Rezertifizierung IPMA Level D: Money for Nothing

money

Nun bin ich also rezertifiziert. Nicht, dass ich mein IPMA Level D Zertifikat in den letzten fünf Jahren jemals gebraucht hätte. Aber verfallen lassen wollte ich es auch nicht als ich im März die Aufforderung zur Rezertifizierung erhielt. Also nahm ich den lästigen bürokratischen Aufwand von „Zertifizierungsantrag – F01“ über „Selbstbewertungsbogen – F02“ bis zu „Nachweis von PM-Tätigkeit und Zertifikatsbewertung – F05D“ auf mich. Immerhin im Internet und nicht schriftlich. Ein paar Wochen später erhielt ich dann eine E-Mail, dass mein Rezertifizierungsverfahren erfolgreich abgeschlossen sei und ich alsbald mein neues Zertifikat erhalten würde. Toll! Gestern kam das Zertifikat an mit einer Rechnung über 250,– Rezertifizierungsgebühr. Meiner Meinung nach völlig ungerechtfertigt.

Zunächst war ich ja der Meinung, Level D Zertifikate würden nicht verfallen. Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass dem wohl seit 01.04.2006 nicht mehr so ist. Seither haben alle Zertifikate eine Gültigkeit von 5 Jahren. Laut GPM (die Zahlen finden sich bei den Beschreibungen der einzelnen Level) sind in Deutschland ca. 85% aller Zertifikate Level D (ca. 11% Level C, ca. 4% Level B und deutlich unter einem halben Prozent Level A). Rezertifizierung für Level D ist also eine Einnahmequelle, die man nicht vernachlässigen sollte.

Zunächst aber: In dubio pro reo. Nehmen wir also für den Moment noch an, es gäbe nicht-materielle Gründe, warum eine Rezertifizierung für Level D sinnvoll sein könnte. Laut GPM ist Kernkompetenz für Level D:

Hat Projektmanagementkenntnisse in allen Kompetenzelementen.
Quelle: GPM

Man kennt also sein Handwerkszeug, kann Hammer und Säge unterscheiden und ohne größeren Schaden für sich und die Umwelt anwenden. Was im Gegensatz zu allen höheren Level nicht gefordert ist für Level D, ist Erfahrung im Projektmanagement:

Erfahrung in den Kompetenzelementen des Projektmanagements wird nicht notwendigerweise vorausgesetzt, es ist aber von Vorteil, wenn der Kandidat sein PM-Wissen schon in einem gewissen Rahmen zur Anwendung gebracht hat.
Quelle: GPM

Was will die PM-Zert nun also rezertifizieren auf Level D? Wären es nur meine Kenntnisse, dann hätte ich eine erneute Prüfung ablegen müssen. Musste ich aber nicht. Stattdessen wurden im Bogen „Nachweis von PM-Tätigkeit und Zertifikatsbewertung – F05D“ Projektmanagement-Tätigkeiten abgefragt (mindestens 12 Monate in den letzten 5 Jahren). Um rezertifiziert zu werden muss ich also Erfahrung nachweisen. Daraus folgt, dass es nun also zwei Klassen von Level D gibt: die Erstzertifizierten ohne Erfahrung und die Rezertifizierten mit Erfahrung.

Gerade weil Zertifikate Orientierung geben sollen, halte ich diese erfahrungsbasierte Rezertifizierung auf Level D für eine schlechte Idee. Für mich als Inhaber des Zertifikats bringt die Rezertifizierung keinerlei Nutzen, denn auf dem Papier bin ich nicht von einem Erstzertifizierten unterscheidbar. Es hat daher den Anschein, als wäre diese Rezertifizierung hauptsächlich als Einnahmequelle gedacht. Vermutlich gelang es in der Vergangenheit nicht, genügend Level D für das erfahrungsbasierte und damit auch sinnvoll rezertifizierbare Level C zu begeistern.

Vielleicht schämt man sich dafür ja auch ein wenig und versteckt deshalb die Gebühren für die Rezertifizierung im ganzen Prozess sehr gut. Ich hätte mir von Anfang einen klaren Hinweis auf die Gebühren gewünscht. Weder in der Aufforderung zur Rezertifizierung noch bei der Anmeldung im Internet bin ich meiner Meinung nach darauf hingewiesen worden. (Ich kann es leider nicht beweisen, weil ich die E-Mail schon gelöscht habe.) Die einzige Stelle wo ich jetzt beim genauen Nachlesen auf einen Hinweis gestoßen bin ist im Antrag zur Rezertifizierung:

Beim sechsten(!) Spiegelstrich wird darauf hingewiesen, dass die „Zertifizierung durch PM-ZERT entgeltpflichtig ist“. Ohne Link auf die Gebühren, wohlgemerkt. Diese muss man sich erst auf der Seite der GPM suchen und auch dort sind sie in einem PDF versteckt und nicht direkt auf der Seite sichtbar. Nach Einreichen meines Antrags auf Rezertifizierung habe ich meiner Meinung nach keinerlei E-Mail mit einem Hinweis auf die Gebühren bekommen. Entsprechend überrascht war ich über die Rechnung. Jeder noch so kleine Versandhändler macht das besser: da bekomme ich vor der Lieferung eine Bestätigung meiner Bestellung mit den Kosten dafür!

