Alle Artikel in: Agilität

Wer A sagt muss auch B sagen und andere falsche Dichotomien

Der Begriff Dichotomie geht auf das griechische dichotomía (διχοτομία) zurück und bedeutet Zweiteilung. Eine falsche Dichotomie ist die Suggestion, dass es zu einer Streitfrage nur zwei sich gegenseitig ausschließende Alternativen gäbe, obwohl tatsächlich weitere vorhanden sind oder sich die beiden angebotenen Alternativen gar nicht widersprechen oder ausschließen. Beliebt ist dieser rhetorische Trick bei Verkäufern etwa in Form der Frage, ob man lieber das blaue oder das weiße Hemd kaufen möchte, was die dritte Alternative, nämlich keines der beiden zu kaufen, ganz bewusst unterschlägt. Und auch ich verwende das Muster gelegentlich, um meinen Töchtern die Kleiderwahl zu „erleichtern“, was sie natürlich meist durchschauen.

Die agilen Falschmünzer auf dem Weg in die Cargo-Kult-Hölle

Wer Spotify nachmacht oder SAFe einführt oder nachgemachte oder verfälschte agile Frameworks sich verschafft und als best practice in den Verkehr bringt, wird mit sinnlosen kultischen Handlungen nicht unter 20 Stunden pro Woche und Mitarbeiter bestraft. Der Weg in die agilen Cargo-Kult-Hölle ist gut gepflastert mit best practices, Blaupausen und Frameworks und wird gesäumt von Werbeplakaten mit der Aufschrift: „Erfinde das Rad nicht neu!“ Agilität ist aber weniger eine Frage der Methode, sondern eine Frage von Prinzipien und Haltung.

Im Ballsaal der Titanic

So manche agile Transformation endet letztlich damit, dass im Ballsaal der Titanic statt langsamem Walzer jetzt Rock ’n‘ Roll getanzt wird und die Liegestühle an Deck hübscher dekoriert sind. Und selbst wenn es bisweilen zwar wenigstens der Maschinenraum ist, in dem Rock ‘n’ Roll getanzt wird, ändert das doch am Kurs und an der Reaktionsschnelligkeit und Anpassungsfähigkeit wenig.

Standards setzen in agilen Organisationen

Agilität braucht Orientierung. Erst eine gemeinsame Ausrichtung ermöglicht effektive Autonomie und dezentrale Entscheidungen, wodurch agile Organisationen so anpassungsfähig werden. Agilität braucht aber auch gemeinsame Standards und Konventionen, damit trotz aller Unabhängigkeit die Zusammenarbeit gut gelingt. Die spannende Frage ist also nicht, ob es solche Standards in agilen Organisationen braucht, sondern wie sie sinnvollerweise entstehen und durchgesetzt werden.

Wer Ja sagt, muss auch Nein sagen

Wenn Historiker in ein paar Jahrhunderten auf unsere Zeit zurückblicken, werden sie vermutlich nicht das Internet oder Technologie im Allgemeinen als die wichtigstes Veränderung betrachten, sondern die Tatsache, dass erstmals in der Geschichte eine große Zahl von Menschen Wahlmöglichkeiten hatten. Peter F. Drucker schließt diese Einsicht mit der etwas ernüchternden Feststellung, dass die meisten von uns diese Herausforderung völlig unvorbereitet trifft. Je mehr Möglichkeiten es gibt, desto schwerer wird die Entscheidung, weil jedes ‚Ja‘ automatisch viele ‚Nein‘ bedeutet. Darum ist ‚Nein‘ nicht nur das schwierigste, sondern auch das wichtigste Wort unserer Zeit, um den Fokus zu behalten auf persönlicher Ebene genauso wie in Organisationen.