Meine drei Führungsprinzipien

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Unternehmer-Coach, Führungstrainer und Buchautor Bernd Geropp hat kürzlich eine Blog-Parade gestartet zum Thema Führungsprinzipien. Eine willkommene Gelegenheit, meine drei wichtigsten Prinzipien in diesem Artikel auf den Punkt zu bringen. Die Grundlage meiner Überlegungen bildet die richtige Haltung im Sinne eines passenden Menschenbilds, darauf aufbauend das zentrale Prinzip des Vertrauens und schließlich die Gelassenheit als entspanntes Arbeiten auf der Führungsebene.

Haltung

Die Gretchenfrage der Führung betrifft das zugrunde liegende Menschenbild: Muss der prinzipiell arbeitsscheue Mensch angeleitet, geführt und kontrolliert werden (Theorie X) oder ist der Mensch prinzipiell leistungsbereit, von innen motiviert und übernimmt bereitwillig Verantwortung für ein Projekt mit dem er sich identifiziert (Theorie Y). Führung ist zunächst eine Frage dieser Haltung: Sehe ich mich als heroischer Macher und einsamer Retter den normalen Mitarbeitern überlegen oder als erster Diener des Unternehmens (in Abwandlung der Maxime von Friedrich des Großen: »Ich will der erste Diener meines Staates sein.«)? Immer noch finden sich in zu vielen Unternehmen und in zu vielen Köpfen die im Zeitalter der Wissensarbeit nicht nur wenig förderlichen sondern sogar nachweisbar schädlichen Denkweisen der Theorie X. In der Überwindung dieses falschen Menschenbilds sehe ich heute die größte Herausforderung moderner Führung.

The answer to the question managers so often ask of behavioral scientists „How do you motivate people?“ is, „You don’t.“
Douglas McGregor

Vertrauen

Ein gutes Maß an Grundvertrauen in die Menschen ist ein ganz wesentlicher Bestandteil meines Führungsverständnisses. Wer Selbstorganisation, eigenverantwortliches Handeln und folglich kreative Lösungen von vielen anstatt Kreativitätsapartheid will, muss angstfreie Räume schaffen. Die Größe dieser Freiräume und das rechte Maß an Vertrauen hängt stark vom Klima in der jeweiligen Organisation ab. Wer über Jahre in dem starren Korsett von Misstrauen und Kontrolle gefangen war, wird heute nicht eben Mal schnell einen erweiterten Vertrauensspielraum nutzen können. Das erfordert Führung im Sinne einen längeren und professionell begleiteten Veränderungsprozess.

Vertrauen ist das Gefühl, einem Menschen sogar dann glauben zu können, wenn man weiß, daß man an seiner Stelle lügen würde.
Henry Louis Mencken

Gelassenheit

Gelassenheit hat zwei Seiten. Es geht mir einerseits um das gelassene Arbeiten ohne in Hektik. Dazu braucht es ein gesundes Maß an Spielräumen in der Arbeit als Führungskraft. Der Schlüssel dazu liegt für mich in konsequenter Delegation und der Befähigung zur Selbstorganisation. Die Aufgabe der Führungskraft ist es nicht und soll es nicht sein, alles selbst zu tun, sondern Menschen und Organisation zu befähigen, gemeinsam erfolgreiche und sinnvolle Arbeit zu leisten (vgl. Meine Philosophie).

Wenn Du am Ende der Vorstellung schwitzt, hast Du etwas falsch gemacht.
Richard Strauß

Schwierig dabei ist die Neigung vieler Menschen, die aufgrund ihrer fachlichen Leistungen Führungsaufgaben übernommen haben, sich selbst immer noch als ihren wichtigsten Mitarbeiter zu betrachten und intensiv im Detail mitarbeiten. Meistens ein schmerzvoller Weg für alle Beteiligten. Für die Mitarbeiter, weil ihnen ein selbstbestimmtes Arbeiten nicht vergönnt ist. Und für die Führungskraft, die ineffektiv bleibt, weil durch die intensive Arbeit im System die eigentliche gestaltende Arbeit am System vergessen wird. Dieses Loslassen von der eigentlichen Arbeit ist für mich die zweite Facette von Gelassenheit: Zulassen, dass nun andere die (geliebte) Detailarbeit machen und akzeptieren, dass die eigenen Führungsaufgabe auf anderer Ebene angesiedelt ist.

Der beste Führer ist der, dessen Existenz gar nicht bemerkt wird, der zweitbeste der, welcher geehrt und gepriesen wird, der nächstbeste der, den man fürchtet und der schlechteste der, den man hasst. Wenn die Arbeit des besten Führers getan ist, sagen die Leute: »Das haben wir selbst getan«.
Lao Tse

Artikelbild: João Pacheco bei pic jumbo

5 Kommentare

    • Marcus Raitner

      Vielen Dank, Roland. Gerade von Dir als erfahrenen Unternehmer freut mich diese Anerkennung sehr!

  1. Vertrauen – das ist DAS Stichwort.

    Wer mich führen möchte, der muss mir zeigen, dass er mir vertraut.
    Wer mir nicht vertraut und mir damit unterstellt, dass ich meine Sache nicht gut machen werde oder will, der wird es schwer mit mir haben …

    Danke für diesen Beitrag
    Heike Lorenz

    • Vielen Dank für Ihre Zustimmung. In einem seiner leider recht seltenen Videos erklärt Viktor Frankl erklärt er recht anschaulich, warum es absolut sinnvoll ist einen Vertrauensvorschuss zu geben. Er bezieht sich dabei auf das folgende Zitat von Goethe:

      Wenn wir, sagtest du, die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter. Wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.
      Johann Wolfgang von Goethe in Wilhelm Meisters Lehrjahre VIII, 4

  2. Pingback: Führungsstärke – Schmerzen und Mühen der Demokratie « Dr. Joachim Schlosser

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