Fazit: Inhaltlich ist die Rezertifizierung auf Level D nicht begründbar und mangels Unterscheidbarkeit ohne Mehrwert. Money for nothing.

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Das Artikelbild wurde von 401K 2012 unter dem Titel „Money“ auf Flickr unter einer Creative-Commons Lizenz (CC BY-SA 2.0) veröffentlicht.

18 Kommentare

  1. Marc Widmann

    Hallo Marcus, ich bin nicht der typische Blog-Antworter. Aber heute werde ich mich mal dran machen. Empfinde gerade, dass Gutes auseinander driftet, was eigentlich zusammengehört. OpenPM und GPM wollen mit unterschiedlichen Mitteln ein und dasselbe. PM zugänglich machen, leiten und inspirieren. Letztendlich auch meinungsbildend sein. Und beim letzten möchte ich anknüpfen. Beide haben Verantwortung für die PM-Gesellschaft.

    Kurz dazu, dass Du sagst, dass Du das Zertifikat die letzten 5 Jahre nicht gebraucht hättest. Da hast Du in jedem Falle recht, dass keine PM-Polizei Dich in Deiner Projektarbeit anhält und nach Deinem Zertifikat fragt. Wobei, wenn ich mich es recht überlege, wenn große Firmen Ausschreibungen machen und Level D, C, B, A verlangen vertrauen Sie darauf, dass Du auch ehrlich bist beim Einreichen Deines Angebotes mit der Referenzierung auf das Zertifikat. Immer mehr Firmen machen dies und das ist meiner Meinung nach richtig so. Viel wichtiger aber finde ich, dass viele Ihr Zertifikat in Ihrem Lebenslauf aufführen, auf Ihrer XING-Seite, LinkedIn etc. By the way Du auch. Auch das ist richtig und wichtig. Wirklich „brauchen“ tut man es nicht, aber zum Gesamtbild gehört es dazu.

    Und den Nutzen des Durchackerns durch die Fachtermini für den Level D, haben wir ja vor kurzem cora publikum auf Twitter, als gute Basis zur Entwicklung hin zur nächsten „PM-Reifestufe“ – mit der Weiterentwicklung der Verhaltens- und Sozialkompetenz – bestätigt.

    Soweit ich es richtig verstanden habe, hat die GPM die Rezertifizierung auch für Level D eingeführt aufgrund des Marktdrucks, Damit die Zertfikanten sich auch nach dem Erhalt des Zertifikats mit PM beschäftigen müssen um auch weiterhin zertifiziert zu bleiben. Der Nachweis der durch Dich erwähnten F05 (Projektliste) ist ein Baustein neben der Weiterbildung F02. Wir alle wissen, dass wenn man Wissen nicht frisch hält es nicht mehr präsent ist. Als dies begutachtet die GPM und zwei Assessoren unabhängig voneinander.

    Nun zu dem Aspekt, dass Du sagst es gibt Level D mit und ohne Erfahrung. Ja die gibt es, aber nicht bezogen auf das Zertifikat. Wissen kann man unterschiedlich „frisch halten“. Durch lernen und reflektieren und/oder durch regelmäßige Anwendung der Fachtermini, der Methoden etc.. Und das geschieht bei PM Wissen nun einmal in Projekten. Und durch die bei der Rezertifizierung eingeforderte Weiterbildung.

    Nun komme ich eigentlich zum Anlass meiner Antwort. Es war nicht der Sachinformation dieses Beitrages, sondern die Kommunikation auf der Beziehungsebene in Deinen Tweets.
    Bezüglich der mangelnden Sichtbarkeit der Kosten kann ich Dein #fail aus den Tweets nachvollziehen. Man kann nicht davon ausgehen, dass jeder sich die Informationen auf der Webseite der GPM detailliert anschaut und sich informiert. Das muss in den Mails stehen. Selbst wenn es dort erwähnt gewesen war, ist Dir das offensichtlich entgangen. Also kann man hart formulieren, dass die Information nicht ausreichend präsentiert wurde. Hier muss die GPM in jedem Fall was machen. Hätte aber vermutet, dass auf der Zertifikate-Seite die Unterseite im Hauptmenü „Gebühren“ sofort ins Auge stossen muss.
    http://www.gpm-ipma.de/qualifizierung_zertifizierung/ipma_4_l_c_zertifikate_fuer_projektmanager.html
    Mir zumindest ist es vor ein paar Wochen bei meiner Rezert für Level B sofort präsent gewesen. Aber anyhow. Es muss bewusst sein. Wenn es das bei Dir nicht war, dann muss die GPM was machen. Ich habe der GPM parallel den Link dieses Posts zugestellt und mal schauen was dazu gesagt wird.

