Informatik studieren!

Die Rede vom Fach­kräf­te­man­gel ver­hallt seit Jah­ren unge­hört. Die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung wird die Situa­ti­on in den nächs­ten Jah­ren uns Jahr­zehn­ten noch ver­schär­fen, weil von nun an die Anzahl der Men­schen im arbeits­fä­hi­gen Alter abneh­men wird ohne dass wir irgend­et­was dage­gen tun könn­ten. Peter F. Dru­cker nann­te die Demo­gra­phie des­halb auch „the future that alrea­dy hap­pend.“ Auf dem Gebiet der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie ist die Situa­ti­on mitt­ler­wei­le so schlimm, dass selbst in gesamt­wirt­schaft­lich schwie­ri­gen Situa­ti­on wie der zuletzt erleb­ten Finanz­kri­se, ledig­lich weni­ger Man­gel an qua­li­fi­zier­ten Arbeits­kräf­ten herrscht. Die Initia­ti­ve „Infor­ma­tik stu­die­ren!“ von Prof. Ernst Denert, den ich per­sön­lich sehr schät­ze, hat es sich zur Auf­ga­be gemacht mehr jun­ge Men­schen zum Stu­di­um der Infor­ma­tik zu bewegen.

Die Initia­ti­ve setzt dort an, wo die Wei­chen für die Berufs­wahl gestellt wer­den, näm­lich in den Ober­stu­fen der Gymnasien:

Infor­ma­ti­ker, die mit Freu­de und Erfolg im Berufs­le­ben ste­hen, gehen an Schu­len und stel­len das Fach aus ihrer per­sön­li­chen Per­spek­ti­ve vor. Sie sind gute Bot­schaf­ter der Infor­ma­tik, denn sie haben selbst erfah­ren, dass Infor­ma­tik Spaß macht und sich lohnt, auch mate­ri­ell. Die Infor­ma­tik-Bot­schaf­ter fol­gen der Ein­la­dung von Leh­rern, um die sich die Initia­ti­ve bemüht. Sie knüpft Kon­tak­te zu Schu­len und wird unter­stützt von den Minis­te­ri­en und Schul­ver­wal­tun­gen eini­ger Bundesländer.

Auch ich bin seit meh­re­ren Jah­re Infor­ma­tik­bot­schaf­ter und war schon mehr­fach an Schu­len in und um Mün­chen. Ich unter­stüt­ze die Initia­ti­ve „Infor­ma­tik stu­die­ren!“ voll und ganz und kann nur emp­feh­len, Infor­ma­tik-Bot­schaf­ter an die Schu­len ein­zu­la­den oder selbst Bot­schaf­ter zu wer­den. Details zu bei­dem sind hier zu finden.

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9 Kommentare

Nattl 17. August 2012 Antworten

Was Fir­men hier­zu­lan­de mitt­ler­wei­le nur mehr bereit sind, für Infor­ma­ti­ker zu zah­len, kann ich nur raten, nicht Infor­ma­tik zu stu­die­ren. War in den 90ern die Fähig­keit, einen Com­pu­ter anzu­schal­ten, schon aus­rei­chend genug, um einen hoch­do­tier­ten Ver­trag in der IT zu bekom­men, so wer­den heut­zu­ta­ge viel­fach nur mehr Hun­ger­löh­ne für best­aus­ge­bil­de­te Fach­kräf­te gebo­ten. Zusätz­lich dazu steht man noch in Kon­kur­renz mit Infor­ma­ti­kern aus den öst­li­chen EU-Mit­glieds­staa­ten, für die sich die Löh­ne noch mehr als aus­zah­len, sodass sie die­se noch wei­ter nach unten drü­cken können.

Marcus Raitner 17. August 2012 Antworten

Dan­ke, Nattl, für Dei­nen kri­ti­schen Kom­men­tar. Natür­lich ist die Bereit­schaft für ein­fachs­te IT-Tätig­kei­ten („Com­pu­ter ein­schal­ten“ wie Du es nennst) viel Geld zu bezah­len seit den 90ern zurück­ge­gan­gen. Und das ist auch gut so. Mit Infor­ma­tik hat­te das nichts zu tun. Die Über­schrift heißt ja ganz bewusst nicht: „Macht irgend­was mit Com­pu­tern“, son­dern eben „Infor­ma­tik stu­die­ren!“. Die Beto­nung liegt dabei für mich auf Infor­ma­tik, die zunächst ja gar nicht so viel mit Soft­ware und Pro­gram­mie­ren zu tun hat, son­dern mit abs­trak­tem Den­ken und sys­te­ma­ti­scher und krea­ti­ver Pro­blem­lö­sung. Mag sein, dass am Ende wei­ter öst­lich in der EU pro­gram­miert wird, aber nicht erdacht und konzipiert.

