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Das Unternehmen als Werkstatt für gelingendes Leben

So hat Bodo Janssen ein zentrales Kapitel in seinem neuen Buch „Kraftquelle Tradition. Benediktinische Lebenskunst für heute“ (Amazon Affiliate-Link) überschrieben. Unternehmen sind mehr als nur Orte der Wertschöpfung und ihr Zweck ist nicht der Profit. Der wirtschaftliche Erfolg ist die Folge der Verwirklichung der Mitglieder in dieser Werkstatt für gelingendes Leben. Eine erfrischend andere Sichtweise auf Unternehmen und den Zweck von Unternehmen, bei der der Mensch nicht nur Mittel ist, sondern tatsächlich im Mittelpunkt steht.

Weniger ist mehr: Wissensarbeit braucht (auch) Leerlauf

Weniger Arbeitszeit führt zu mehr und besseren Ergebnissen. Was paradox klingt, hat jüngst Microsoft in Japan eindrucksvoll bewiesen. Im August hatten alle 2.300 Mitarbeiter fünf Freitage frei – bei gleichem Gehalt wohlgemerkt. Das Ergebnis dieses Experiments waren glücklichere Mitarbeiter und satte 40% mehr Produktivität. Mehr Einsatz von Arbeitszeit führt also in der Wissensarbeit nicht automatisch zu mehr oder besseren Ergebnissen. Dennoch ist die Kultur in vielen Organisationen geprägt von der einfachen Formel „mehr Präsenz = mehr Arbeit = mehr Leistung = mehr Karriere“, wie das Cawa Younosi, Head of Human Resources und Mitglied der Geschäftsführung von SAP Deutschland, in einem Interview zum Wertewandel in Bezug auf Arbeitszeit ausdrückte. Allerhöchste Zeit also, diese Formel in unseren Köpfen zu korrigieren und das kreative Potential der Menschen zur Entfaltung zu bringen durch eine bessere Balance zwischen Konzentration und Leerlauf.

Führung jenseits der Mauern

Welche Verantwortung tragen Organisationen für die Gesellschaft? Reicht es, wenn sie ihren jeweiligen Zweck möglichst gut erfüllen oder tragen sie auch darüberhinaus Verantwortung? Wer kümmert sich um das Ganze, wenn sich jeder nur um seins kümmert? Angesichts der drängenden gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit, allen voran der drohenden Klimakatastrophe, gehen diese Fragen uns alle mehr denn je an. Sie sind aber keineswegs neu, sondern wurden bereits von Peter Drucker ausführlich und eindeutig beantwortet: Führung endet nicht an den Mauern der Organisation, sondern übernimmt Verantwortung darüberhinaus für die Gemeinschaft.

Führen mit Hingabe

Führung entfaltet ihre Wirkung in zwei Dimensionen: inhaltlich-visionär im Sinne des Wofür genauso wie menschlich-berührend im Sinne des Wir. Gute Führung ist geprägt von Hingabe in diesen beiden Dimensionen. Durch den eigenen vorbildlichen Einsatz für die gemeinsame Sache einerseits und durch die Liebe zu den Menschen und den Glauben an ihre Talente entfacht sie Begeisterung, reißt mit und verändert so die Welt – im Kleinen wie im Großen.

Wider die Überregelung des Miteinander

Weniger, aber besser. Diese Leitlinie des berühmten deutschen Designers Dieter Rams sollte uns nicht nur in der Gestaltung von Produkten leiten, sondern auch in der Gestaltung unserer Zusammenarbeit. Das Miteinander in großen Organisationen ist in den allermeisten Fällen überreguliert und die Menschen in diesen Organisationen überbehütet. Die damit einhergehende Stabilität und Sicherheit in Ehren, aber Eigeninitiative, Kreativität und Höchstleistung ersticken an diesem Übermaß an Regeln. Frei nach Antoine de Saint-Exupéry ist die Zusammenarbeit erst dann perfekt geregelt, wenn nichts mehr weggelassen werden kann. Ein Plädoyer gegen die entmündigende und demütigende Überregelung des Miteinanders.