    Aber zurück zum Anlass.
    Das Internet bringt nun mal einen anderen Sprachstil mit sich. Ich merke das ja auch an mir. Man verwendet die ein oder andere Abkürzung oder gar neue bisher ungenutzte oder anders verankerte Antworten. Zurück zu den Tweets. #wtf ist in auch im Internet nicht integrierend und schafft Distanz.
    Und das wollen wir alle nicht. Du hast freudestrahlend vor kurzem getweetet, dass Du auf dem PM Forum der GPM OpenPM vorstellst. Das schafft längst fällige Brücken zwischen der PM 1.0 und PM 2.0 wie Du und ein paar Kollegen es bezeichnet. Wobei ich das nicht für eine gelungene Klassifizierung halte, da 1.0 als alt und ausgedient gesehen wird und 2.0 mit Neuem und Besseren verbunden wird. Ich sehe das klassische und das agile PM (so scheint es mir in den beiden „Clubs“ gesplittet zu sein – zumindest bisher) viel integrierender und wechselseitiger. Beides wird benötigt und ist sinnvoll.
    Du siehst ich wollte also gar nicht vornehmlich fachlich, inhaltlich reagieren, sondern der Anlass war was anderes. Leider kann ich gar nicht so aktiv sein in OpenPM und im Web wie ich es mir wünschen würde um meine fachlichen Meinung kund zu tun. Ich versuche das PM in der GPM und in meiner Firma voranzubringen – letztendlich wollen wir dasselbe: PM voranzubringen und zu professionalisieren. Und ich unterstütze das nach meinen Möglichkeiten in beiden „Clubs“.

    Ach noch etwas Wichtiges zum Schluss: Dieser Beitrag ist meine ganz persönliche subjektive Meinung.

    • Marcus Raitner

      Hallo Marc,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar.

      Das Wichtigstes zuerst: ich wollte und will weder mit diesem Post noch mit meinen Tweets einen Keil zwischen die Fraktionen treiben. Ich finde die GPM immer noch extrem offen und schätze das Zugehen auf openPM sehr (ich hatte zwischendurch auf dem PM-Camp Wien den direkten Vergleich zu PMI …). Auf das PM-Forum freue ich mich sehr. Uneingeschränkt stimme ich Dir zu:

      OpenPM und GPM wollen mit unterschiedlichen Mitteln ein und dasselbe. PM zugänglich machen, leiten und inspirieren. Letztendlich auch meinungsbildend sein. Und beim letzten möchte ich anknüpfen. Beide haben Verantwortung für die PM-Gesellschaft.

      Kommen wir zunächst zur Sachebene und damit zu meiner Kritik an der Rezertifizierung von Level D. Level D bestätigt Grundlagenwissen, aber keine Erfahrung. Ich gebe Dir recht: Wissen muss angewendet werden und reflektiert werden um frisch zu bleiben. Wenn das für Level D notwendig ist, liebend gerne, dann aber auch bei der Erstzertifizierung. Mit zweierlei Maß zu messen und dann doch das gleiche Etikett zu vergeben ist Unsinn. Jedenfalls für mich als Träger des Zertifikats und für die Kunden die einen Level D einkaufen. Für die PM-Zert sehe ich den Sinn schon.

      Zum Schluss noch ein paar Worte zu Deiner Stilkritik. Soziale Medien, insbesondere Twitter prägen eine anderen Stil: knapper, direkter, undiplomatischer, rauer, authentischer, provokanter und konfrontativer. Für mich hat das nichts mit Distanz schaffen zu tun, sondern jedes #fail und #wtf ist eine Einladung zur Diskussion.

      Herzliche Grüße,
      Marcus

      PS. Auf eine Diskussion zu PM 1.0 / 2.0, agil / klassisch und so weiter freue ich mich auf openPM, PM-Forum oder dem PM-Camp in Wien. Oder eben auf Twitter.

  2. Mittlerweile wird bereits bei den Level D Schulungen auf den Preis der Zertifizierung hingewiesen. Trotzdem hat es den Hauch von Geldmacherei ;-).

  3. Ann-Katrin Gremmel

    Hallo Herr Raitner,

    auch ich möchte mich stellvertretend für PM-ZERT zu Ihrem Beitrag äußern.

