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Projektcoaching auf den Punkt gebracht

Ein Projekt zu leiten ist oft die erste Führungsaufgabe der Laufbahn. Gestern Arbeit im System, heute Arbeit am System. Was zunächst spitzfindig scheint, kommt in Wahrheit einem Berufswechsel gleich: Der Übergang ins Projektmanagement erfordert völlig andere Fertigkeiten als die bisherige Arbeit als Fachkraft. Bisher nützliche Glaubenssätze werden plötzlich untauglich. Sicherheit, Erfahrung und Status des Expertentums als Fachkraft werden aufgegeben und müssen für die Führungsaufgabe als Projektmanager erst wieder erworben werden. Eine sehr schwierige persönliche Entwicklung. Trotzdem werden Mitarbeiter eben mal zu Projektleitern „befördert“, bestenfalls mit einer Grundlagenschulungen Projektmanagement ausgestattet. Schnell weicht dann die Freude über die „Beförderung“ und die hohe Leistungsbereitschaft der Ernüchterung, Überforderung und Hilflosigkeit. Ein idealer Nährboden für Burnout. Projektcoaching hilft dabei, die Herausforderungen der neuen und ungewohnten Führungsaufgabe zu bewältigen und in die neue Rolle hineinzuwachsen.

Grundprinzipien des Projektmanagement

Jeder kennt die Quizfrage: „Wenn Du nur drei Dinge auf eine einsame Insel mitnehmen dürftest, welche wären das?“ Die Antworten sind oftmals recht erhellend und bringen Seiten des Antwortenden zu Tage, die man noch nicht kannte. Wenn ich nun analog mein Verständnis von Projektmanagement auf drei Grundprinzipien reduzieren müsste, wären es für mich die im folgenden beschriebenen. Ich möchte mit dem Artikel den Anstoß geben über die eigenen Projektmanagement-Prinzipien nachzudenken und freue mich über eure Kommentare.

Moderne Zeiten 2.0

Wir leben in turbulenten Zeiten. Noch können wir zwar aus dem Vollen schöpfen, aber zukünftig wird die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland dramatisch zurückgehen. Zugleich verändert sich die Art der Arbeit: immer weniger arbeiten in der produzierenden Industrie und immer mehr Menschen arbeiten in immer größerem Maße als Wissensarbeiter, ihr Arbeitsgegenstand ist zunehmend immateriell und digital. Über die letzten Jahre entstanden im Internet neue und effektive Zusammenarbeitsformen und jedem frei zugängliche Werkzeuge. Welche Auswirkungen haben diese drei Faktoren, demografischer, struktureller und technologischer Wandel, zusammengenommen auf die Arbeitsweise in Organisationen und Unternehmen, die heute noch mehrheitlich wie im Industriezeitalter organisiert sind. Wie werden wir zukünftig arbeiten?

Projektcoaching (25): Verteilte Teams

Projekte sind mehr denn je durch eine zunehmende Heterogenität gekennzeichnet. Einerseits in Bezug auf die Zusammensetzung des Teams, das fast nie ausschließlich aus Mitarbeitern eines einzigen Unternehmens besteht, sondern immer aus einem Geflecht aus mehreren Dienstleistern und freiberuflichen Mitarbeitern. Andererseits – und teilweise aus dem vorigen resultierend – in Bezug auf die räumliche Verteilung des Teams, das fast nie zusammen in einem einzigen Projektraum sitzt. Vieles, was unter optimalen räumlichen Bedingungen (also alle in einem Raum) nur für lästige, aber vernachlässigbare, Reibungsverluste sorgt, hat bei verteilten Teams das Potential sich zur Katastrophe auszuwachsen. Defizite in der Führung, der Kommunikation und der Interaktion fallen erst viel später auf. So geschehen beispielsweise beim Absturz des Mars Climate Orbiters, bei dessen Konstruktion das Team der NASA mit Einheiten im international gebräuchlichen SI-System rechnete, das Team des Herstellers der Steuerungseinheit aber im imperialen System (vgl. „Verwalten Sie noch oder führen Sie schon?“).

Change or Die?

In seinen Buch „Change or Die“ zeigt Alan Deutschman anhand von vielen Beispielen was Veränderung einerseits verhindert und was sie andererseits gelingen lässt. Seine provokante Frage lautet: „Könnten Sie sich, Ihre Glaubenssätze oder Ihre Lebensweise grundlegend verändern, wenn Ihr Leben davon abhinge?“ Selbstverständlich, möchte man meinen! Oder etwa doch nicht? Leider ist die Antwort allzu oft negativ, beispielsweise bei schwer herzkranken Patienten. Diesen Patienten ist der Ernst der Lage voll bewusst, sie spüren Todesangst und Ärzte, Angehörige und Freunde drängen sie ihre Lebensweise umzustellen. Und doch schaffen diese Veränderung 9 von 10 nicht länger als ein paar Monate und bezahlen letztlich mit ihrem Leben oder wenigstens mit einer massiven Einschränkung der Lebensqualität. Noch nicht einmal die regelmäßige Einnahme von lebenswichtigen Medikamenten wie Lipidsenkern zur Regulierung der Blutfettwerte gelingt dauerhaft. Dieses und weitere Beispiele begründen die These von Alan Deutschman, das die üblicherweise angewendeten drei „F“, nämlich „Facts, Fear & Force“ Veränderungsprozesse verhindern anstatt sie zu fördern.