Planung, Zufall und Irrtum

Ger­ne wird behaup­tet: »Pla­nung ersetzt Zufall durch Irr­tum.« Und dar­aus geschlos­sen, dass Pla­nung kei­nen Wert hät­te. Vor­schnell, wie ich mei­ne: Ist denn Irr­tum nicht wert­vol­ler als Zufall? Und wenn ja, warum?

Neh­men wir an, die The­se »Pla­nung ersetzt Zufall durch Irr­tum« ist zutref­fend. Wel­chen Wert hat Pla­nung dann, wenn ihre Funk­ti­on sich nur dar­auf beschränkt, Zufall durch Irr­tum zu erset­zen? Die Ant­wort hängt offen­sicht­lich allein davon ab, wel­chen rela­ti­ven Wert wir dem Irr­tum gegen­über dem Zufall beimessen.

Hät­ten wir nur einen Ver­such, der einer­seits zufäl­lig aus­geht oder ande­rer­seits das Resul­tat eines fehl­ge­schla­ge­nen Plans ist, dann ist es in bei­den Fäl­len höchst­wahr­schein­lich so, dass das Ergeb­nis nicht die Erwar­tung tref­fen wird. Inso­fern wir unse­re Betrach­tung also auf einen ein­zi­gen Ver­such beschrän­ken, sind Zufall und Irr­tum mehr oder weni­ger gleichwertig.

Span­nend wird es erst bei viel­fa­cher Wie­der­ho­lung. Wenn sich der ers­te Plan als Irr­tum her­aus­stellt, hat die­se Erkennt­nis (in der Regel) Ein­fluss auf die wei­te­re Pla­nung. Der Mensch und die Orga­ni­sa­ti­on lernt durch den Irr­tum, was nicht oder jeden­falls nicht wie geplant funk­tio­niert. Ein rein zufäl­li­ges Vor­ge­hen hat die­sen Lern­ef­fekt nicht, weil gar kei­ne Erwar­tung for­mu­liert wur­de gegen die man die ein­ge­tre­te­ne Rea­li­tät mes­sen und bewer­ten könnte.

Ein Plan ist dazu da, von der Rea­li­tät wider­legt zu wer­den. Und das ist gut so. Dadurch ler­nen wir. Pla­nung ist daher immer ite­ra­tiv, eine Fol­ge von Expe­ri­men­ten, Ver­such und Irr­tum. Dadurch wird der Scha­den des Irr­tums begrenzt und die Pla­nung Schritt für Schritt ver­bes­sert. Kei­nes­falls wer­den Plä­ne in Stein gemei­ßelt und skla­visch befolgt. 

Kein Plan über­lebt die ers­te Feindberührung.
Hel­muth von Moltke

Foto: Das Arti­kel­bild wur­de von Dani­el Dion­ne unter dem Titel „Dice“ auf Flickr unter einer Crea­ti­ve Com­mons CC BY-SA 2.0 Lizenz veröffentlicht.

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Von Marcus Raitner

Hi, ich bin Marcus. Ich bin der festen Überzeugung, dass Elefanten tanzen können. Daher begleite ich Organisationen auf ihrem Weg zu mehr Agilität. Über die Themen Führung, Digitalisierung, Neue Arbeit, Agilität und vieles mehr schreibe ich seit 2010 in diesem Blog. Mehr über mich.

7 Kommentare

Um die Wort­klau­be­rei fort­zu­set­zen: hät­ten wie nur einen Ver­such, dann hät­ten wir mit dem Zufall immer­hin die Chan­ce zum Erfolg, mit dem Irr­tum ist die­ser aber völ­lig aus­ge­schlos­sen. Und auch bei mehr­ma­li­gem Expe­ri­ment ist die Wahr­schein­lich­keit, zufäl­lig erfolg­reich zu sein grös­ser, als durch einer Rei­he von Irr­tü­mern, auch wenn die­se immer klei­ner wer­den. Aber las­sen wir das.
Wenn ich Dich rich­tig ver­ste­he, dann sagst Du, dass sys­te­ma­ti­sches Tri­al-and-error-Vor­ge­hen einem blin­den Wür­feln vor­zu­zie­hen sei. Da wider­spricht Dir wohl keiner.
Ich bin vor eini­ger Zeit mal einer ähn­li­chen Fra­ge nach­ge­gan­gen. Die Fra­ge war, ob man modell­frei ler­nen kann. Wer kei­ne Hypo­the­se (Modell) hat, der ent­schei­det sich stets für ein Vor­ge­hen, das in ähn­li­chen Situa­tio­nen erfolg­reich war. Er lässt sich also von posi­ti­ven Erfah­run­gen lei­ten. Das nennt man Fre­quen­cy Gamb­ling und mag in wenig kom­ple­xen Umge­bun­gen nütz­lich sein. Dem gegen­über steht das modell­ba­sier­te Ler­nen. Ein Plan ist z.B. ein Modell. Wenn ich damit nicht erfolg­reich bin, muss ich das Modell anpas­sen. Ich ler­ne also durch Fehler.
Modell­ba­sier­tes Ler­nen ist in hoch­kom­ple­xer Umge­bung ange­brach­ter als modell­frei­es. Damit sind wir ver­mut­lich zum sel­ben Schluss gelangt.
http://www.anchor.ch/wordpress/denkmuster/wie-andert-man-weltanschauungen