    Die PM-ZERT geht sehr offen mit ihren Gebühren um, damit sich jeder Interessent und auch die bereits Zertifizierten rechtzeitig auf etwaige Kosten vorbereiten können. Diese Offenheit ist Teil unserer Firmenphilosophie.
    In unserem Anschreiben, welches standardmäßig an Rezertifikanten für Level D herausgeht, steht folgender Satz: „Weitere Informationen über den Inhalt des Verfahrens und die Rezertifizierungsgebühr finden Sie in den Dokumenten Z01 und A01 unter
    http://www.gpm-ipma.de/qualifizierung_zertifizierung/ipma_4_l_c_zertifikate_fuer_projektmanager
    Wählen Sie dort am linken Bildrand „Level D“ und dann am rechten Bildrand den Download zur Rezertifizierung.“ Dieses Schreiben ist auch an Sie herausgegangen.
    Unter folgendem Pfad sind die Gebühren ebenfalls zu finden: http://www.gpm-ipma.de/fileadmin/user_upload/Qualifizierung___Zertifizierung/Zertifikate_fuer_PM/Termine_und_Gebuehren_A01_2012.pdf

    Natürlich habe ich mal neugierig bei anderen Zertifizierungsstellen nachgeschaut, aber günstigere Preise für die Rezertifizierung für ein Zertifikat von dieser Bedeutung habe ich nicht gefunden – teilweise kommuniziert man dort die Preise überhaupt nicht öffentlich. Von Zertifikanten, die auch andere Rezertifizierungsprozesse kennen, haben wir erfahren, dass unser Verfahren im Vergleich transparent und einfach ist.

    Das IPMA 4-Level-Certification-System ist auf Basis der Norm ISO/IEC 17024, die 2003 verabschiedet wurde, akkreditiert. Diese Norm setzt Standards für Unternehmen, die sich mit der Zertifizierung von Personen beschäftigen. Sie macht nationale Standards vergleichbar und sorgt für die internationale Anerkennung der Zertifikate. Die Norm fordert die Überprüfung des Wissens in regelmäßigen Abständen. Die Rezertifizierung ist in gewisser Hinsicht eine Garantie für den Inhaber, Arbeitgeber oder Kunden, dass die Kompetenzen auf dem neuesten Stand gehalten werden. Sie ist also ein wichtiger Bestandteil des Systems.

    Für die Erstzertifizierung wird ein Transfernachweis auf Basis eines fiktiven oder realen Projektes verlangt, ebenso ein schriftlicher Test und eine mündliche Prüfung. Durch den Transfernachweis wird bereits eine reflektierende Methode angewendet. Diese Methode steckt auch in der Rezertifizierung. In unserem Leitfaden stehen zur Rezertifizierung folgende Sätze:

    „Für die Rezertifizierung dieses Personenkreises ist eine halbstündige mündliche Rezertifizierungsprüfung vorgesehen, die entsprechend den Regelungen der mündlichen Prüfung für die Erstzertifizierung durchgeführt und bewertet wird. „Die mündliche Prüfung kann jedoch erlassen werden, wenn der Zertifikatsinhaber während der Gültigkeitsdauer des Zertifikates mindestens 12 Monate Projektmanagement-Tätigkeit nachweisen kann.“ Diese Dokumente werden von uns geprüft.

    Mit diesem Hintergrund lässt sich zwischen der Erstzertifizierung und der Rezertifizierung kein Widerspruch erkennen.

    Durch die Reflexion des Gelernten und der Erfahrung in schriftlicher Form kann das Wissen ebenso geprüft werden, wie durch ein mündliches Interview, wie es in unserem Rezertifizierungsprozess für den Level D vorgesehen ist. Es steckt also etwas mehr Analysearbeit von unserer Seite in unserem Zertifizierungskonzept, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. 

    Viele herzliche Grüße

    Ann-Katrin Gremmel

    • Marcus Raitner

      Hallo Frau Gremmel,

      herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

      Unter offenem Umgang mit den Gebühren verstehe ich etwas anderes. Dass in der E-Mail auf die Dokumente Z01 und und A01 verwiesen wird, ist das mindeste. Warum kann dort nicht einfach stehen, dass es 250 Euro kostet. Oder warum kann ich nicht nach Einreichen der Zertifizierung eine Auftragsbestätigung bekommen, wo klar hervorgeht, dass ich jetzt die Rezertifizierung für 250 Euro beauftragt habe. Das würde ich als offenen Umgang bezeichnen. (Dass es anderen noch schlechter machen, ist kein Argument.)

