Monate: Januar 2014

Sinnvoll(e) Projekte machen

Projektarbeit kann eine willkommene Abwechslung zur Linien- oder Prozessarbeit sein. Projektarbeit kann aber auch zur Belastung werden indem sie sozialer Entwurzelung, Individualisierung und Sinnverlust Vorschub leistet, so jedenfalls meine These. Besonders gut dort lässt sich das dort beobachten, wo es ausschließlich Projektarbeit gibt, nämlich bei den Unternehmen der Dienstleistungs- und Beratungsbranche, beispielsweise bei IT-Dienstleistern. Es ist höchste Zeit die Projektarbeit verträglicher zu gestalten: Sinnvoll(e) Projekte machen.

Projektarbeit: Ein Brandbeschleuniger?

In ihrem sehr lesenswerten Buch „Die Burnout-Lüge“ nähert sich Martina Leibovici-Mühlberger dem Thema Burnout aus ungewohnter Perspektive. Die Gynäkologin und Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychosomatik führt die steigenden Fälle von Burnout auf den Verlust von Sinn und sozialem Zusammenhalt in unserer auf Konkurrenz und persönlichem Gewinn geeichten und als Resultat zutiefst narzisstischen Gesellschaft zurück. Der Burnout-Patient wird damit aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur „zum Seismographen dieser Fehlentwicklung“, so die Autorin. Die Arbeitswelt sei in diesem Drama der „hautpsächliche und sichtbarste Austragungsort des persönlichen Sinnverlusts und Entfremdungskonflikts des Einzelnen“. Nachdem sich mittlerweile ein immer größer werdender Teil der Arbeit innerhalb von Projekten abspielt, ist es vor diesem Hintergrund an der Zeit, ein paar unbequeme Fragen zu stellen. Beispielsweise inwieweit die Zunahme der projektbezogenen Arbeit die Entstehung von Burnout begünstigt. Und wie die Projektarbeit gesünder und menschlicher gestaltet werden kann und muss.

TurnAround: Eine Frage der Geistes-Haltung

Das Buch „TurnAround. Wenn Projekte Kopf stehen und klassisches Projektmanagement versagt“ (Amazon Affiliate-Link) ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Schon beim ersten Durchblättern fällt es auf durch seine liebevolle Gestaltung: Großzügige Illustrationen, konsequente Farbgebung und eine schöne Typographie machen Lust auf mehr. Die stimmige Gliederung führt den projektbezogen arbeitenden Leser durch eine altbekannte und doch neue Welt. Altbekannt, weil vermutlich jeder schon Mal ein Projekt in Schieflage erfahren durfte. Neu daran ist der Blickwinkel der richtigen Geisteshaltung, die sich als roter Faden durch das Buch zieht. Nicht zuletzt bemerkenswert ist das Buch aufgrund seiner kollaborativen Entstehungsgeschichte: Die Autoren Roger Dannenhauer, Torsten J. Koerting und Michael Merkwitza haben von Beginn an in das Buchprojekt mehr als 40 Projektmanager eingebunden in Form von Workshops und einer eigenen Community. Das Ergebnis ist ein interessantes und lesenswertes und aufgrund des neuen Blickwinkels der Geisteshaltung auch wichtiges Buch zum Thema Projektmanagement.

Der Sündenfall

Seit 6. Juni 2013 gibt es Ärger im Paradies. An diesem Tag begannen die britische Zeitungen Guardian und die Washington Post mit der Veröffentlichung der Dokumente des Amerikaners Edward Snowden. Die Spitze eines riesigen Eisbergs, wie wir in der Folge feststellen konnten und beinahe wöchentlich feststellen müssen. Die Empörung wächst mit jeder Enthüllung. Einerseits. Für zu viele Menschen ist die Bedrohung andererseits noch zu wenig greifbar. Allen voran unsere Bundesregierung, die seither irgendwo zwischen Lethargie, Fatalismus und Duckmäusertum verharrt. Wohlgemerkt eine Regierung, die eine große Mehrheit der Deutschen inmitten dieses Skandals teilweise wiedergewählt hat.

Die Burnout-Lüge

Viel wurde in den letzten Jahren berichtet, analysiert und philosophiert zum Thema Burnout. Spätestens seit sich auch Vertreter der Reichen, Schönen und Berühmten dazu bekannt haben, nimmt die gefühlte Verbreitung des Phänomens epidemische Ausmaße an. Ebenso wie die vielfältigen Angebote einer boomenden Wellness-Industrie, die quasi noch aus dem Untergang Kapital schlägt. Viel schwerer wiegt aber, dass durch die bequemen Erklärungen und Therapieversuche auf individueller Ebene genauso wie durch die pauschale Verurteilung der Arbeitsbedingungen, das eigentliche Problem verschleiert wird: Ein auf Konkurrenz geeichtes von dadurch mittlerweile hyperindividualisierten, einander und sich selbst zutiefst entfremdeten Narzissten betriebenes System steht vor seinem Kollaps. Der Burnout-Patient wird damit aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur „zum Seismographen dieser Fehlentwicklung.“ Das ist die aufrüttelnde Botschaft des ungemein wichtigen und überfälligen Buches „Die Burnout-Lüge“ von Martina Leibovici-Mühlberger (Amazon Affiliate Link).