Vie­len Dank, Peter, auf Dei­nen Kom­men­tar hat­te ich gewar­tet und gehofft!

hät­ten wie nur einen Ver­such, dann hät­ten wir mit dem Zufall immer­hin die Chan­ce zum Erfolg, mit dem Irr­tum ist die­ser aber völ­lig aus­ge­schlos­sen. Und auch bei mehr­ma­li­gem Expe­ri­ment ist die Wahr­schein­lich­keit, zufäl­lig erfolg­reich zu sein grös­ser, als durch einer Rei­he von Irr­tü­mern, auch wenn die­se immer klei­ner werden.

Das woll­te ich auch schon fast schrei­ben, erschien mir dann aber doch zu kleinlich … 

Ein Plan ist z.B. ein Modell. Wenn ich damit nicht erfolg­reich bin, muss ich das Modell anpas­sen. Ich ler­ne also durch Feh­ler. Modell­ba­sier­tes Ler­nen ist in hoch­kom­ple­xer Umge­bung ange­brach­ter als modell­frei­es. Damit sind wir ver­mut­lich zum sel­ben Schluss gelangt.

Schön aus­ge­drückt, viel bes­ser als ich es ver­moch­te. Ja, damit sind wir zum sel­ben Schluss gekommen. 

Mir ging es in ers­ter Linie dar­um mei­nen eige­nen Denk­feh­ler bei dem Satz »Pla­nung ersetzt Zufall durch Irr­tum« zu hinterfragen.

ich war lan­ge nicht mehr hier – dei­ne Sei­te sieht toll aus!
das mit dem Pla­nen ist *seufz* immer wie­der schwer, so wie du das beschreibst. tut man es nicht, kann das der Grund für Schei­tern sein. tut man zu viel, sind all genervt. han­delt man rein aus dem Bauch, fühlt sich kei­ne invol­viert. lässt man ande­re mit­pla­nen, bricht Cha­os aus…
ich habe mir daher eine „rol­lie­ren­de Pla­nung bis zur nächs­ten Stra­ßen­ecke“ ange­wöhnt und defi­nie­re jedes Mal mit dem Team, was unse­re „Stra­ßen­ecken“ (Kreu­zun­gen, Ent­schei­dungs­punk­te) sind. das funktioniert!

Dan­ke, Nad­ja! Freut mich sehr, dass Dir mein Blog gefällt. Auch das eine völ­lig unge­plan­te Akti­on ;-) Ich sehe das ganz ähn­lich wie Du und bevor­zu­ge eben­falls eine rol­lie­ren­de Pla­nung: genau bis zur nächs­ten Stra­ßen­ecke und je wei­ter weg, des­to ungenauer.

Zum The­ma Pla­nung kann man sich natür­lich locker die Fin­ger wund schrei­ben oder ein paar tau­send Bücher lesen…was mir aber immer wie­der hilft, der sich anbah­nen­den Ver­zweif­lung zu ent­ge­hen ist fol­gen­des Zitat: 

In pre­pa­ring for batt­le I have always found that plans are useless, but plan­ning is indis­pensable.“ (Eisen­ho­wer)

Natür­lich geht es schluss­end­lich dar­um einen Plan zu haben, wich­ti­ger scheint mir aber der Weg dahin…das Abtie­fen in die Mate­rie um einen Plan zu erstel­len. Wenn man dann noch das Spe­ci­fic Goal 3 aus Pro­ject Pla­ning von CMMI „Obtain com­mit­ment to the Plan“ berück­sich­tigt und mit dem Team und dem Spon­sor ein ECHTES Com­mit­ment erreicht wer­den kann – dann hat man fast schon gewonnen!

Wei­ter scheint mir wich­tig, nicht ein gan­zes Pro­jekt „pseu­do-mathe­ma­tisch-wis­sen­schaft­lich“ durch zu pla­nen, weil das eben ganz bestimmt nie stimmt, son­dern nur dort in die 3. Nach­kom­ma­stel­le zu gehen, wo es echt kri­tisch und wich­tig ist!

Es geht nicht dar­um, ob ich eher durch Zufall oder durch Pla­nung zum Ziel kom­me, son­dern dar­um, wie groß die Abwei­chung vom Ziel im einen und im ande­ren Fall ist. Wenn ich auf ein Ziel los­steue­re und den Weg nicht ken­ne und drauf­los gehe, kann es sein, dass ich in eine völ­lig fal­sche Rich­tung mar­schie­re und abstür­ze, es kann auch sein,dass ich unver­mu­tet rasch genau zum Ziel kom­me. Die Wahr­schein­lich­keit für letz­te­res nimmt mit der Kom­ple­xi­tät der Auf­ga­be ab. Geplant sind Total­ab­stür­ze ziem­lich unwahr­schein­lich, Voll­tref­fer aber eher die Aus­nah­me als die Regel. Ich muss nur wis­sen, wofür ich mich unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen entscheide.

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