      Auch wenn es möglich ist die mündliche Prüfung erlassen zu bekommen wenn man ausreichend Erfahrung nachweisen kann, heißt das nicht, dass Level D Erfahrung zertifiziert. Im Gegenteil: „Erfahrung in den Kompetenzelementen des Projektmanagements wird nicht notwendigerweise vorausgesetzt (…)“. Wenn ein Kunde einen Projektmanagement-Fachmann einkauft kann er also grundsätzlich keine Erfahrung erwarten.

      Warum muss (nicht „kann“, wie bei der Erstzertifizierung) ich bei der Rezertifizierung nun Erfahrung nachweisen? Für den Kunden bin ich nun immer noch Level D, d.h. der wird von mir immer noch keine Erfahrung erwarten können. Das passt nicht. Entweder Level D basiert nicht auf Erfahrung, dann aber auch nicht bei einer Rezertifizierung, oder es basiert auf Erfahrung, dann aber auch bei der Erstzertifizierung. Und zwar immer und nicht nur optional als Alternative zur mündlichen Prüfung. Schließlich soll der Kunde doch wissen was er erwarten kann: Erfahrung oder nicht.

      Herzliche Grüße,
      Marcus Raitner

  4. Ann-Katrin Gremmel

    Hallo Herr Raitner,

    wie bereits gesagt, unsere Gebühren sind auf unserer Website veröffentlicht und wir verschicken hierzu den Hinweis auf die Rezertifizierungsgebühr. Auf Grund Ihres Feedbacks sind wir in der Überlegung eine Direktverlinkung auf die Gebühren vorzunehmen. Das wäre dann ein Klick in die E-Mail und dann stehen dort die 250 Euro. Das sollte nicht schwer sein.

    Sie stellen die Frage: Warum muss ich bei der Rezertifizierung Erfahrung nachweisen? Sowohl für die Level D Erstzertifizierung als auch für die Level D Rezertifizierung wird die Erfahrung nicht notwendigerweise vorausgesetzt. Dieses ist für beides ein kann und wird nicht gefordert.

    Wenn ein Kunde eine/n Zertifizierten Projektfachmann/Fachfrau (GPM) einkauft ist das Zertifikat ein Beleg dafür, dass der Zertifikatsträger Kompetenzelemente anwenden kann und ein umfassendes Wissen darüber besitzt.

    Das Level D Kandidaten trotzdem Erfahrung haben können ist nicht auszuschließen. Es gibt auf dem Markt die unterschiedlichsten Lebensläufe.

    Wir machen regelmäßige benchmarks um Vergleiche zu ziehen, wo wir stehen. Wenn wir in einzelnen Bereichen feststellen, dass wir hier und da besser sind, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass es die Konkurrenz schlecht macht. Wir haben harte Konkurrenz aber auch nette. Es gibt sehr viele Berührungspunkte und Gespräche. An dieser Stelle möchte ich die Konkurrenz wertschätzend betrachtet wissen.

    Ich persönlich sehe das als Motivation. Hier ist Bewegung gefordert und das hält fit. 

    Viele herzliche Grüße

    Ann-Katrin Gremmel

    • Marcus Raitner

      Hallo Frau Gremmel,

      ja, ich fände es gut wenn die Gebühren besser sichtbar wären.

      Sowohl für die Level D Erstzertifizierung als auch für die Level D Rezertifizierung wird die Erfahrung nicht notwendigerweise vorausgesetzt. Dieses ist für beides ein kann und wird nicht gefordert.

      Und warum muss ich dann zur Rezertifizierung den Bogen „Nachweis der PM-Tätigkeit und Zertifikatsbewertung (F05D)“ einreichen? Da geht es doch um Erfahrung? Ich muss nachweisen als PM-Tätigkeiten ausgeführt zu haben. Das muss ich bei der Erstzertifizierung nicht. Insofern ist das, obwohl dasselbe Etikett darauf klebt, nicht inhaltsgleich.

      Herzliche Grüße,
      Marcus Raitner

      • Ann-Katrin Gremmel

        Hallo Herr Raitner,

        Sie müssen diesen Bogen einreichen, weil bisher hier das Feedback integriert ist. Dieses soll aber in Zukunft getrennt werden und ist in Überarbeitung. Wenn jemand keine Erfahrung hat, trägt er oben nichts ein und gibt uns unten sein Feedback an, welches von uns ausgewertet wird. Praktisch muß er dann das Interview machen, dass nach den gleichen Prämissen erfolgt, wie für die Erstzertifizierung. Das Befüllen der Tätigkeiten ist kein Muß! Wenn er jedoch dieses Befüllen kann, kann Ihm das Interview erlassen werden und die Unterlagen werden geprüft.

