Projektcoaching (16): Glaubenssätze

Ein Pro­jekt­coach macht Men­schen im Pro­jekt erfolg­reich. Er ist Coach, Bera­ter und Spar­rings­part­ner in einer Per­son; er agiert als graue Emi­nenz im Hin­ter­grund. Sein Hand­werks­zeug sind in ers­ter Linie Fra­gen: im Ide­al­fall erkennt oder erar­bei­tet der Anwor­ten­de sich dabei die Lösung selbst. Die The­men sind so viel­fäl­tig wie die Men­schen und ihre jewei­li­gen Rol­len im Pro­jekt: vom per­sön­li­chen Coa­ching des Pro­jekt­lei­ters bis hin zum detail­lier­ten Hin­ter­fra­gen des Risi­ko­ma­nage­ments. In die­ser Arti­kel­se­rie erschei­nen jede Woche fünf typi­sche Fra­gen eines Pro­jekt­coa­ches zu einem aus­ge­wähl­ten The­ma. Die­se Fra­gen geben einen ers­ten Ein­druck von Pro­jekt­coa­ching und regen an zum Nach­den­ken über das eige­ne Pro­jekt und die eige­ne Rol­le dar­in. Nach der Füh­rungs­rol­le und der Betrach­tung der drei Rol­len eines Pro­jekt­ma­na­gers, geht es die­se Woche um Glaubenssätze.

Thema der Woche: Glaubenssätze

Füh­ren kann nur, wer sich selbst füh­ren kann. Sagt man. Wirk­sa­me Füh­rung setzt vor­aus, sich selbst zu ken­nen, mit den eige­nen Glau­bens­ät­zen umge­hen zu kön­nen, die knapp bemes­se­ne eige­ne Zeit rich­tig ein­tei­len zu kön­nen, Ord­nung zu schaf­fen und zu hal­ten. Im Pro­jekt spie­geln sich dann nur die­se Fähig­kei­ten zum Selbst­ma­nage­ment. So gese­hen bekommt jeder Pro­jekt­ma­na­ger das Pro­jekt das er verdient.

Mit den eige­nen Glau­bens­sät­zen beginnt das Dra­ma – lei­der oft unbe­merkt, weil unbe­wusst. Gera­de dann wenn man erst­mals die Rol­le des Pro­jekt­ma­na­gers über­nimmt, ste­hen die bis­he­ri­gen Glau­bens­sät­ze oft dem eige­nen Erfolg im Weg. Nicht weil sie falsch wären, son­dern nicht zur ver­än­der­ten Rol­le pas­sen. „Wenn Du willst, dass etwas rich­tig gemacht wird, muss Du es selbst machen.“ Solan­ge Sie als Fach­kraft arbei­ten, solan­ge Sie nicht dele­gie­ren und Mit­ar­bei­tern ver­trau­en müs­sen, solan­ge ist die­ser Glau­bens­satz kein Pro­blem. Im Gegen­teil: ver­mut­lich wer­den Sie damit sogar als beson­ders enga­giert gel­ten und erfolg­reich sein. Als Pro­jek­ma­na­ger ist die­ser Glau­bens­satz sicher­lich sub­op­ti­mal, da er Sie dazu ver­lei­ten wird, viel zu viel selbst als Fach­kraft im Pro­jekt mit­zu­ar­bei­ten und Sie folg­lich Ihre Auf­ga­ben als Mana­ger und Unter­neh­mer ver­nach­läs­si­gen wer­den (vgl. Fach­kraft, Mana­ger oder Unter­neh­mer).

Anstatt der übli­chen fünf Coa­ching-Fra­gen zum The­ma der Woche, brin­ge ich die­se Woche fünf Bei­spie­le von Glau­bens­sät­zen, die ich für wenig hilf­reich in der Rol­le eines Pro­jekt­ma­na­ger hal­te. Gedacht sind sie als Anre­gung, sich mit den eige­nen Glau­bens­sät­zen auseinanderzusetzen.

