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Unboss statt Egomanen an der Spitze

Zeiten der Veränderung sind Zeiten der Verunsicherung. Ein Reaktionsmuster auf diese Verunsicherung ist der Ruf nach Helden und starken Führern, die Ordnung ins Chaos bringen und den Weg weisen. Auf gesellschaftlicher und politischer Ebene erleben wir deshalb ein Erstarken von nationalistischen Tendenzen und zunehmende Popularität von Politikern, deren Beitrag im Wesentlichen darin besteht, die Komplexität der Welt unzulässig zu vereinfachen durch Einteilung in schwarz und weiß, gut und falsch, wir und die und andere falsche Dichotomien. In Zeiten digitaler Disruption wächst auch in Unternehmen die Angst. Und während man sich vielerorts dann eben den starken Führer herbeiwünscht, machen wirklich starke Führungspersönlichkeiten wie Vas Narasimhan bei Novartis das Gegenteil: „Unboss your Company!“

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Komplex oder kompliziert?

Der naive und intuitive Sprachgebrauch vermischt und überlagert zuweilen, was besser sauber unterschieden werden sollte. Beliebt bei Lektoren sind da beispielsweise die Begriffe anscheinend und scheinbar. Ersterer bedeutet, dass etwas allem Anschein nach auch so ist, während mit scheinbar zum Ausdruck gebracht wird, dass etwas nur so zu sein scheint, aber in Wirklichkeit anders ist. Scheinbar (sic!) genauso spitzfindig ist die Unterscheidung zwischen den Begriffen kompliziert und komplex. In der Praxis werden sie oft synonym verwendet oder allenfalls wird komplex als Steigerung für kompliziert benutzt. Die Unterscheidung dieser beiden Begriffe macht aber einen entscheidenen Unterschied.

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Wer A sagt muss auch B sagen und andere falsche Dichotomien

Der Begriff Dichotomie geht auf das griechische dichotomía (διχοτομία) zurück und bedeutet Zweiteilung. Eine falsche Dichotomie ist die Suggestion, dass es zu einer Streitfrage nur zwei sich gegenseitig ausschließende Alternativen gäbe, obwohl tatsächlich weitere vorhanden sind oder sich die beiden angebotenen Alternativen gar nicht widersprechen oder ausschließen. Beliebt ist dieser rhetorische Trick bei Verkäufern etwa in Form der Frage, ob man lieber das blaue oder das weiße Hemd kaufen möchte, was die dritte Alternative, nämlich keines der beiden zu kaufen, ganz bewusst unterschlägt. Und auch ich verwende das Muster gelegentlich, um meinen Töchtern die Kleiderwahl zu „erleichtern“, was sie natürlich meist durchschauen.

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Gute Führung macht sich überflüssig

Führung bedeutet schon lange nicht mehr Kommando und Kontrolle. Sie ist kein Privileg, sondern Dienstleistung. Die Dienstleistung besteht darin, Menschen zur Selbstführung und zur Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen zu ermächtigen und zu befähigen und sie dadurch erfolgreich zu machen. Der Wandel zu neuer Führung beginnt notwendigerweise beim Einzelnen und seinem Menschenbild. Dieser Wandel ist aber auch immer eine Irritation der Organisation und ihrer Kultur. Das neue Führungsverständnis, wie es das Manifest für menschliche Führung beschreibt, wird als Faulheit, Unfähigkeit oder Verantwortungslosigkeit abgetan werden, denn gute Führung macht sich letztlich überflüssig und stellt damit den zupackenden und bisweilen hektischen Aktionismus traditionellen Managements in Frage.

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Die agilen Falschmünzer auf dem Weg in die Cargo-Kult-Hölle

Wer Spotify nachmacht oder SAFe einführt oder nachgemachte oder verfälschte agile Frameworks sich verschafft und als best practice in den Verkehr bringt, wird mit sinnlosen kultischen Handlungen nicht unter 20 Stunden pro Woche und Mitarbeiter bestraft. Der Weg in die agilen Cargo-Kult-Hölle ist gut gepflastert mit best practices, Blaupausen und Frameworks und wird gesäumt von Werbeplakaten mit der Aufschrift: „Erfinde das Rad nicht neu!“ Agilität ist aber weniger eine Frage der Methode, sondern eine Frage von Prinzipien und Haltung.

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