Monate: Januar 2015

Quick-Wins: Schnellschüsse und Querschläger

Der Zeitforscher Karlheinz Geißler konstatierte völlig zu Recht, dass wir in Zeiten leben, in denen es „normal ist, dass vieles anders ist und immer schneller anders wird“. Die allgegenwärtige Verdichtung unserer Zeit und die daraus resultierende Beschleunigung macht auch vor Projekten keinen Halt. Im Gegenteil: schnelle Ergebnisse sind gefragt mehr denn je. Quick-Wins nennt sich das dann im unvermeidlichen Management-Jargon. Aber sind solche Schnellschüsse tatsächlich immer ein Gewinn?

Reibung und Verluste

Projekte verändern den Status quo im Unternehmen und führen damit unweigerlich zu Reibung. Insbesondere natürlich im Projekt selbst, das aus den verschiedenen betroffenen Parteien besteht und einen Ausgleich zwischen ihnen herstellen muss, wenn es erfolgreich sein will. Solange diese Reibung der gemeinsamen Gestaltung der bestmöglichen Lösung dient, ist sie gewünscht und wichtig. Leider ist das nicht immer so. Die Kunst ist es, notwendige Reibung herzustellen und zuzulassen und diese gleichzeitig von destruktivem Kräftemessen auf dem Spielfeld des Projekts zu unterscheiden.

Best Practice: organisierte Verantwortungslosigkeit

Wann immer Projekte nicht optimal laufen oder sogar grandios scheitern, schlägt die Stunde der Apologeten des bedingungslosen Glaubens an Best Practice. „Bewährte, optimale bzw. vorbildliche Methoden, Praktiken oder Vorgehensweisen im Unternehmen“ (Definition: Wikipedia) müssen her, um künftiges Ungemach abzuwenden – so die gängige Logik. Nun ist nichts einzuwenden gegen die Anwendung von bewährten Praktiken, nur eben nicht bedingungslos, blind und dogmatisch, sondern situativ, überlegt und angepasst.