Jahr: 2019

Gute Entscheidungen treffen zwischen Konsens und Konsent

Wer entscheidet hier und wie lassen sich gute Entscheidungen treffen? Diese Frage stellte sich in vielen hierarchischen Organisationen lange Zeit gar nicht, denn im Zweifel entscheidet der Chef oder ein kleiner hochrangiger Führungszirkel der im besten Fall ein großes Maß an Diversität aufweist und den Dissens schätzt im schlechtesten Fall aber nur aus Claqueuren besteht. Im Zuge der Veränderung hin zu agileren Organisationsformen sind neue Antworten auf die Frage wer entscheidet und wie entschieden wird aber von zentraler Bedeutung. Schließlich ist Agilität ja gerade dadurch gekennzeichnet, dass Entscheidungen im Sinne der Subsidiarität möglichst dezentral in selbstorganisierten Teams fallen müssen. Nur wie? Demokratische Mehrheitsentscheidung Demokratie ist ein Mechanismus, der sicherstellt, dass wir genau so regiert werden, wie wir es verdienen. George Bernhard Shaw Die Zeiten der Autokratie, in der ein Alleinherrscher nach Gutdünken entscheidet, sind zum Glück in den meisten Staaten seit der Aufklärung vorbei. An ihre Stelle trat die (parlamentarische) Demokratie, in welcher die Entscheidungshoheit bei einer (möglichst repräsentativen) Gruppe liegt. Das Mittel der Wahl zur Entscheidungsfindung in dieser Gruppe ist der Mehrheitsentscheid, d.h. die …

Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen

Die Digitalisierung ersetzt nicht den Menschen und sie kommt auch nicht ohne ihn aus. Im Gegenteil, gerade wegen der Digitalisierung ist das typisch Menschliche mehr denn je gefragt. Gemeint ist insbesondere unsere Fähigkeit, als eigenständige Individuen gemeinsam kreative Lösungen zu finden und effektiv und effizient in Teams und Organisationen zusammenzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit war in der Vergangenheit lange geprägt von zentraler Steuerung einerseits und gehorsamer Pflichterfüllung andererseits. Was für ungelernte Arbeitskräfte zu Beginn der Industrialisierung schon wenig menschlich, aber wenigstens produktiv war, ist heute mitten im Informationszeitalter endgültig zur entwürdigenden Zumutung geworden. Zeitgemäße Führung zielt heute auf eine Zusammenarbeit, welche Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen ermöglicht.

Lean Leadership: Befähigen statt belehren

Vieles lässt sich aus dem Lean Management lernen: Den Wert für den Kunden verstehen, dann davon ausgehend den Wertstrom identifizieren und den Fluss optimieren, um unnötigen Aufwand zu vermeiden und nicht zuletzt für eine kontinuierliche Verbesserung sorgen. Dabei geht aber nicht nur um die Anwendung von anderen und besseren Methoden, sondern ganz wesentlich um eine andere Führungskultur. Gerne vergessen wird nämlich der Respekt für die Menschen als die zweite Säule des Toyota Wegs. Im Zentrum von Lean Management steht der Mensch als wesentlicher Erfolgsfaktor und die zentrale Führungsaufgabe des Lean Leadership lautet deshalb „befähigen statt belehren“. Dieser Grundsatz verdient es, mindestens so intensiv verbreitet zu werden wie die bekannten Konzepte und Methoden des Lean Managements.

Agile Organisationen: Entkalken vor Skalieren

Agile Organisationen sind schlank, flexibel und anpassungsfähig. Das geschieht aber weniger durch die „Agilisierung“ bestehender Strukturen und Abläufe, sondern durch konsequentes Hinterfragen eben dieser. Anstatt im Stile der kognitiven Verzerrung von Maslows Hammer in allem einen Nagel zu sehen und mit schönen neuen agilen Methoden draufzuhauen, lautet die Devise „Entkalken vor Skalieren“ oder im Englischen noch schöner: „Don’t scale agile – descale your organization!“

Anpassungsschmerzen im Großkonzern

Mehr als einmal wurde ich 2015 nach meinem Wechsel von dem kleinen, aber feinen Startup esc Solutions zur BMW Group IT gefragt, ob das wirklich mein Ernst sei. Und ehrlich gesagt fragte ich mich das im ersten Halbjahr 2015 auch mehr als einmal. Eine kurze bilderreiche Geschichte über Anpassungsschmerzen im Großkonzern und wie ich dadurch meine Rolle als Organisationsrebell und Hofnarr fand.