Methode oder Persönlichkeit? Weder noch!

Das Pro­jekt­ma­ga­zin hat zur Blog­pa­ra­de auf­ge­ru­fen mit der Fra­ge „Klas­sisch, agil oder egal: Ist ein guter Pro­jekt­lei­ter mit jeder Metho­de erfolg­reich?“ Es soll dabei der Fra­ge auf den Grund gegan­gen wer­den, „was wich­ti­ger ist: Die Pro­jekt­ma­nage­ment-Metho­de oder die Per­sön­lich­keit des Pro­jekt­lei­ters.“ Auch wenn ich zuneh­mend der Mei­nung bin, dass Pro­jek­te zu schwer­fäl­li­ge Kon­struk­te zur Ver­än­de­rung sind und wir eigent­lich agi­le Orga­ni­sa­tio­nen und kon­ti­nu­ier­li­chen Wan­del jen­seits von Pro­jek­ten anstre­ben müs­sen, will ich mich der Fra­ge doch nicht ent­zie­hen und sie mit einem ganz kla­ren „weder noch“ beantworten.

Offen gesagt habe ich mit der Fra­ge­stel­lung ein gro­ßes Pro­blem, weil sie mir nur zwei Ant­wort­mög­lich­kei­ten (Metho­de oder Per­sön­lich­keit) gibt, die ich bei­de nicht für rich­tig und wich­tig hal­te. Zudem ist die Dar­stel­lung von klas­sisch und agil als ent­ge­gen­ge­setz­te Metho­den irre­füh­rend, weil sich ers­tens Metho­den des klas­si­schen Pro­jekt­ma­nage­ments und Agi­li­tät gut ergän­zen und zwei­tens agil kei­ne Metho­de, son­dern eine Ein­stel­lung ist.

Die Metho­de allein kann auch gar nicht ent­schei­dend sein, weil damit das kom­ple­xe Sys­tem Pro­jekt mit den betei­lig­ten und betrof­fe­nen Men­schen nicht erfasst wer­den kann ohne es zu tri­via­li­sie­ren. Oder anders gesagt: Wäre die Metho­de aus­schlag­ge­bend, hät­ten schon lan­ge Algo­rith­men den Job des Pro­jekt­lei­ter übernommen.

Be care­ful what you incen­ti­vi­ze: Rewar­ding hero­ism begets more situa­tions requi­ring heroics, for one thing.
Woo­dy Zuill

Mit der „Per­sön­lich­keit“ als ein­zig ver­blei­ben­de Ant­wort die­ser Sug­ges­tiv­fra­ge (und der Hash­tag #Methode­Egal ver­deut­licht das noch­mals) wer­de ich auch nicht froh. Sie führt näm­lich gera­de­wegs in die Sack­gas­se des übli­chen Hel­den­kults. Die Glo­ri­fi­zie­rung von ein­zel­nen Men­schen ist aber unge­recht und schäd­lich, weil dadurch Kon­kur­renz geför­dert, aber Team­leis­tung ver­nach­läs­sigt wird. Pro­jekt­er­folg, wie Leis­tung im Unter­neh­mens­kon­text, all­ge­mein ist aber „jeder­zeit und aus­schließ­lich eine Gemein­schafts­leis­tung.“ (vgl. Lars Voll­mer, Per­for­mance-Tetris – Leis­tung trotz Boni).

Ein Pro­jekt ist heu­te im Zeit­al­ter der Wis­sens­ar­beit im Kern eine Füh­rungs­auf­ga­be im Sin­ne von Füh­rung zur Selbst­füh­rung. Irgend­wie scheint aber der Irr­glau­be vor­zu­herr­schen, dass für die­se Füh­rungs­auf­ga­be Metho­den eine beson­de­re Rol­le spie­len könn­ten. Einen CEO hin­ge­gen wür­de nie­mand ernst­haft nach der Metho­de fra­gen, son­dern viel eher nach sei­ner Füh­rungs­phi­lo­so­phie. Füh­rung ist weit mehr als die im Auf­ruf zur Blog­pa­ra­de vor­ge­schla­gen star­ken „Manage­ment-Kom­pe­ten­zen und Soft Skills“. Sie gibt Ori­en­tie­rung und schafft dar­in einen Raum für die mög­lichst auto­no­me Ent­fal­tung von Gemein­schafts­leis­tun­gen. Füh­rung ist in ers­ter Linie eine Fra­ge der Hal­tung: Füh­rung heißt, ande­re erfolg­reich zu machen. Das macht den Unterschied.

