Monate: August 2012

Vertrauen erleben

Das Motto unseres Bauträgers lautet »Vertrauen erleben«. Es trifft einen entscheidenden Punkt: es geht in Projekten um Vertrauen – nicht nur in der Baubranche. Darum eignet sich dieses Motto sehr gut als Maxime für das Stakeholdermanagement. Vertrauen ist eine Beziehungsgröße. Es wird durch das Verhalten der in Beziehung stehenden Parteien aufgebaut oder verspielt. In jeder neuen Beziehung ist Vertrauen zunächst eine unbewiesene Hypothese. Es wird laufend auf die Probe gestellt: Es muss sich erst zeigen, ob und inwieweit vertraut werden kann. Man muss und man will »Vertrauen erleben«, um vertrauen zu können.

Paradigmen postindustriellen Projektmanagements

Projektmanagement ist geprägt vom Geist der jeweiligen Zeit. Der Einfluss der wissenschaftlichen Betriebsführung von Frederick Winslow Taylor hat das Projektmanagement seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit zuletzt deutlich geprägt. Was heute gemeinhin als Projektmanagement beschrieben und zertifiziert wird ist meist nur diese eine industriell geprägte Mode in einer viel weiter zurückreichenden Disziplin Projektmanagement. Mit der Abkehr – oder wenigstens mit der kritischen Auseinandersetzung – mit klassischem Management im Zeitalter der Wissensarbeit, bricht nun auch für das Projektmanagement das postindustrielle Zeitalter an. Nicht zuletzt geht damit einher ein radikaler Wechsel der Paradigmen. An Stelle von Hierarchie tritt Selbstverwaltung, Umgang mit Komplexität geht vor Effizienz und strikte funktionale Teilung weicht vielfältigen Teams.

Informatik studieren!

Die Rede vom Fachkräftemangel verhallt seit Jahren ungehört. Die demographische Entwicklung wird die Situation in den nächsten Jahren uns Jahrzehnten noch verschärfen, weil von nun an die Anzahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter abnehmen wird ohne dass wir irgendetwas dagegen tun könnten. Peter F. Drucker nannte die Demographie deshalb auch „the future that already happend.“ Auf dem Gebiet der Informationstechnologie ist die Situation mittlerweile so schlimm, dass selbst in gesamtwirtschaftlich schwierigen Situation wie der zuletzt erlebten Finanzkrise, lediglich weniger Mangel an qualifizierten Arbeitskräften herrscht. Die Initiative „Informatik studieren!“ von Prof. Ernst Denert, den ich persönlich sehr schätze, hat es sich zur Aufgabe gemacht mehr junge Menschen zum Studium der Informatik zu bewegen.

Betroffene zu Beteiligten machen? Von wegen!

Wenn es so etwas wie die goldene Regel des Umgangs mit Stakeholdern gibt, dann ist das „Betroffene zu Beteiligten machen.“ Die von einem Projekt direkt oder indirekt betroffen Menschen sollen in geeigneter Weise eingebunden werden. Die Form der Einbindung ist je Gruppe unterschiedlich und entsprechend der jeweiligen Bedürfnisse auszugestalten: den einen reicht ein monatlicher Newsletter, die anderen brauchen eine Hotline und wieder andere entscheiden sogar mit. Nur wenig Bereiche des Projektmanagements lassen sich auf eine so griffige Kurzformel reduzieren. Dennoch oder gerade deswegen wird Stakeholdermanagement oft sträflich vernachlässigt. Kann ja auch leicht passieren, dass man im Dickicht des Projektumfelds die eine oder andere Interessengruppe vergisst, aber wenigstens die Auftraggeber und Geldgeber sollte man doch geeignet einbinden. Dachte ich jedenfalls bevor wir unser Haus von einem – im übrigen sehr guten und renommierten – Bauträger bauen ließen.

Dekonstruktion des Projektmanagements

Menschen machen Projekte. Viel länger schon als Projektmanagement standardisiert und zertifiziert wird. Weder für die Pyramiden noch für die chinesische Mauer waren ein PMBOK oder eine ICB notwendig. Über die letzten Jahrzehnte hinweg sammelten verschiedene Institutionen das vorhandene angewandte Wissen im Projektmanagement und verdichteten es zu dicken Büchern. Das alles unter dem Einfluss der aus heutiger Sicht fragwürdigen und teilweise unpassenden Paradigmen von Frederick Winslow Taylor. Peter F. Drucker erkannte bereits, dass im Zeitalter der Wissensarbeit die Zusammenarbeit von Wissensarbeitern neu zu organisieren sein wird. Entsprechend erleben wir derzeit neue Formen und Experimente der Unternehmensführung (Semco, Gore, WholeFoods, etc.) und ebenso alternative Formen der Projektdurchführung (Scrum und andere agile Modelle). Anstatt nun vergeblich über die eine richtige Methode zu streiten, sollten wir einige Schritte zurück treten und sauber zwischen Anforderung und Umsetzung unterscheiden.