Monate: Mai 2019

Der Mensch, das ewig strebende Tier

Die erfolgreiche Zusammenarbeit im Zeitalter der Wissensarbeit, insbesondere in agilen Organisationen mit ihrem hohen Grad an Selbstorganisation und Eigenverantwortung, hängt maßgeblich vom zugrundeliegenden Menschenbild ab. Douglas McGregor forderte bereits 1963 in seinem Buch „The Human Side of Enterprise“, dass wir Menschen nicht länger als faul und arbeitsscheu (Theorie X), sondern als intrinsisch motiviert und leistungsbereit (Theorie Y) betrachten sollten. McGregor stützt sich dabei auf die Vorarbeiten von Abraham Maslow, die in Form der nach ihm benannten Bedürfnispyramide aus der Managementliteratur mittlerweile nicht mehr wegzudenken sind. Diese Darstellung als Pyramide ist aber eine irreführende Interpretation, die gar nicht von Maslow selbst stammt.

Standards setzen in agilen Organisationen

Agilität braucht Orientierung. Erst eine gemeinsame Ausrichtung ermöglicht effektive Autonomie und dezentrale Entscheidungen, wodurch agile Organisationen so anpassungsfähig werden. Agilität braucht aber auch gemeinsame Standards und Konventionen, damit trotz aller Unabhängigkeit die Zusammenarbeit gut gelingt. Die spannende Frage ist also nicht, ob es solche Standards in agilen Organisationen braucht, sondern wie sie sinnvollerweise entstehen und durchgesetzt werden.

Ich habe einen Traum!

Die Sehnsucht einer neuen und besseren Form der wertschätzenden und dadurch wertschöpfenden Zusammenarbeit von Menschen ist größer denn je. Die Industrialisierung und der Taylorismus haben den Mensch zum Mittel gemacht. Gefragt war anfangs nur die Arbeitskraft des ungelernten Arbeiters und Henry Ford beschwerte sich noch, dass er zu jedem Paar Hände auch immer ein Gehirn bekäme. Heute mitten im Zeitalter der Wissensarbeit haben sich die Ansprüche und Rollen des Wissensarbeiters freilich in vielfältiger Weise differenziert. Unverändert blieb meist aber das Grundprinzip, Organisationen als Maschinen zu betrachten und Mitarbeiter als Zahnrädchen darin einzusetzen. Der Mensch ist immer noch Mittel. Punkt. Ich habe einen Traum, dass der Mensch mit all seinem Potential künftig wirklich im Mittelpunkt steht. Und dass genau das den entscheidenden Unterschied macht in der Digitalisierung.

Wer Ja sagt, muss auch Nein sagen

Wenn Historiker in ein paar Jahrhunderten auf unsere Zeit zurückblicken, werden sie vermutlich nicht das Internet oder Technologie im Allgemeinen als die wichtigstes Veränderung betrachten, sondern die Tatsache, dass erstmals in der Geschichte eine große Zahl von Menschen Wahlmöglichkeiten hatten. Peter F. Drucker schließt diese Einsicht mit der etwas ernüchternden Feststellung, dass die meisten von uns diese Herausforderung völlig unvorbereitet trifft. Je mehr Möglichkeiten es gibt, desto schwerer wird die Entscheidung, weil jedes ‚Ja‘ automatisch viele ‚Nein‘ bedeutet. Darum ist ‚Nein‘ nicht nur das schwierigste, sondern auch das wichtigste Wort unserer Zeit, um den Fokus zu behalten auf persönlicher Ebene genauso wie in Organisationen.

Agilität beginnt beim Menschenbild

Agilität steht und fällt mit dem in der Organisation vorherrschenden Menschenbild. Wo Menschen grundsätzlich misstraut wird und wo folglich die Auffassung vorherrscht, dass Menschen zur Leistung motiviert werden müssen, gedeiht keine Agilität, sondern nur Angst, Cargo-Kult und Etikettenschwindel. Das Problem sind nicht die Menschen, sondern demotivierende und entmenschlichende Strukturen und Prozesse.