Planung, Zufall und Irrtum

Ger­ne wird behaup­tet: »Pla­nung ersetzt Zufall durch Irr­tum.« Und dar­aus geschlos­sen, dass Pla­nung kei­nen Wert hät­te. Vor­schnell, wie ich mei­ne: Ist denn Irr­tum nicht wert­vol­ler als Zufall? Und wenn ja, warum?

Neh­men wir an, die The­se »Pla­nung ersetzt Zufall durch Irr­tum« ist zutref­fend. Wel­chen Wert hat Pla­nung dann, wenn ihre Funk­ti­on sich nur dar­auf beschränkt, Zufall durch Irr­tum zu erset­zen? Die Ant­wort hängt offen­sicht­lich allein davon ab, wel­chen rela­ti­ven Wert wir dem Irr­tum gegen­über dem Zufall beimessen.

Hät­ten wir nur einen Ver­such, der einer­seits zufäl­lig aus­geht oder ande­rer­seits das Resul­tat eines fehl­ge­schla­ge­nen Plans ist, dann ist es in bei­den Fäl­len höchst­wahr­schein­lich so, dass das Ergeb­nis nicht die Erwar­tung tref­fen wird. Inso­fern wir unse­re Betrach­tung also auf einen ein­zi­gen Ver­such beschrän­ken, sind Zufall und Irr­tum mehr oder weni­ger gleichwertig.

Span­nend wird es erst bei viel­fa­cher Wie­der­ho­lung. Wenn sich der ers­te Plan als Irr­tum her­aus­stellt, hat die­se Erkennt­nis (in der Regel) Ein­fluss auf die wei­te­re Pla­nung. Der Mensch und die Orga­ni­sa­ti­on lernt durch den Irr­tum, was nicht oder jeden­falls nicht wie geplant funk­tio­niert. Ein rein zufäl­li­ges Vor­ge­hen hat die­sen Lern­ef­fekt nicht, weil gar kei­ne Erwar­tung for­mu­liert wur­de gegen die man die ein­ge­tre­te­ne Rea­li­tät mes­sen und bewer­ten könnte.

Ein Plan ist dazu da, von der Rea­li­tät wider­legt zu wer­den. Und das ist gut so. Dadurch ler­nen wir. Pla­nung ist daher immer ite­ra­tiv, eine Fol­ge von Expe­ri­men­ten, Ver­such und Irr­tum. Dadurch wird der Scha­den des Irr­tums begrenzt und die Pla­nung Schritt für Schritt ver­bes­sert. Kei­nes­falls wer­den Plä­ne in Stein gemei­ßelt und skla­visch befolgt. 

Kein Plan über­lebt die ers­te Feindberührung.
Hel­muth von Moltke

Foto: Das Arti­kel­bild wur­de von Dani­el Dion­ne unter dem Titel „Dice“ auf Flickr unter einer Crea­ti­ve Com­mons CC BY-SA 2.0 Lizenz veröffentlicht.

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7 Kommentare

Peter Addor 5. September 2013 Antworten

Um die Wort­klau­be­rei fort­zu­set­zen: hät­ten wie nur einen Ver­such, dann hät­ten wir mit dem Zufall immer­hin die Chan­ce zum Erfolg, mit dem Irr­tum ist die­ser aber völ­lig aus­ge­schlos­sen. Und auch bei mehr­ma­li­gem Expe­ri­ment ist die Wahr­schein­lich­keit, zufäl­lig erfolg­reich zu sein grös­ser, als durch einer Rei­he von Irr­tü­mern, auch wenn die­se immer klei­ner wer­den. Aber las­sen wir das.
Wenn ich Dich rich­tig ver­ste­he, dann sagst Du, dass sys­te­ma­ti­sches Tri­al-and-error-Vor­ge­hen einem blin­den Wür­feln vor­zu­zie­hen sei. Da wider­spricht Dir wohl keiner.
Ich bin vor eini­ger Zeit mal einer ähn­li­chen Fra­ge nach­ge­gan­gen. Die Fra­ge war, ob man modell­frei ler­nen kann. Wer kei­ne Hypo­the­se (Modell) hat, der ent­schei­det sich stets für ein Vor­ge­hen, das in ähn­li­chen Situa­tio­nen erfolg­reich war. Er lässt sich also von posi­ti­ven Erfah­run­gen lei­ten. Das nennt man Fre­quen­cy Gamb­ling und mag in wenig kom­ple­xen Umge­bun­gen nütz­lich sein. Dem gegen­über steht das modell­ba­sier­te Ler­nen. Ein Plan ist z.B. ein Modell. Wenn ich damit nicht erfolg­reich bin, muss ich das Modell anpas­sen. Ich ler­ne also durch Fehler.
Modell­ba­sier­tes Ler­nen ist in hoch­kom­ple­xer Umge­bung ange­brach­ter als modell­frei­es. Damit sind wir ver­mut­lich zum sel­ben Schluss gelangt.
http://www.anchor.ch/wordpress/denkmuster/wie-andert-man-weltanschauungen

Marcus Raitner 5. September 2013 Antworten

Vie­len Dank, Peter, auf Dei­nen Kom­men­tar hat­te ich gewar­tet und gehofft!

hät­ten wie nur einen Ver­such, dann hät­ten wir mit dem Zufall immer­hin die Chan­ce zum Erfolg, mit dem Irr­tum ist die­ser aber völ­lig aus­ge­schlos­sen. Und auch bei mehr­ma­li­gem Expe­ri­ment ist die Wahr­schein­lich­keit, zufäl­lig erfolg­reich zu sein grös­ser, als durch einer Rei­he von Irr­tü­mern, auch wenn die­se immer klei­ner werden.

