Monate: April 2018

Geschichten erzählen statt Stichpunkte aufzählen

Im achten Jahr blogge ich nun. Ich schreibe gerne. Schreiben hilft mir, meine Gedanken auf den Punkt zu bringen. Und damit meine ich, wirklich auf den Punkt und nicht nur in Stichpunkte auf eine Folie PowerPoint. Gedanken so zu formulieren, dass sie den Leser ansprechen und die Botschaft beim Leser ankommt, ist verdammt harte Arbeit, erfordert Disziplin und Konzentration. Bei jedem Artikel, jede Woche wieder. Umso erstaunlicher ist es, dass Jeff Bezos PowerPoint komplett verbannt hat und stattdessen mit sechs-seitigen Berichten in Erzählform besteht, die dann zu Beginn einer Sitzung in Ruhe (sic!) von allen studiert werden. Wenn Jeff Bezos und sein Team sich diese Zeit gönnt in den extrem schnelllebigen Geschäftsfeldern, in denen er mit Amazon extrem erfolgreich ist, darf das gern als Inspiration für uns alle verstanden werden, mehr und bessere Geschichten zu erzählen anstatt genauso rast- wie emotionslos Stichpunkte aufzuzählen.

Veränderung gibt es nicht zum Nulltarif

Wie gehen Menschen mit Veränderung um? Dazu hat die Familientherapeutin Virginia Satir ein interessantes Modell geliefert, das sich auch auf Organisationsveränderungen übertragen lässt. Ein stabiler Status quo wird durch ein fremdes Element in Frage gestellt. Nach anfänglichem Widerstand gegen das Neue führt die Auseinandersetzung damit zunächst zu Unsicherheit und Chaos und dadurch zu einem Verlust an Produktivität. Je nach Stärke dieses Impulses durch das fremde Element dauert diese Phase mehr oder weniger lange an bis es schließlich gelingt die Chancen der Veränderung zu begreifen und zu nutzen. Nach und nach kehrt die Gruppe dann zur ursprünglichen Produktivität zurück und wächst hoffentlich sogar darüber hinaus. Im Kern bedeutet dieses Modell aber, dass es Veränderung nie zum Nulltarif geben kann. So banal das klingt, so selten gestehen sich Organisationen das bei großen und kleinen Veränderungsprozessen ein. Und scheitern dann an falschen Erwartungshaltungen und ihrer Ungeduld.

Die Vorteile von Featureteams

Agile Methoden und insbesondere Scrum sehen bei einem kleinen Produkt mit einem einzigen Team ganz einfach aus. Sobald mehrere Teams an einem Produkt arbeiten, muss die Arbeit irgendwie aufgeteilt werden. Der naheliegende, weil bekannte, Ansatz ist es, das Produkt mehr oder weniger logisch und sinnvoll in Komponenten zu zerlegen und diese mit Komponententeams zu besetzen. Aus Sicht des Kunden sind diese Komponenten allerdings völlig irrelevant. Im besten Fall merkt er davon gar nichts. In den meisten Fällen allerdings schon, weil zwischen seinem Nutzen und den dafür notwendigen Funktionen des Produkts in der Regel mehrere Komponentengrenzen und damit Übergaben oder Abstimmungen zwischen Teams stehen, die den Fluss unterbrechen. Schöner wäre es aus Kundensicht, wenn die neue Funktion, das Feature, von einem einzigen sogenannten Feature-Team umgesetzt würde ganz egal welche Komponenten betroffen sind.

Die Kunst der Beidhändigkeit

Wir erleben eine Welt in „der vieles anders ist und immer schneller anders wird“, wie das der Zeitforscher Karl-Heinz Geißler so treffend formuliert hat. Die gefühlte oder reale Geschwindigkeit des Lebens steigt täglich getrieben von faszinierenden und teils beängstigenden technologischen Entwicklungen von Künstlicher Intelligenz bis zu Blockchain. Damit steigt der Veränderungs- und Innovationsdruck in Unternehmen enorm. Die Halbwertszeit von Produkten und Geschäftsmodellen wird immer kürzer. Im Klartext heißt das, dass Unternehmen sich immer wieder und in immer kürzeren Abständen neu erfinden müssen, um zu überleben. Neben der immer im Vordergrund stehenden Effizienz und Profitabilität im heutigen Geschäft muss es langfristig überlebensfähigen Unternehmen zur zweiten Natur werden, mutig neue Chancen auszuloten und ständig neue Geschäftsmodelle zu erproben. Gerade weil aber das dingende Geschäft von heute gerne das Wichtige, nämliche das Geschäft von morgen, verdrängt heißt die sechste und letzte These im Manifest für menschliche Führung: „Mutig das Neue erkunden mehr als effizient das Bekannte ausschöpfen.“