Alexandra 27. August 2012 Antworten

Also ich fin­de es super, dass Sie sich dar­um bemü­hen, den jun­gen Men­schen zu ver­mit­teln, Infor­ma­tik zu studieren!
Als ich jung war, wuss­te man meist nicht, was man stu­die­ren soll­te, da die meis­ten Berufs­bil­der auch über­haupt nicht klar waren.
Ich fühl­te mich als jun­ger Mensch da doch eher ver­lo­ren bei der Berufs­wahl, hat­te kei­ne Ahnung.
Außer­dem möch­te ja das Unter­neh­men selbst mehr Umsatz oder zumin­dest sta­bi­len Umsatz durch sei­ne Mit­ar­bei­ter. Und dafür muss eben was getan werden!
Daher fin­de ich es auch so klug, direkt bei den Schü­lern anzu­fan­gen, so kann man sich sei­ne Fach­kräf­te schon früh „aus­bil­den“.
Auch fin­de ich, Unter­neh­men müs­sen krea­tiv an den Fach­kräf­te­man­gel ran­ge­hen! Da muss man selbst akti­ver wer­den und sich neue Din­ge ein­fal­len lassen.

Marcus Raitner 27. August 2012 Antworten

Vie­len Dank für Ihre wert­schät­zen­den Wor­te. Der Groß­teil Ihres Lobs gebührt aber Prof. Denert der mit viel Enga­ge­ment, Kon­tak­ten und Bud­get die­se Initia­ti­ve ins Leben geru­fen hat.

Alexandra 27. August 2012 Antworten

Ger­ne :)
Dann möch­te ich hier­mit auch Herrn Prof. Denert loben!!

Christoph 9. Oktober 2012 Antworten

Guten Tag,

bei aller Lie­be glau­ben Sie ja wohl nicht allen Erns­tes, dass Deutsch­land Tau­sen­de braucht, die nur erdenken und kon­zi­pie­ren, aber nicht programmieren.
Grund­sätz­lich gibt es kei­nen Fach­kräf­te­man­gel. Das ist und bleibt völ­li­ger Quatsch. Das Ein­zi­ge was fehlt sind Super-Spe­zia­lis­ten in einem genau ein­ge­grenz­ten Fach­be­reich und das in (jung) und bil­lig. Die­se gibt es nicht oder sie ver­lan­gen zuviel oder sie sind den Unter­neh­men zu alt.
Wenn Fach­kräf­te­man­gel herr­schen wür­de, wäre es als Dipl. Inf. ohne Pro­ble­me mög­lich 60 – 70.000 € zu ver­lan­gen. Dem ist aber nicht so, auch nicht in Ham­burg und Ham­burg zahlt noch gut. Die Unter­neh­men sind noch viel zu arrogant.
Zei­gen Sie mir doch bit­te die Stel­len­aus­schrei­bun­gen, in denen nur ver­langt wird zu kon­zi­pie­ren. Im Nor­mal­fall sol­len sie ent­wi­ckeln und das geht immer mit pro­gram­mie­ren einher.
Mei­nen Kin­dern wür­de ich alles raten, aber ganz sicher nicht die IT. Die endet eh nur im Schweinezyklus.

Bewer­ben Sie sich doch bit­te mal mit der Aus­sa­ge: „Infor­ma­tik hat zunächst gar nicht viel mit Soft­ware und Pro­gram­mie­ren zu tun.“. Sie wer­den den Job (mit Sicher­heit) nicht erhalten.

Mfg.
Dipl. Inf.

Marcus Raitner 9. Oktober 2012 Antworten

Ich inter­pre­tie­re die Schär­fe Ihres Kom­men­tars als Ver­bit­te­rung und wür­de Sie ger­ne fra­gen woher die rührt? Ich habe viel mit IT-Abtei­lun­gen und IT-Dienst­leis­tern zu tun und abso­lut alle kla­gen über den Man­gel an Fach­kräf­ten. Und ich mei­ne damit nicht in ers­ter Linie Ent­wick­ler. Was gebraucht wird sind Men­schen die Pro­zes­se ana­ly­sie­ren kön­nen und pass­ge­nau in Soft­ware abbil­den kön­nen. Das erfor­dert sehr viel Abs­trak­ti­ons­ver­mö­gen und genau das ist die Fähig­keit, die im Infor­ma­tik­stu­di­um her­aus­ge­bil­det wird. Es tut mir leid, wenn Sie ande­re Erfah­run­gen machen muss­ten, aber 60 – 70.000 Euro für einen guten Diplom-Infor­ma­ti­ker sind abso­lut im Rah­men. Aber auch hier ist das Stu­di­um nur die Grund­la­ge, aber noch lan­ge kein Garant für Top-Gehäl­ter. Und das ist auch gut so, denn sonst hät­ten wir den­sel­ben Unsinn wie um das Jahr 2000, wo plötz­lich jeder der eine CD-ROM bren­nen konn­te IT-Spe­zia­list war.

