Monate: Oktober 2011

Open-PM: Cui bono?

Wer andere zur Mitarbeit bewegen will, tut gut daran, Sinn und Nutzen des Projekts herauszuarbeiten. Nebenbei bemerkt auch und gerade dann wenn es sich um eine bezahlte Tätigkeit handelt: Geld kann Sinn niemals ersetzen. Wozu also die Initiative Open-PM (#openpm), die ich auf dem PM-Camp 2011 von 3.–5.11. in Dornbirn, Österreich, vorstellen und diskutieren will? Wem nützt ein freier und offener PM-Standard und warum sollten Menschen unentgeltlich in der Open-PM Community mitarbeiten wollen?

Open-PM: Ein Aufruf

Eines vorweg: Ich habe nichts gegen Projektmanagement-Standards wie das PMI PMBoK. Genauso wenig wie gegen den Brockhaus. Ich glaube nur die Zeiten ändern sich. Den Brockhaus hat es bereits erwischt: Wikipedia ist qualitativ mindestens ebenbürtig, aber um ein Vielfaches aktueller. Ich finde es gut, ein verlässliches Nachschlagewerk zu haben – früher eben den Brockhaus und heute Wikipedia. Ob es dafür eine Institution „Brockhaus“ zur Herstellung und Pflege dieses verlässlichen Standards geben muss, hat die Realität längst mit einem eindeutigen Nein beantwortet. Die Dienstleistung einer Institution „Brockhaus“, nämlich die Sammlung, Aktualisierung und Prüfung, erfolgt nun kollaborativ und demokratisch. Wie Don Tapscott in seinen Büchern Wikinomics und Macrowikinomics mit zahlreichen Beispielen belegt, handelt es sich dabei nicht um einen Einzelfall sondern um ein wiederkehrendes Muster. Vor diesem Hintergrund frage ich mich: Wozu brauchen wir also Institutionen wie PMI & Co.?

Nerd Attack!

Eigentlich habe ich es ja nicht so mit Nostalgie. Zu oft habe ich seit meiner Kindheit die Klagen älterer Mitmenschen anhören müssen, früher sei doch alles besser gewesen. Trotz Krieg und Nachkriegszeit wohlgemerkt. Als Beweis wurde dann immer angeführt, dass damals eine Semmel (für die norddeutschen Leser: ein Brötchen) schließlich nur zwei Pfennig kostete. Meine rationale Argumentation mit Inflation und Statistik der Lebensmittelpreise verlief stets ergebnislos. Nostalgische Schwärmerei ist meiner Meinung nach ein untrügliches Anzeichen fortschreitenden Alters, ebenso wie die (eingebildete) Unverträglichkeit von Kaffee nach 15:00 Uhr. Dennoch halte ich Nerd Attack!: Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook von Christian Stöcker für ein sehr wichtiges Buch und keineswegs für nostalgische Verklärung der Vergangenheit. Werde ich langsam alt?