Streitkultur

In Stu­di­en über das Schei­tern von Pro­jek­ten steht man­gel­haf­te Kom­mu­ni­ka­ti­on fast immer ganz oben. Kom­mu­ni­ka­ti­on lei­det ins­be­son­de­re dann, wenn es unan­ge­nehm zu wer­den droht. Aus Angst vor Kon­flik­ten, wer­den Rol­len nicht sau­ber defi­niert, unnö­ti­ge – oder jeden­falls nicht ver­ein­bar­te – Auf­ga­ben über­nom­men und Risi­ken bis zur Unkennt­lich­keit weich­ge­spült und ingno­riert. Eine der wich­tigs­ten Maß­nah­men zum Risi­ko­ma­nage­ment im Pro­jekt ist daher die För­de­rung einer offe­nen und kon­struk­ti­ven Streitkultur.

Die Ter­min­pla­nung und Eröff­nung des neu­en Ber­li­ner Groß­flug­ha­fens „gilt wei­ter­hin als gesi­chert“ – so steht es, nicht nur ein­mal, in Prüf­be­rich­ten über die Groß­bau­stel­le. So wur­de es, nicht nur ein­mal, den Auf­sichts­rä­ten vor­ge­legt. Und so haben die­se es, nicht nur ein­mal, weitergewunken.

Quel­le: Süd­deut­sche Zei­tung, 26.05.2012

Wer sol­che Berich­te akzep­tiert ohne hell­hö­rig zu wer­den oder — schlim­mer noch — wer die­ser weich­ge­spül­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on durch sein eige­nes Ver­hal­ten Vor­schub leis­tet, han­delt grob fahr­läs­sig. Wer sol­che Berich­te schreibt, wer Risi­ken und Pro­ble­me klein­re­det, ist nicht diplo­ma­tisch, son­dern unver­ant­wort­lich und unprofessionell.

Wir haben uns nicht immer alle lieb. Ist auch nicht nötig. Pro­jek­te sind Dis­kus­sio­nen. Von Anfang an. Dis­kus­sio­nen um den Umfang, das Bud­get, die Mit­ar­bei­ter, die ein­zel­nen Rol­len, die bes­te Lösung, und vie­les mehr. Die Fähig­keit kon­struk­tiv zu strei­ten ist von zen­tra­ler Bedeu­tung in Pro­jek­ten. Und wenn wie­der ein­mal von man­gel­haf­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on die Rede ist, dann ist oft genau das gemeint: eine man­gel­haf­te Streitkultur.

The peop­le to fear are not tho­se who dis­agree with you, but tho­se who dis­agree with you and are too coward­ly to let you know.

Napo­le­on Bonaparte

Der Pro­jekt­lei­ter gestal­tet das Pro­jekt, arbei­tet am Sys­tem, und hat damit die Ver­ant­wor­tung die­se Streit­kul­tur zu för­dern. Das geht weni­ger über Regeln der Kom­mu­ni­ka­ti­on (die aber auch nicht scha­den) als viel­mehr über das eige­ne Vor­bild und Feed­back. Wer sprich­wört­lich den Über­brin­ger der schlech­ten Nach­rich­ten köpft, muss sich nicht wun­dern. Das eige­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten in die­ser Hin­sicht zu reflek­tie­ren und zu ver­bes­sern ist nicht ein­fach, gera­de nicht in stres­si­gen Pha­sen, dann aber beson­ders wich­tig. Ein Pro­jekt­coach kann dabei eine wert­vol­le Hil­fe sein.

If we are all in agree­ment on the decisi­on – then I pro­po­se we post­po­ne fur­ther dis­cus­sion of this mat­ter until our next mee­ting to give our­sel­ves time to deve­lop dis­agree­ment and perhaps gain some under­stan­ding of what the decisi­on is all about.

Alfred P. Sloan

Bildnachweis

Das Arti­kel­bild wur­de von Edmund Gar­man unter dem Titel „Barb­wire At Night 2“ auf Flickr unter einer Crea­ti­ve-Com­mons Lizenz (CC-BY 2.0) ver­öf­fent­licht.

Du willst keinen Artikel mehr verpassen?

Mit mei­nem News­let­ter bekommst du ein­mal wöchent­lich die neu­es­ten Arti­kel direkt in dei­nen Eingangskorb.

Schreibe einen Kommentar