Feel it!

Andre­as Zeuch stellt sei­nem Buch Feel it!: So viel Intui­ti­on ver­trägt Ihr Unter­neh­men nicht ohne Grund eines mei­ner Lieb­lings­zi­ta­te voran:

Wenn Ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erja­gen! (J.W. Goe­the, Faust I)

Intui­ti­on ist ein unaus­weich­li­cher Fak­tor in unse­rem Leben. Aber Intui­ti­on in der Unter­neh­mens­welt: das wirkt zunächst unse­ri­ös und irgend­wie ver­däch­tig. Klingt es uns doch noch das gän­gi­ge Manage­ment-Cre­do in den Ohren: „Was man nicht mes­sen kann, kann man nicht steuern.“

Intui­ti­on spielt immer eine Rol­le – ob es uns nun gefällt oder nicht. Wir kön­nen uns nicht aus­su­chen, ob das Unbe­wuss­te unser Den­ken und Han­deln beein­flusst. Ein Groß­teil der auf uns ein­strö­men­den Infor­ma­tio­nen wird unbe­wusst wahr­ge­nom­men und unbe­wusst ver­ar­bei­tet. Die­se Vor­gän­ge waren und sind für die Spe­zi­es Mensch über­le­bens­not­wen­dig: wer will schon aktiv nach­den­ken müs­sen, ob es sinn­voll sein könn­te, mit dem Säbel­zahn­ti­ger zu verhandeln.

Die Fra­ge ist also nur: wie viel Raum gibt man der Intui­ti­on auf per­sön­li­cher und, im zwei­ten Schritt, auf insti­tu­tio­nel­ler Ebe­ne. Gän­gi­ge, von Andre­as Zeuch als „para­do­xer Pseu­do­rea­lis­mus“, bezeich­ne­te Pra­xis ist es, unge­ach­tet der zahl­rei­chen For­schungs­er­geb­nis­se der letz­ten Jah­re und Jahr­zehn­te, dar­auf zu behar­ren, dass erfolg­rei­che Ent­schei­dun­gen stets mit küh­lem Kopf und auf Basis mög­lichst voll­stän­di­ger Infor­ma­ti­on getrof­fen wer­den. Allein wegen der umfang­rei­chen und anschau­li­chen Gegen­bei­spie­le dazu, lohnt sich die Lektüre.

Anstatt nun ein Lob­lied auf die Intui­ti­on anzu­stim­men, zeigt uns Andre­as Zeuch auch die Gefah­ren der unge­bän­dig­ten Intui­ti­on und beschreibt sehr anschau­lich und wie­der mit vie­len Bei­spie­len die wich­tigs­ten Intui­ti­ons­fal­len. Nicht um uns das neue Spiel­zeug madig zu machen, son­dern um das rich­ti­ge Maß im Umgang mit der Intui­ti­on zu finden.

Die­ser ers­te Teil ist aber sozu­sa­gen nur Vor­be­rei­tung für den zwei­ten Teil, der sich der prak­ti­schen Nut­zung und der Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Intui­ti­on wid­met. Einer­seits als per­sön­li­che Kom­pe­tenz des ein­zel­nen Mit­ar­bei­ters und ande­rer­seits in Form einer Unter­neh­mens­kul­tur, die der Intui­ti­on den nöti­gen Raum bietet.

Fazit

Ein sehr wich­ti­ges Buch. Klar struk­tu­riert wird das Phä­no­men Intui­ti­on als unaus­weich­li­cher Fak­tor mensch­li­chen Lebens von ganz ver­schie­de­nen Sei­ten beleuch­tet und schließ­lich wert­vol­le Rat­schlä­ge im Umgang damit gege­ben. Die vie­len Fuß­no­ten und das umfas­sen­de Lite­ra­tur­ver­zeich­nis run­den das Lese­ver­gnü­gen ab und machen Lust auf mehr. Abso­lut lesenswert.

Weitere Rezensionen

  • Jason Fried und David Hei­nemei­er-Hans­son. Rework.
  • Gary Vay­ner­chuk. Crush It!

PS. Wei­te­re wich­ti­ge Bücher fin­den sich in mei­nen Buch­emp­feh­lun­gen. Kom­men­ta­re, Ergän­zun­gen und Anre­gun­gen freu­en mich sehr.

 

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Von Marcus Raitner

Hi, ich bin Marcus. Ich bin der festen Überzeugung, dass Elefanten tanzen können. Daher begleite ich Organisationen auf ihrem Weg zu mehr Agilität. Über die Themen Führung, Digitalisierung, Neue Arbeit, Agilität und vieles mehr schreibe ich seit 2010 in diesem Blog. Mehr über mich.

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