One does not „mana­ge“ peop­le. The task is to lead peop­le. And the goal is to make pro­duc­ti­ve the spe­ci­fic strengths and know­ledge of each individual.
Peter F. Drucker

Manifest für menschliche Führung – Reloaded 

Die ers­te Auf­la­ge des Mani­fest für mensch­li­che Füh­rung war ein Über­ra­schungs­er­folg. Mit sei­nen 50 Sei­ten ist es aber eigent­lich mehr ein White­pa­per als ein Buch. Vie­len Lesern gefällt gera­de die Kür­ze. Ande­re wün­schen sich mehr Tie­fe. Das kann ich nach­voll­zie­hen und will die­sem Wunsch ger­ne mit einer deut­lich erwei­ter­ten Auf­la­ge nach­kom­men. Wenn ihr das wollt! Mehr dazu auf der Kam­pangnen-Sei­te bei Start­next. Dan­ke für eure Unterstützung. Unterstützen

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3 Kommentare

Bernd 21. Januar 2017 Antworten

Hal­lo Marcus,

immer wie­der gut Dei­ne Sicht­wei­se zu lesen.
(Und zu wis­sen, dass man nicht Allein mit einer sol­chen bzw. ähn­li­chen Sicht­wei­se ist.…)
Viel­leicht wäre es für das PM-Maga­zin loh­nens­wert in die­sem Kon­text auch über Kopier­bar­keit nachzudenken.
Metho­den sind kopierbar.
Per­sön­lich­keit kann wie ein Kopier­schutz für ein Pro­jekt sein.…
…mE, da die gemein­sa­me Arbeit einen ande­ren Cha­rac­ter (vlt. Kul­tur) bekommt
und die Gemein­schafts­leis­tung sich ent­spre­chend verändert.

PS:
Für mich hies Agi­li­tät frü­her mal soviel wie
‑Pro­jek­te pas­send (für die Men­schen) gestallten-.
Das ist zwar jen­seits von fes­ten Methoden,
macht die fes­ten Metho­den aber nicht überflüssig
(bzw. zu einem Ent­we­der / Oder).

In die­sem Sin­ne wün­sche ich Dir mal wie­der ein schö­nes WE,
Bernd

PS:
Da ich mich nun beruf­lich sehr ver­än­dert habe, kann es sein,
dass ich sel­te­ner kommentiere…

Marcus Raitner 23. Januar 2017 Antworten

Vie­len Dank für Dei­nen Kom­men­tar, lie­ber Bernd. Zusam­men­ar­beit pas­send für die Men­schen gestal­ten ist ein sehr schö­ner Gedan­ke! Wün­sche Dir viel Erfolg bei Dei­ner beruf­li­chen Veränderung.

Bernd 23. Januar 2017 Antworten

Stimmt Mar­cus, – Zusam­men­ar­beit – trifft es viel eher…

Damals“ gabs noch kein Scrum und wir ori­en­tier­ten uns irgend­wann an Extre­me­pro­gramming, um die Din­ge „pas­send“ zu machen.
XP kann­te noch die Rol­le des Pro­jekt- ;o) ‑mana­gers (und gleich­zei­tig „Pro­duk­tow­ners“)
Die TZI hat mir dabei mehr als ein­mal aus den Rol­len­kon­flik­ten geholfen…^^

In die­sem Sin­ne auch Dir wei­ter­hin viel Erfolg!

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