Monate: März 2019

Gleichwürdige Teilhabe als Schlüssel zur erfolgreichen Transformation

Alle reden von Transformation, denn der digitale Wandel verlangt anpassungsfähige und kundenorientierte Organisationen. Unverrückbar erscheinende Organisationsprinzipien und über lange Jahre erfolgreiche Verhaltensweisen stehen in Frage: Weg vom lokalen Effizienzoptimum im funktionalen Silo hin zur interdisziplinären Zusammenarbeit entlang des Wertstroms, weg von langfristiger Planung in relativ stabilem Umfeld hin zu Segeln auf Sicht im VUCA-Sturm und weg von der Pyramide als Organisationsprinzip hin zum Netzwerk. Ein Umbruch in dieser Dimension gelingt aber nur, wenn die betroffenen Menschen nicht bloß als passive Objekte irgendwie „mitgenommen“ werden, sondern gleichwürdig an der Gestaltung teilhaben dürfen.

Irrwege der agilen Transformation

Nicht überall, wo Transformation in Leuchtbuchstaben draufsteht, ist auch Transformation drin. Es beginnt mit irrigen Annahme, mit Agilität ließe sich die Mitarbeiterleistung wie mit Kraftfutter steigern. Fehlgeleitet von diesem Versprechen von mehr Effizienz, wird die Transformation dann aber umso überzeugter von oben angeordnet und bewährte Blaupausen (Spotify und Co.) ausgerollt. Das führt schließlich dazu, dass die bestehenden verkrusteten Strukturen und Abläufe „agilisiert“ werden ohne sie konsequent zu hinterfragen. Am Ende bleibt kaum Transformation sondern nur agiler Etikettenschwindel: Same same but different.

Gute Entscheidungen treffen zwischen Konsens und Konsent

Wer entscheidet hier und wie lassen sich gute Entscheidungen treffen? Diese Frage stellte sich in vielen hierarchischen Organisationen lange Zeit gar nicht, denn im Zweifel entscheidet der Chef oder ein kleiner hochrangiger Führungszirkel der im besten Fall ein großes Maß an Diversität aufweist und den Dissens schätzt im schlechtesten Fall aber nur aus Claqueuren besteht. Im Zuge der Veränderung hin zu agileren Organisationsformen sind neue Antworten auf die Frage wer entscheidet und wie entschieden wird aber von zentraler Bedeutung. Schließlich ist Agilität ja gerade dadurch gekennzeichnet, dass Entscheidungen im Sinne der Subsidiarität möglichst dezentral in selbstorganisierten Teams fallen müssen. Nur wie?

Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen

Die Digitalisierung ersetzt nicht den Menschen und sie kommt auch nicht ohne ihn aus. Im Gegenteil, gerade wegen der Digitalisierung ist das typisch Menschliche mehr denn je gefragt. Gemeint ist insbesondere unsere Fähigkeit, als eigenständige Individuen gemeinsam kreative Lösungen zu finden und effektiv und effizient in Teams und Organisationen zusammenzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit war in der Vergangenheit lange geprägt von zentraler Steuerung einerseits und gehorsamer Pflichterfüllung andererseits. Was für ungelernte Arbeitskräfte zu Beginn der Industrialisierung schon wenig menschlich, aber wenigstens produktiv war, ist heute mitten im Informationszeitalter endgültig zur entwürdigenden Zumutung geworden. Zeitgemäße Führung zielt heute auf eine Zusammenarbeit, welche Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen ermöglicht.