        Herzliche Grüße

        Ann-Katrin Gremmel

        • Marcus Raitner

          Hallo Frau Gremmel,

          interessant: das Ausfüllen des Erfahrungsteils im Bogen F05D ist also optional. Wo genau hätte ich das im Vorfeld lesen können? Auf dem Bogen selbst ist online jedenfalls kein Hinweis darauf und die Überschrift „Tätigkeiten im Projektmanagement (mindestens 12 Monate in den letzten 5 Jahren)“ legt nicht wirklich nahe, dass ich das nicht ausfüllen muss, finden Sie nicht auch?

          Herzliche Grüße,
          Marcus Raitner

  5. Ann-Katrin Gremmel

    Hallo Herr Raitner,

    dieses finden Sie in unserem Leitfaden im Kapitel Rezertifizierung für Level D:

    Für Zertifikatsinhaber des Level D gilt:
    Von den Zertifikatsinhabern des Level D wird grundsätzlich kein Nachweis von PM-Tätigkeit verlangt. Für die Rezertizierung dieses Personenkreises ist eine halbstündige mündliche Rezertifizierungsprüfung vorgesehen, die entsprechend den Regelungen der mündlichen Prüfung für die Erstzertifizierung durchgeführt und bewertet wird. ….. Die mündliche Prüfung kann jedoch erlassen werden, wenn der Zertifikatsinhaber während der Gültigkeitsdauer des Zertifikates mindestens 12 Monate Projektmanagement-Tätigkeit nachweisen kann.

    Hiermit haben Sie die Brücke für den Umgang mit der F05D. Wenn wir alle Erklärungen in die Dokumente aufnehmen, würden diese zu Umfangreich. Die meisten Hinweise finden Sie in unseren Leitfäden und Anleitungen. Diese sind sozusagen der Schlüssel.

    Herzliche Grüße

    Ann-Katrin Gremmel

    • Marcus Raitner

      Hallo Frau Gremmel,

      ich gebe zu diesen Leitfaden nicht genau gelesen zu haben. Jetzt bin ich und sind meine Leser schlauer. Trotzdem finde ich, dass ein diesbezüglicher Hinweis im FD05 nicht schaden würde. Oder wenigstens ein Link auf den Leitfaden; wir sind hier schließlich im Internet. (Randnotiz: für meinen Geschmack „versteckt“ die PMZERT zu viele Details in PDF-Dokumenten anstatt sie auf Webseiten zugänglich zu machen.)

      Grundsätzlich erschließt sich mir der Nutzen einer Level-D Rezertifizierung nicht. Mein Abitur muss ich ja auch nicht 5 Jahre nach Abschluss erneut nachweisen (sei es durch erfolgreichen Berufseinstieg, Studium oder erneute Prüfung). Aber gut: es sind ihre Zertifikate und sie können die Regeln definieren. Zum Glück haben wir ja, im Gegensatz zum Abitur, Wahlmöglichkeiten. Es wird sich zeigen, ob der Markt ihr Angebot annimmt.

      Ich begrüße es jedenfalls sehr, dass Sie hier mit mir und meinen Lesern so offen und ausführlich diskutieren. Danke.

      Herzliche Grüße,
      Marcus Raitner

      • Ann-Katrin Gremmel

        Hallo Herr Raitner,

        die Leitfäden und Anleitungen finden Sie ebenfalls auf unserer Website im Downloadpaket. Wir verfolgen einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess und damit werden alle Dokumente in regelmäßigen Abständen überarbeitet, wenn es denn notwendig ist. Die Leitfäden werden im Durchschnitt einmal im Quartal aktualisiert. Hierbei fließt auch das Feedback ein.

        An dieser Stelle noch ein Hinweis an die Interessierten. Bitte laden Sie für eine neue Aktion immer die neuesten Dokument aus dem Download herunter. Die FD05 ist bereits in der Überarbeitung.

        Es ist für mich sehr interessant zu wissen, wo wir Verständnisfragen stärker nachgehen können. Das schafft wieder Potential.

        Vielen herzlichen Dank

        Ann-Katrin Gremmel

  6. Marco Jacob

    Dieses Thema ist ja nun schon etwas älter. Festhalten möchte ich aber doch, dass es bei anderen Organisationen ähnlich läuft, vielleicht hier etwas offensichtlicher bei den Kosten (bei mir das Zertifikat PMP von PMI). Bei PMI muss man Fortbildungspunkte (PDU) nachweisen, die stichprobenartig durch PMI kontrolliert werden. Ich habe allerdings aus meinem Netzwerk nie etwas von einer Kontrolle gehört. Allerdings wäre das bei der Anzahl von Zertifikatsinhaber auch eine logistische Meisterleistung.

