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Unboss statt Egomanen an der Spitze

Zeiten der Veränderung sind Zeiten der Verunsicherung. Ein Reaktionsmuster auf diese Verunsicherung ist der Ruf nach Helden und starken Führern, die Ordnung ins Chaos bringen und den Weg weisen. Auf gesellschaftlicher und politischer Ebene erleben wir deshalb ein Erstarken von nationalistischen Tendenzen und zunehmende Popularität von Politikern, deren Beitrag im Wesentlichen darin besteht, die Komplexität der Welt unzulässig zu vereinfachen durch Einteilung in schwarz und weiß, gut und falsch, wir und die und andere falsche Dichotomien. In Zeiten digitaler Disruption wächst auch in Unternehmen die Angst. Und während man sich vielerorts dann eben den starken Führer herbeiwünscht, machen wirklich starke Führungspersönlichkeiten wie Vas Narasimhan bei Novartis das Gegenteil: „Unboss your Company!“

Komplex oder kompliziert?

Der naive und intuitive Sprachgebrauch vermischt und überlagert zuweilen, was besser sauber unterschieden werden sollte. Beliebt bei Lektoren sind da beispielsweise die Begriffe anscheinend und scheinbar. Ersterer bedeutet, dass etwas allem Anschein nach auch so ist, während mit scheinbar zum Ausdruck gebracht wird, dass etwas nur so zu sein scheint, aber in Wirklichkeit anders ist. Scheinbar (sic!) genauso spitzfindig ist die Unterscheidung zwischen den Begriffen kompliziert und komplex. In der Praxis werden sie oft synonym verwendet oder allenfalls wird komplex als Steigerung für kompliziert benutzt. Die Unterscheidung dieser beiden Begriffe macht aber einen entscheidenen Unterschied.

Gute Führung macht sich überflüssig

Führung bedeutet schon lange nicht mehr Kommando und Kontrolle. Sie ist kein Privileg, sondern Dienstleistung. Die Dienstleistung besteht darin, Menschen zur Selbstführung und zur Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen zu ermächtigen und zu befähigen und sie dadurch erfolgreich zu machen. Der Wandel zu neuer Führung beginnt notwendigerweise beim Einzelnen und seinem Menschenbild. Dieser Wandel ist aber auch immer eine Irritation der Organisation und ihrer Kultur. Das neue Führungsverständnis, wie es das Manifest für menschliche Führung beschreibt, wird als Faulheit, Unfähigkeit oder Verantwortungslosigkeit abgetan werden, denn gute Führung macht sich letztlich überflüssig und stellt damit den zupackenden und bisweilen hektischen Aktionismus traditionellen Managements in Frage.

Disziplin jenseits des Gehorsams

Kinder sind großartig. Zuweilen auch eine großartige Herausforderung. Ehrlich gesagt sind unsere beiden Töchter das sogar jeden Tag – mehrfach. Ihren unbändigen Wunsch nach Selbstbestimmung zeigen gerade kleine Kinder völlig ungehemmt. Insbesondere dann wenn wir als Eltern aus guten Gründen oder weil die Zeit drängt über sie bestimmen wollen und Gehorsam fordern. Auf unsere Drohungen und Manipulationsversuche reagieren sie aber umso konsequenter mit Verweigerung je nachdrücklicher wir sie vorbringen. Das ist anstrengend, aber im Kern auch gut so, denn es geht eben nicht um Gehorsam und Unterordnung, sondern Eigenverantwortung und (Selbst-)Disziplin – weder in der Erziehung von Kindern noch in anderen Führungssituationen.

Der Mensch, das ewig strebende Tier

Die erfolgreiche Zusammenarbeit im Zeitalter der Wissensarbeit, insbesondere in agilen Organisationen mit ihrem hohen Grad an Selbstorganisation und Eigenverantwortung, hängt maßgeblich vom zugrundeliegenden Menschenbild ab. Douglas McGregor forderte bereits 1963 in seinem Buch „The Human Side of Enterprise“, dass wir Menschen nicht länger als faul und arbeitsscheu (Theorie X), sondern als intrinsisch motiviert und leistungsbereit (Theorie Y) betrachten sollten. McGregor stützt sich dabei auf die Vorarbeiten von Abraham Maslow, die in Form der nach ihm benannten Bedürfnispyramide aus der Managementliteratur mittlerweile nicht mehr wegzudenken sind. Diese Darstellung als Pyramide ist aber eine irreführende Interpretation, die gar nicht von Maslow selbst stammt.