Monate: November 2015

Wissensarbeit in den Strukturen des Industriezeitalters

Nicht immer hat man in großen hierarchisch organisierten Unternehmen das Gefühl, dass alle am gleichen Strang ziehen und ein gemeinsames Unternehmensziel verfolgen. Vielmehr verpufft ein nicht zu vernachlässigender Teil der eingesetzten Energie der Mitarbeiter ohne einen Beitrag zur Wertschöpfung durch politische Kämpfe der einzelnen Silos um Macht und Einfluss. Gegen einen fruchtbaren Dissens unter Spezialisten im Ringen für die gemeinsame Sache ist nichts einzuwenden, wohl aber gegen diese unfruchtbare Konkurrenz im täglichen Grabenkampf.

Der Aktionismus-Reflex

Agiles Vorgehen basiert auf Offenheit und Vertrauen. So banal die Forderung nach diesen Werten klingt, so schwer tun sich klassisch-tayloristische Organisationen und ihre Manager damit. Zu tief sitzt das Bedürfnis nach Steuerung, Planung und Kontrolle. In solchem Umfeld muss Offenheit und Transparenz geschützt werden vor allzu eifrigen Managern, die bei den ersten Problemen sofort mit der Maßnahmenkeule anrücken.

Effektivität vor Effizienz

Ein signifikanter Teil der Funktionen in Softwaresystemen wird nicht oder sehr selten genutzt. In der Vermeidung oder Reduktion derartiger „Überproduktion“ liegt folglich ein riesiges Potential. Viele verbinden mit dem Schlagwort Agilität die Illusion einen definierten Umfang schneller umsetzen zu können. Das geht aber leider weit vorbei am eigentlichen Nutzen eines agilen Vorgehens, denn der liegt weniger in der Effizienz, als vielmehr in der Effektivität. Agilität sorgt in erster Linie dafür, dass das Richtige gemacht und eine Überproduktion vermieden wird. Und das ist gut so.

„Hört auf, Mitarbeiter wie Kinder zu behandeln!“

Vieles wurde schon geschrieben und gesagt über die „artgerechte Haltung“ von Wissensarbeitern im post-industriellen Zeitalter (nicht zuletzt auch hier). Reinhard K. Sprenger bringt es in seinem neuen Buch „Das anständige Unternehmen“ (Amazon Affiliate-Link) auf die griffige Formel: „Hört auf, Mitarbeiter wie Kinder zu behandeln!“ So banal und selbstverständlich diese Forderung klingt, so traurig und entmündigend ist die Realität in unseren Unternehmen leider immer noch.