Führung

Nicht an den Radieschen ziehen!

Es gibt sie immer noch die klassische Zwangsstörung des Micromanagement. Trotz des Wunsches nach mehr Agilität und des Bekenntnisses zu Selbstorganisation und Empowerment. Oder vielleicht gerade deswegen. Doch wer ständig an den Radieschen zieht, sollte sich nicht über den geringen Ertrag wundern. Gerade wegen der Intensivbetreuung. Wie im Gemüsegarten braucht es auch in der Zusammenarbeit von Menschen neben der Kenntnis der Wirkzusammenhänge und Einflussfaktoren in erster Linie Vertrauen und Geduld.

Wirksame Führung basiert auf Vertrauen. Heute mehr denn je, weil Wissensarbeit gar nicht im Detail kontrollierbar ist. Wenn der Auftrag und der Sinn des Auftrags vereinbart wurden, müssen Menschen und Organisationseinheiten heute eigenständig innerhalb des gesteckten Rahmens das Ziel verfolgen dürfen. Alles andere entmündigt und demotiviert und führt wie bei den Radieschen zu schlechtem Ergebnis.

Führung ist heute nur noch legitim, wenn sie die Selbstführung der anvertrauten Mitmenschen zum Ziel hat.
Götz W. Werner

Wenn Sie also Mitarbeiter richtig demotivieren wollen beschreiben Sie haarklein wie das Ziel erreicht werden soll, geben Sie die Einzelschritte vor und kontrollieren dann unnachgiebig die Erfüllung Ihres vorgegebenen Plans. Oder noch wirksamer: Sie übernehmen die wichtigen Schritte gleich selbst! Natürlich ohne vorherige Abstimmung mit den Mitarbeitern über Ihre großzügige „Hilfe“.

The leaders who work most effectively, it seems to me, never say ‘I.’ And that’s not because they have trained themselves not to say ‘I.’ They don’t think ‘I.’ They think ‘we’; they think ‘team.’ They understand their job to be to make the team function. They accept responsibility and don’t sidestep it, but ‘we’ gets the credit…. This is what creates trust, what enables you to get the task done."
Peter F. Drucker

Vertrauen bei Schönwetter ist recht einfach. Darauf können sich alle einigen und darum taucht der Begriff Vertrauen in vermutlich allen Unternehmenswerten auf. Wie ernst es damit aber ist zeigt sich immer erst, wenn ein Sturm aufkommt. Dann regiert die meist die Angst und nicht wenige Manager fallen in zwanghafte Kontrollmuster des Micromanagements zurück.

He who does not trust enough will not be trusted.
Lao Tzu

Dass Vertrauen eine wichtige Zutat für erfolgreiche Unternehmen ist beschrieb schon W. Edwards Deming in seinen 14 Punkten: „Drive out fear; create trust.“ Eine wesentliche Managementaufgabe ist also es eine Kultur des Vertrauens zu schaffen, in der Micromanagement, Kontrollzwang und letztlich Angst keinen Platz haben. Und Radieschen wieder wachsen dürfen.

Autor

Mein Name ist Marcus Raitner. Über die Themen Führung, Agilität und Digitalisierung schreibe ich regelmäßig in diesem Blog. Schreiben bedeutet für mich Nachdenken über Erlebtes auch und gerade im Dialog mit meinen Lesern. Hauptberuflich begleite die Veränderung von Organisationen hin zu mehr Agilität. Mein Motto dabei lautet: Zusammenarbeit gestalten auf Augenhöhe. Ich war seit der ersten Stunde Mitglied des Organisationsteams des PM Camps Dornbirn, wo die PM-Camp Bewegung 2011 begann. Dort habe ich zusammen mit einigen Mitstreitern openPM gegründet. Ich bin verheiratet und stolzer Vater zweier kleiner Töchter.

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