    Vorteilhaft finde ich bei PMI den Zusatz PMP „in good standing“, was auf die Rezertifizierung hinweist. Es wäre vielleicht auch bei GPM eine gute Idee, das Level D mit einem Attribut zu versehen. Ohne entsprechende Kontrolle stellt sich aber z.B. für Auftragnehmer die Frage, was der Zusatz wert ist.

    Ich sehe die Kosten für die Rezertifizierung so:
    Die Organisation benötigt Geld. Wenn man das nur aus neuen Zertifikaten zieht, braucht man ein Schneeballsystem, das früher oder später die Organisation zerstört. Durch die Rezertifizierungsgebühr braucht man das nicht. Außerdem zahle ich für das Zertifikat, weil es meiner Firma einen Vorteil im Wettbewerb bietet.

    Fazit:
    Die PM-Organisationen brauchen das Geld. Transparenz sollte es dabei geben. Es ist prima, wenn sich durch diesen BLOG etwas in dieser Hinsicht verbessert.

  7. Dr. Herbert Beckert

    Hallo @all,
    diesen Austausch fand ich sehr spannend und möchte hier noch einen Beitrag einbringen. Die International Association of Project Managers (IAPMTM) bietet ihre Zertifizierungen in englischer und seit 2010 in deutscher Sprache an. Im Vergleich zu PMI deckt die IAPM auch die Soft Skills ab. Die IAPM bietet neben den Zertifikatsgraden Certified Project Manager (IAPM) und Certified Senior Project Manager (IAPM) auch noch den Certified Agile Project Manager (IAPM) und Certified Senior Agile Project Manager (IAPM) an.

    Die IAPM ist m.W. die einzige PM-Organisation, die ihre Zertifikate, vglb. Universitätsdiplomen, dauerhaft vergibt. Die Sache läuft also nicht in Richtung „Gelddruckmaschine“. Außerdem anerkennt die IAPM die bereits abgelegten und bestandenen Prüfungen anderer Organisationen an, was ich sehr finde. Gegen eine Bearbeitungsgebühr kann man sein (auch bereits abgelaufenes) Zertifikat prüfen und anerkennen lassen (dazu setzte ich mich einfach mit einem Trainingspartner der IAPM in Verbindung). Die Gebühr belief sich auf ca. 100 €, bei einem vorhandenem Zertifikat, mit Anerkennung zum Certified Project Manager (IAPM). Diese Verwaltungsgebühr ist aus meiner Sicht gerechtfertigt gewesen.

    Jeder potenzielle Auftrag- oder Arbeitgeber kann nun mein Zertifkat auf der http://www.iapm.net verifizieren und auch die umfassenden Leitfäden PM-Guide 2.0 und Agile PM-Guide 2.0 ansehen und kostenlos herunterladen! Damit ist gewährleistet, dass auch bekannt ist, auf welches Wissen die IAPM prüft.

    Dr. Herbert Beckert

  8. René Kuechler

    Guten Tag Herr Raitner
    Bin gerade auf Ihren Beitrag hier gestossen, da mich das Thema grundsätzlich interessiert. Ihre Aussagen kann ich nicht ganz nachvollziehen – weniger wegen den inhaltlichen Details sondern viel mehr ganz grundsätzlich. Ich frage mich, warum Sie als so erfahrener Projektmanager denn überhaupt im Level D zertifizieren lassen. Wäre nicht eher Level B oder gar A das Richtige für Sie? Dann wäre auch Ihr Anspruch bzgl. Erfahrungsnachweis gestillt. Schöne Grüsse aus der Schweiz…

    • Marcus Raitner

      Hallo Herr Kuechler, die Level-D Zertifizierung liegt ja nun auch schon einige Jahre zurück bei mir, weshalb auch die Rezertifizierung anstand. Und eben diese fand ich nicht besonders sinnvoll gestaltet und habe das dargelegt. Natürlich könnte ich mich höher zertifizieren lassen, aber ehrlich gesagt interessieren mich diese Zertifikate nicht mehr. Ich halte nichts davon und sie bringen mir nichts. Mehr dazu in meiner Projektmanagement-Philosophie und in der ausführlichen Diskussion auf openPM.

