Digitalisierung

Agilität oder Stabilität? Beides!

Durch die disruptive Kraft der Digitalisierung sehen sich immer mehr etablierte Unternehmen mit neuen Konkurrenten konfrontiert. Völlig unbelastet von zu Silos erstarrter funktionaler Teilung und der damit einhergehenden Bürokratie ändern diese Startups blitzschnell die Richtung und erfinden sich ständig neu. Und so scheint es manchem, als wäre die Agilität der Neuen und die Stabilität der Alten ein Gegensatz wie warm und kalt. Tatsächlich sind Agilität im Sinne von Wendigkeit und Effektivität und Stabilität im Sinne von Verlässlichkeit und Effizienz zwei unabhängige Qualitäten einer Organisation. Beides ist notwendig im jeweils richtigen Maß.

In the beginner’s mind there are many possibilities, but in the expert’s there are few. Shunryu Suzuki

Egal wie agil ein Startup ist, am Ende muss das Produkt dem Kunden verlässlich geliefert werden. Stabilität und Verfügbarkeit von ist auch und gerade für die Neuen ein Wert. Und nicht selten eine große Herausforderung: man denke nur an den legendären fail-whale von Twitter. Wenn es andererseits richtig gut läuft, wird aus der ohnehin notwendigen Verlässlichkeit ein ganz neues Geschäftsfeld wie dies Amazon mit den Amazon Web Services gelungen ist.

Umgekehrt sind auch die etablierten Unternehmen – insbesondere in der produzierenden Industrie – keineswegs statisch. Auch dort entstehen in regelmäßigen Abständen neue Produkte und sogar neue Produktkategorien wie in der Autoindustrie mit der in den letzten Jahren deutlich zunehmenden Diversifizierung der Produktpalette zu beobachten ist. Und auch dort entstanden schon immer neue profitable Geschäftfelder wie die Finanzierung der eigenen Produkte und weiterer Bankdienstleistungen (bis zu dem Punkt, dass Siemens gelegentlich schon als Bank mit angeschlossener Elektronikabteilung bezeichnet wurde). Ohne diese kontinuierliche Erneuerung kann kein Unternehmen überleben egal wie effizient es produziert; andere werden es überholen und den Bedarf der Kunden effektiver bedienen können.

Truly agile organizations, paradoxically, learn to be both stable (resilient, reliable, and efficient) and dynamic (fast, nimble, and adaptive).
Agility: It rhymes with stability. McKinsey Quaterly December 2015

Solange sich die Konkurrenten im gleichen Takt bewegen, weil sie nach ähnlichen Paradigmen entwickeln und produzieren, gibt es auch kein Problem. Schwierig wird es aber, wenn Paradigmenwechsel anstehen. Wenn beispielsweise die Digitalisierung bis hin zum 3D-Druck Umrüstzeiten in der Produktion verschwinden lässt und so Losgröße 1 bei gleichen oder sogar niedrigeren Kosten ermöglicht. Oder wenn sich der Markt vom Besitzen eines Autos zum Benutzen eines Mobilitätsservice verändert durch eine technologische Innovation wie das vollautonome Fahren. Dann reicht das bisherige Maß an Agilität nicht aus und muss erhöht werden. Freilich ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten und die Qualität der Stabilität aufzugeben.

True stability results when presumed order and presumed disorder are balanced. A truly stable system expects the unexpected, is prepared to be disrupted, waits to be transformed.
Tom Robbins

Das Gegenteil von Agilität ist nicht Stabilität, sondern Unbeweglichkeit. Und Unbeweglichkeit ist pathologisch. Oder mit den Worten von Anja Förster und Peter Kreuz: „Nur Tote bleiben liegen.“ Erfolgreiche Unternehmen brauchen immer beides: Agilität und Stabilität. Im richtigen Maß und zum richtigen Zweck.

Es lohnt sich Agilität und Stabilität sauber zu unterscheiden, ohne in trennenden Gegensätzen zu denken. „Unterscheide ohne zu trennen“ wird daher das Motto des diesjährigen PM Camps in Dornbirn lauten. Ein spannendes und vielschichtiges Thema. So spannend und vielschichtig wie jedes PM Camp. Ich freue mich schon sehr auf den Austausch!

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