Monate: Juni 2016

Nicht an den Radieschen ziehen!

Es gibt sie immer noch die klassische Zwangsstörung des Micromanagement. Trotz des Wunsches nach mehr Agilität und des Bekenntnisses zu Selbstorganisation und Empowerment. Oder vielleicht gerade deswegen. Doch wer ständig an den Radieschen zieht, sollte sich nicht über den geringen Ertrag wundern. Gerade wegen der Intensivbetreuung. Wie im Gemüsegarten braucht es auch in der Zusammenarbeit von Menschen neben der Kenntnis der Wirkzusammenhänge und Einflussfaktoren in erster Linie Vertrauen und Geduld.

Arbeitsmittel

Die Umverteilung der Arbeitsmittel

Irgendwann in den letzten fünf bis zehn Jahren muss es passiert sein. Die Arbeitsmittel der Wissensarbeiter wurden umverteilt. Vor dieser schleichenden Revolution waren große Organisationen notwendig, um Menschen Zugang zu Computern und Software wirtschaftlich sinnvoll zur Verfügung stellen zu können. Heute gibt es alles im Internet preiswert zu mieten oder sogar kostenlos zu nutzen. Auf Knopfdruck und innerhalb kürzester Zeit. Jedenfalls für Privatpersonen. In den Organisationen und Konzernen geht das nicht, ist verboten und gesperrt aus Gründen der Geheimhaltung. Entsprechende interne Dienste rechnen sich nicht, entstehen viel zu langsam und können bei der Weiterentwicklung nicht mithalten. So wird die Kluft zwischen dem, was im Internet für Wissensarbeiter an erstklassigen Arbeitsmitteln verfügbar ist und dem, was zur Arbeit innerhalb der Organisationen benutzt werden kann, täglich tiefer.

Kulturwandel und Cargo-Kulte

Viele über lange Jahre erfolgreiche Unternehmen spüren plötzlich großen Veränderungsdruck. Von Disruption ist die Rede. So viel, dass manche „Disruption“ schon zum Unwort des Jahres erklären. Disruptive Technologien mischen die Karten neu. In unserem hochvernetzten Zeitalter zudem in nie dagewesener Geschwindigkeit. Und so schielen die etablierten Unternehmen ein wenig neidisch auf ihre neuen und historisch unbelasteten Herausforderer. Um dann festzustellen, dass diese neuen Unternehmen ganz anders ticken, dass sie ganz anders arbeiten und dass sie eine völlig andere Unternehmenskultur haben. Und dann beginnt das ganze Theater des Changemanagements zu laufen: Neue Werte werden ausgelobt und die neue Kultur schmackhaft gemacht. Freilich ohne die Strukturen und Arbeitsweisen, die die alte Kultur hervorgebracht haben, anzutasten und damit letztlich ohne nachhaltige Wirkung.

Wie viel Agilität und wenn ja, wozu?

Auch Wasserfall ist agil. Die Schleifen in denen ein Produkt entsteht sind nur viel länger. Nach jeder Schleife trifft ein Ergebnis auf einen Kunden. Dann zeigt sich der Nutzen oder eben nicht und es kann der Kurs korrigiert werden. Bei Scrum alle zwei bis vier Wochen, bei klassisch Wasserfall eher nur zweimal im Jahr mit entsprechend höherem Aufwand und Risiko. Beides kann je nach Projekt und Kontext angemessen sein. Es kommt einfach darauf an, wie anpassungsfähig und reaktionsfähig ein Projekt sein will und muss.