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Wertschöpfung durch Wertschätzung

Henry Ford beklagte sich einst, dass es die dringend benötigten Hände immer nur in Verbindung mit einem Gehirn gäbe: „Why is it every time I ask for a pair of hands, they come with a brain attached?“ Damit beschrieb er zugleich das wesentliche Prinzip des Taylorismus, nämlich die Reduktion des Menschen auf den ihm zugeteilten Arbeitsschritt und seine Rolle im Prozess. Was damals zwar auch unmenschlich, aber höchst erfolgreich war, ist in unserer heutigen VUCA-Welt weder wertschätzend noch wertschöpfend.

Die IT im Wandel: Vom Kostenfaktor zum Innovationstreiber

Seit ihrem Aufkommen im letzten Jahrhundert wird die Informationstechnologie (IT), in Deutschland gerne auch etwas sperrig Elektronische Datenverarbeitung (EDV) genannt, rein als Kostenfaktor behandelt. Software wird von der Stange gekauft oder maßgefertigt, betrieben und gewartet. Ihre Aufgabe ist die Unterstützung der Unternehmensprozesse. Effizienz und Stabilität lauten ihre wesentlichen Ziele. Anpassungen sind die Ausnahme und erfolgen im Rahmen von Projekten. In einer Zeit, die sich treffend mit dem Akronym VUCA (kurz für volatility, uncertainty, complexity und ambiguity) beschreiben lässt, müssen sich Unternehmen und ihre Prozesse und nicht zuletzt ihre IT deutlicher schneller als in der Vergangenheit auf neue Chancen und Herausforderungen einstellen können. Und sich von IT-Projekten als Werkzeug zur Veränderung verabschieden.

Anzeichen einer Angstkultur

Jede Organisation bildet automatisch eine spezifische Organisationskultur. Explizit und implizit regelt diese Kultur das Zusammenleben durch Werte, Norme und Paradigme. Jenseits der beschriebenen Werte einer Organisation, in denen die üblichen Verdächtigen Vertrauen, Respekt und Wertschätzung sich wie ein Mantra wiederholen, gibt es undokumentierte, dafür aber umso mächtigere Leitmotive. Nicht selten ist Angst das dominierende Leitmotiv, erkennbar an untrüglichen Anzeichen wie Abschottung, Misserfolgsvermeidung und Schuldzuweisungen.

Agilität oder Stabilität? Beides!

Durch die disruptive Kraft der Digitalisierung sehen sich immer mehr etablierte Unternehmen mit neuen Konkurrenten konfrontiert. Völlig unbelastet von zu Silos erstarrter funktionaler Teilung und der damit einhergehenden Bürokratie ändern diese Startups blitzschnell die Richtung und erfinden sich ständig neu. Und so scheint es manchem, als wäre die Agilität der Neuen und die Stabilität der Alten ein Gegensatz wie warm und kalt. Tatsächlich sind Agilität im Sinne von Wendigkeit und Effektivität und Stabilität im Sinne von Verlässlichkeit und Effizienz zwei unabhängige Qualitäten einer Organisation. Beides ist notwendig im jeweils richtigen Maß.

Spaltmaßfixierung und Startup-Kultur

Veränderung liegt in der Luft. Neue Wettbewerber mit neuen digitalen Geschäftsmodellen oder vielleicht nur mit Ideen von solchen Geschäftsmodellen brechen in sicher geglaubte Bastionen deutscher Perfektion und Präzision ein. Die Reaktionen der traditionellen Unternehmen reichen von Angst über Arroganz zu Ablehnung und Technikfeindlichkeit. Viele traditionelle Unternehmen spüren allerdings, dass sie sich verändern müssen, wenn sie überleben wollen. Dabei steht uns in Deutschland unsere bisherige Stärke im Weg. Perfekt soll es sein. Weniger ist uns nicht genug. „Fail fast, fail cheap“ hat für deutsche Ingenieure und Manager immer auch den Beigeschmack der Schlampigkeit an der Grenze zur Verletzung der Sorgfaltspflicht.