Christoph 9. Oktober 2012 Antworten

Erst­mal bin ich nicht ver­bit­tert. Mir geht es recht gut, dan­ke der Nach­fra­ge. Wenn Sie sovie­le IT-Abtei­lun­gen und IT-Dienst­leis­ter ken­nen, wo sind dann die Stel­len­an­ge­bo­te, die nicht direkt und expli­zit einen Ent­wick­ler erwarten? 

Nach mei­nen Erfah­run­gen gehen sol­che pau­scha­li­sier­ten Aus­sa­gen ein­fach an der Rea­li­tät vorbei.
Ja, es gibt Stel­len­aus­schrei­bun­gen nach IT-Archi­tek­ten. Sie haben da Recht. Doch eben die­se Aus­schrei­bun­gen machen nicht die Mas­se aus. Selbst wenn wir über IT-Archi­tek­ten rede­ten. Man erwar­tet von die­sen im Nor­mal­fall ein sehr hohes Maß an tech­ni­schem Wis­sen. Ein­fach weil er tech­ni­sche Din­ge vor­gibt und ent­schei­det. Jemand der Pro­zes­se ana­ly­siert und in Soft­ware gie­ßen soll muß auch Ent­wick­ler sein. In den Unis erzählt man den Leu­ten, dass man da stun­den­lang über UML brü­tet und sich groß­ar­ti­ge Archi­tek­tu­ren aus­denkt. Wie vie­le von den Abgän­gern machen das denn am Ende?

Wenn ich den Unter­neh­men eines vor­hal­ten will, dann das sie nicht gewillt sind in poten­zi­el­le Mit­ar­bei­ter zu inves­tie­ren. Da wird gesucht und geweint. Da wird ein­ge­grenzt und am Ende weiß die HR sel­ber nicht wer da eigent­lich genau gesucht wird. Am Ende stellt man jeman­den nicht ein, weil er nicht per­fekt den Vor­ga­ben ent­spricht (auch gehalts­tech­nisch), was wie­der die Heu­le­rei nach Fach­kräf­ten nach sich zieht.

Ich bin Ange­stell­ter in einem sehr gro­ßen IT-Unter­neh­men. Mei­ne ein­zi­ge Aus­sa­ge ist, dass wir eben nicht die Mas­sen an Diplom-Infor­ma­ti­kern brau­chen. Wir brau­chen güns­ti­ge Ent­wick­ler, die­se in Mas­sen. Genau das spricht gegen das sehr teu­re Stu­di­um für die Mas­sen. Denn wie Sie schon selbst sag­ten, ein Stu­di­um ich kein Garant für ein Top-Gehalt und wenn wir bei­de ehr­lich sind: Top-Gehäl­ter sind immer sel­ten, sonst wären sie nicht top. War­um also soll­ten Tau­sen­de ein solch hohes Risi­ko ein­ge­hen? Die haben heu­te sowie­so schon alle Zukunftsängste.

Ich sage gar nicht, dass Sie da über­all falsch lie­gen. Ein­fach mei­ne Erfah­run­gen sind da anders.

Marcus Raitner 9. Oktober 2012 Antworten

Ich woll­te Ihnen nicht zu nahe tre­ten, die Schär­fe Ihres Kom­men­tars ließ mich aber glau­ben, dass es da einen wun­den Punkt gibt. Umso bes­ser wenn das nicht so ist.

Sicher­lich brau­chen wir kei­ne Mas­sen an Diplom-Infor­ma­ti­kern, das wer­den die Uni­ver­si­tä­ten auch nie schaf­fen, aber wir brau­chen mehr als es heu­te gibt. (Und ja: wir bräuch­ten auch mehr Ent­wick­ler / Pro­gram­mie­rer.) Viel­leicht ist die Initia­ti­ve zu ein­sei­tig auf das Stu­di­um der Infor­ma­tik aus­ge­rich­tet und igno­riert die rest­li­chen IT-Aus­bil­dun­gen. Das wür­de ich gel­ten lassen. 

Recht haben Sie auch, wenn Sie die Unter­neh­men anpran­gern die nicht bereit sind in die Aus­bil­dung und Ent­wick­lung Ihrer Mit­ar­bei­ter zu inves­tie­ren. (Etwas das Herr Denert in sei­ner Zeit bei sd&m übri­gens vor­bild­lich gemacht hat.) 

Für mich steht immer noch im Vor­der­grund die Fähig­keit zu abs­trak­tem Den­ken und die Fähig­keit Pro­ble­me struk­tu­riert zu lösen. Das ver­mit­telt ein Infor­ma­tik­stu­di­um wie kei­ne zwei­te Aus­bil­dung (von der Mathe­ma­tik abge­se­hen). Die­se Fähig­kei­ten sind und wer­den in Zukunft immer stär­ker gefragt sein.

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