscheidende Erfolgsfaktor eines Projekts, was, nebenbei bemerkt, auch viele Studien zu gescheiterten (IT-)Projekten schmerzlich verdeutlichen.

Fünf Fragen zur Kommunikation im Projekt

  1. Welche Rituale (Kaffeepause, Mittagessen, etc.) gibt es im Team?
  2. Welche regelmäßigen Besprechungen gibt es und welche Ziele haben diese?
  3. Wie werden Besprechungen vor- und nachbereitet?
  4. Welche Möglichkeiten haben Stakeholder, um sich über das Projekt zu informieren?
  5. Wie oft reden Sie als Projektmanager zwanglos mit den Mitarbeitern?

Die Fragen versuchen aufzudecken, wer sich in welchem Rahmen austauscht. Geachtet werden muss einerseits darauf, dass die richtigen Menschen miteinander ins Gespräch kommen und dass es andererseits eine Mischung aus formellem (Besprechungen) und informellem (Kaffeepause) Austausch gibt. Es gibt die, vermutlich erfundene, aber plausible, Geschichte eines Unternehmens, dass die Kaffeeautomaten abschaffte, weil zu beobachten war, dass die Mitarbeiter sich dort länger zu Plaudereien aufhielten. Das Ergebnis war nicht der erhoffte Gewinn an Produktivität sondern ein massiver Rückgang, weil der Austausch (und der Kaffee) fehlte.

Natürlich sind diese Fragen nur der Einstieg ins Projektcoaching. Ein erfahrener Projektcoach wird anhand der Antworten vertiefende Fragen stellen und so die Antworten immer schärfer herausarbeiten.

Der Artikel endet wie er begonnen hat: mit Paul Watzlawick. Zur Abwechslung aber höchtpersönlich in einem längeren, aber sehr interessanten und amüsanten Vortrag:

Vorangegangene Teile der Serie Projektcoaching

Bildnachweis

Das Artikelbild wurde von von zigazou76 unter dem Titel “Téléphone″ auf Flickr veröffentlicht (Bestimmte Rechte vorbehalten).

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