Das woll­te ich auch schon fast schrei­ben, erschien mir dann aber doch zu kleinlich … 

Ein Plan ist z.B. ein Modell. Wenn ich damit nicht erfolg­reich bin, muss ich das Modell anpas­sen. Ich ler­ne also durch Feh­ler. Modell­ba­sier­tes Ler­nen ist in hoch­kom­ple­xer Umge­bung ange­brach­ter als modell­frei­es. Damit sind wir ver­mut­lich zum sel­ben Schluss gelangt.

Schön aus­ge­drückt, viel bes­ser als ich es ver­moch­te. Ja, damit sind wir zum sel­ben Schluss gekommen. 

Mir ging es in ers­ter Linie dar­um mei­nen eige­nen Denk­feh­ler bei dem Satz »Pla­nung ersetzt Zufall durch Irr­tum« zu hinterfragen.

Nadja 9. September 2013 Antworten

ich war lan­ge nicht mehr hier – dei­ne Sei­te sieht toll aus!
das mit dem Pla­nen ist *seufz* immer wie­der schwer, so wie du das beschreibst. tut man es nicht, kann das der Grund für Schei­tern sein. tut man zu viel, sind all genervt. han­delt man rein aus dem Bauch, fühlt sich kei­ne invol­viert. lässt man ande­re mit­pla­nen, bricht Cha­os aus…
ich habe mir daher eine „rol­lie­ren­de Pla­nung bis zur nächs­ten Stra­ßen­ecke“ ange­wöhnt und defi­nie­re jedes Mal mit dem Team, was unse­re „Stra­ßen­ecken“ (Kreu­zun­gen, Ent­schei­dungs­punk­te) sind. das funktioniert!

Marcus Raitner 9. September 2013 Antworten

Dan­ke, Nad­ja! Freut mich sehr, dass Dir mein Blog gefällt. Auch das eine völ­lig unge­plan­te Akti­on ;-) Ich sehe das ganz ähn­lich wie Du und bevor­zu­ge eben­falls eine rol­lie­ren­de Pla­nung: genau bis zur nächs­ten Stra­ßen­ecke und je wei­ter weg, des­to ungenauer.

René 18. September 2013 Antworten

Zum The­ma Pla­nung kann man sich natür­lich locker die Fin­ger wund schrei­ben oder ein paar tau­send Bücher lesen…was mir aber immer wie­der hilft, der sich anbah­nen­den Ver­zweif­lung zu ent­ge­hen ist fol­gen­des Zitat: 

In pre­pa­ring for batt­le I have always found that plans are useless, but plan­ning is indis­pensable.“ (Eisen­ho­wer)

Natür­lich geht es schluss­end­lich dar­um einen Plan zu haben, wich­ti­ger scheint mir aber der Weg dahin…das Abtie­fen in die Mate­rie um einen Plan zu erstel­len. Wenn man dann noch das Spe­ci­fic Goal 3 aus Pro­ject Pla­ning von CMMI „Obtain com­mit­ment to the Plan“ berück­sich­tigt und mit dem Team und dem Spon­sor ein ECHTES Com­mit­ment erreicht wer­den kann – dann hat man fast schon gewonnen!

Wei­ter scheint mir wich­tig, nicht ein gan­zes Pro­jekt „pseu­do-mathe­ma­tisch-wis­sen­schaft­lich“ durch zu pla­nen, weil das eben ganz bestimmt nie stimmt, son­dern nur dort in die 3. Nach­kom­ma­stel­le zu gehen, wo es echt kri­tisch und wich­tig ist!

Marcus Raitner 19. September 2013 Antworten

Dan­ke, René! Ins­be­son­de­re für das tol­le Zitat von Eisen­ho­wer, das ich noch gar nicht kannte.

Helmut 8. Dezember 2020 Antworten

Es geht nicht dar­um, ob ich eher durch Zufall oder durch Pla­nung zum Ziel kom­me, son­dern dar­um, wie groß die Abwei­chung vom Ziel im einen und im ande­ren Fall ist. Wenn ich auf ein Ziel los­steue­re und den Weg nicht ken­ne und drauf­los gehe, kann es sein, dass ich in eine völ­lig fal­sche Rich­tung mar­schie­re und abstür­ze, es kann auch sein,dass ich unver­mu­tet rasch genau zum Ziel kom­me. Die Wahr­schein­lich­keit für letz­te­res nimmt mit der Kom­ple­xi­tät der Auf­ga­be ab. Geplant sind Total­ab­stür­ze ziem­lich unwahr­schein­lich, Voll­tref­fer aber eher die Aus­nah­me als die Regel. Ich muss nur wis­sen, wofür ich mich unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen entscheide.

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