  9. Die Diskussion ist berechtigt und man kann sich daran reiben. Jedem, der sich einmal überlegt was eingereicht wird und dass echte Personen das nicht nur abheften sondern überprüfen, wird klar, dass 250 € eigentlich nicht viel Geld für den Aufwand sind, der betrieben wird. Vor allem auch bei den höheren Leveln.
    Die Notwendigkeit ist aber nicht durch „Geldschneiderei“ entstanden. Am Anfang der 4-Level-Zertifikate war die unendliche Gültigkeit (ich habe Level d Ende 2005 gemacht, dieses Zertifikat gilt unendlich lang und verfällt nicht!), dann kamen die Großkonzerne (allen voran Siemens und Lufthansa, aber auch andere) und stellten fest, dass man ja gar nicht wisse, ob das Wissen des zertifizierten auch noch aktuell sei und übten über ihre Mitgliedschaft im Verband Druck aus, dass ein Verfallsdatum kommt. Dann wurde diese Rezertifizierung eingeführt und alle mussten alle 5 Jahre erneut zur Rezertifizierung (das gilt dann für meinen Level A – erworben Ende 2008, rezertifiziert Ende 2013).
    Nun ist die Rezertifizierung eines Level A wesentlich teurer, aber die Prüfung der Dokumente, die ich eingereicht habe auch wesentlich aufwendiger und daher passt m.E. Preis-Leistung.

    Nun kommt aber der Treppenwitz. Gerade die Großkonzerne, die uns das alles eingebrockt haben, haben irgendwann festgestellt, dass die Rezertifizierung ihrer angestellten Projektleiter richtig Geld kostet und nur den Frischegrad überprüft, aber kein zusätzliches Wissen bringt und finden das daher nicht mehr ok. Deswegen hat sich IAPM gegründet. Und gerade die Großkonzerne nutzen das jetzt.

    Aber mal ehrlich: Wen interessiert das Datum auf meiner Zertifizierungsurkunde? Ich habe für das Zertifikat nachgewiesen, dass ich zu einem Zeitpunkt X einen gewissen Grad an Wissen und Erfahrung erreicht habe und lasse mir das von einer neutralen (Schweizer Modell) Institution nachweisen. Das verfällt doch nicht. Auch wenn das Zertifikat abgelaufen ist, bestätigt es immer noch, dass ich in dem entsprechenden Jahr nachgewiesenermaßen das Wissen und die Erfahrung hatte!
    Und das Rezertifikat: Es beweist, dass die gleiche neutrale Institution zu einem anderen Zeitpunkt Y geprüft hat, dass ich mich weiterhin mit dem Thema beschäftigt habe und mich zu den Kompetenzelementen weitergebildet habe und auch neuere Strömungen und weitere Kompetenzen erworben habe.

    Wer mehr von den Zertifikaten erwartet, ist selbst Schuld. Wenn unsere Firma das macht, dann weil wir wissen, dass unsere Zertifikaten (auch die die schon Erfahrung haben) sich unter dem Druck einer Prüfung Mühe gegeben haben das Wissen zu lernen und in den Kursen und in den Prüfungen viel dazu gelernt haben. Deswegen machen wir absichtlich auch bei In-House-Kursen, Kurse bei denen von außen andere Teilnehmer dazu kommen, damit wir voneinander lernen. Wir nehmen einen Kursanbieter, der nicht nur auf die Prüfung vorbereitet, sondern den Anspruch hat das Wissen zu vermitteln. Der stammt auch nicht aus unserer Branche, damit wir viel reflektieren …
    Und die Rezertifizierung gibt uns und dem Mitarbeiter auch ein wenig die Erinnerung und ein wenig Druck in den nächsten 5 Jahren Interesse an Weiterbildung und vor allem Interesse am „Sich-die-Zeit-nehmen“ zu haben. Denn eins ist sicher: Im Tagesgeschäft ist es oft eine Kraftanstrengung den Kunden und uns zu überzeugen einen Projektleiter nicht weiter am Projekt werkeln zu lassen, sondern ihm die Auszeit zu geben, dass er mal 1 Woche etwas für sich tut und sich methodisch weiterentwickelt.

    • Marcus Raitner

      Danke, Roland, für Deinen ausführlichen Kommentar. Über Zertifizierungen und Rezertifizierungen der höheren Level kann ich aus eigener Erfahrung nichts sagen, aber dort war ja von Anfang an der Aspekt der Erfahrung berücksichtigt. Insofern finde ich es ok, nach einiger Zeit wieder zu prüfen ob der Inhaber des Zertifikats weitere Erfahrungen gemacht hat. Level D war und ist immer noch unabhängig von der Erfahrung, ein wenig so wie mein Abitur oder mein Diplom. Darum verstehe ich es immer noch nicht, was eine Rezertifizierung so wie sie bei mir durchgeführt wurde bringen soll außer Umsatz für die Zertifizierungsstellen.

      Bezüglich kontinuierlicher Weiterbildung bin ich vollkommen bei Dir. Dafür muss in jedem Unternehmen der Freiraum zur Verfügung stehen. Schade fände ich es allerdings, wenn man dazu den Druck einer Rezertifizierung bräuchte. Ich gehe davon aus, dass Mitarbeiter grundsätzlich willens sind sich zu entwickeln. Als Unternehmen müssen wir ihnen nur die Möglichkeiten und den Raum bieten. Eigentlich einfach.

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