  1. Nur per­fekt ist gut genug.“
  2. Ver­trau­en ist gut, Kon­trol­le ist besser.“
  3. Ich bin nur dann glück­lich, wenn die meis­ten Leu­te, die ich ken­ne, mich bewundern.“
  4. Wenn jemand nicht mei­ner Mei­nung ist, dann heißt das ver­mut­lich, dass er mich nicht mag.“
  5. Um Hil­fe zu bit­ten ist ein Zei­chen von Schwäche.“

Vorangegangene Teile der Serie Projektcoaching

Bildnachweis

Das Foto habe ich am Wochen­en­de beim Gril­len an der Isar aufgenommen.

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4 Kommentare

Hal­lo Herr Raitner
Zum Glau­bens­satz Ver­trau­en / Kon­trol­le fällt mir spon­tan ein: Kon­trol­le wird viel­leicht bei uns zu eng inter­pre­tiert. Im kyber­ne­ti­schen Sin­ne von con­trol ist Kon­trol­le ja unbe­dingt nötig. Dabei darf aber offen blei­ben, ob es sich um Selbst- oder Fremd­kon­trol­le han­delt. Ich glau­be: die rich­ti­ge Form / das rich­ti­ge Mass ist (wie immer) entscheidend.

Herz­li­che Grüs­se, Ste­fan Studer

Hal­lo Herr Studer,

dan­ke für Ihren Kom­men­tar. Kon­trol­le ist defi­ni­tiv nötig. Den­noch glau­be ich, dass im Umgang mit hoch­qua­li­fi­zier­ten Men­schen die Regel lau­ten soll­te: Ver­trau­en vor (nicht: statt!) Kon­trol­le. (vgl. Nach­le­se zum IF-Forum Mensch und Manage­ment Aber Sie sagen es ja schon selbst ganz rich­tig: es ist eine Fra­ge der Dosis.

Herz­li­che Grüße,
Mar­cus Raitner

Hal­lo Mar­cus, Kon­trol­le ist not­wen­dig. Die Fra­ge ist, wie sie bei dem der kon­trol­liert wird, ankommt. Erfah­re­ne Fürungs­kräf­te nut­zen die Mög­lich­kei­ten, mit den „Mei­len­stei­nen“ des Pro­jekt­ma­nage­ments die Kon­trol­le aus­zu­üben. Der Mit­ar­bei­ter gibt in sei­ner Zusam­men­ar­beit mit der Füh­rungs­kraft sei­ne „Kon­troll­punk­te“ bekannt. Er bestimmt, wann er mit wel­chem Ergeb­nis zu einer bestimm­ten Zeit fer­tig sein will. Somit emp­fin­det er kei­ne Kon­trol­le und die Füh­rungs­kraft kann den Weg des Pro­zes­ses / Pro­jek­tes ver­fol­gen und ggfls. klä­rend eingreifen.
Herz­li­che Grü­ße Rainer

Hal­lo Rainer,

vie­len Dank für Dei­nen Kom­men­tar. Dei­ne Sicht­wei­se gefällt mir sehr gut: ent­schei­dend ist wie es beim Mit­ar­bei­ter ankommt. Sicher­lich ver­steht jeder Mit­ar­bei­ter den voll­kom­men berech­tig­ten Infor­ma­ti­ons­be­darf einer Füh­rungs­kraft hin­sicht­lich der ver­ein­bar­ten Ergeb­nis­se und Mei­len­stei­ne, mehr soll­te es dann aber auch nicht sein. Mei­ner Mei­nung nach machen gera­de vie­le jun­ge Füh­rungs­kräf­te, die eben noch selbst kräf­tig und erfolg­reich inhalt­lich gear­bei­tet haben, den Feh­ler, sich über die­ses sinn­vol­le Maß der Infor­ma­ti­on und Kon­trol­le hin­aus ein­zu­mi­schen. Und dann wird es problematisch.

Herz­li­che Grüße,
Marcus

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