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Von den Stoikern Gelassenheit lernen

Das Jahr ist noch kein Monat alt und meine Vorsätze sind Makulatur. Ich wollte achtsamer mit meiner Zeit umgehen, mich stärker fokussieren und besser priorisieren. Wie bei so vielen anderen ist mein Kalender voll und unerreichbar scheint die 5-Stunden-Regel, also nach dem Vorbild von Bill Gates oder Warren Buffet fünf Stunden pro Woche in Reflektieren und Lernen zu investieren. Darauf bin ich weder stolz noch will ich mich damit brüsten. Ich nehme es lieber als Anlass für eine kurze Rückbesinnung auf die Erkenntnisse der Stoiker und ihre sprichwörtliche Gelassenheit und Seelenruhe.

Wider die Angstkultur

Der römischen Kaiser Caligula wurde mit seinem Motto oderint, dum metuant (zu dt.: Sollen sie mich doch hassen, solange sie mich fürchten) zum Inbegriff des autokratischen Gewaltherrschers. Von dieser radikalen Sorte gibt es heute glücklicherweise nicht mehr so viele in Politik (obwohl nationalistische und rechtsradikale Tendenzen nichts Gutes verheißen) und Wirtschaft. Dennoch ist Angst in mehr oder weniger subtiler Form das unausgesprochene Leitmotiv in den hierarchischen Strukturen vieler Organisationen mit der absolutistischen Machtfülle ihrer Protagonisten. Und das wider besseren Wissens um die Schädlichkeit dieser Angst für Kreativität und Produktivität.

Wie hältst Du’s mit Deiner Zeit?

Warren Buffet und Bill Gates verbindet mehr als ihr Reichtum. Seit ihrer ersten Begegnung 1991 pflegen sie eine intensive Freundschaft, in der sie viel voneinander lernten. Bill Gates lernte von Warren Buffet unter anderem die Kunst der richtigen Zeiteinteilung. Gemeint ist damit keineswegs das Füllen der allerletzten Lücken im Kalender, sondern im Gegenteil das bewusste Weglassen und Fokussieren. Beide sehen einen großen Wert darin, regelmäßig einen Teil ihrer Zeit zum Rumsitzen, Lesen und Nachdenken zu nutzen. Eine Stunde pro Tag (fünf Stunden pro Woche) soll das den beiden (und einigen anderen sehr erfolgreichen Menschen) wert sein. Und nun die Gretchenfrage zum Start in ein neues Jahr: Wie hältst du’s mit Deiner Zeit?

Führung durch Vorbild

Wahre Autorität ist keine Frage der Position, sondern des vorbildlichen Verhaltens, denn Führung beruht mehr auf Nachahmung als auf Unterordnung. Wir könnten uns viel Widerstand, Kampf und Leid im täglichen Miteinander in Organisationen und Familie ersparen, wenn wir selbst authentisch den Wandel verkörperten, den wir uns für unser Umfeld wünschen. Nur wer sich selbst derart aufrichtig führen kann, kann andere durch sein Vorbild führen.

Die Dreifaltigkeit agiler Führung

Man kann von Scrum halten was man will, aber der Scrum Guide beschreibt sehr schön drei Aspekte von Führung im Kontext agiler Produktentwicklung. Da gibt es im Zentrum der Wertschöpfung das Development Team, das möglichst autonom und selbstorganisiert arbeitet. Der Product Owner sorgt als „CEO“ des Produkts für die inhaltliche Führung und gibt dadurch der Autonomie eine gemeinsame Vision und Richtung. Und schließlich gibt es den Scrum Master, der sich dienend um die Menschen kümmert und dem Product Owner, dem Development Team und dem Rest der Organisation hilft effektiv zusammenzuarbeiten. Ein klassischer Manager ist dort nicht beschrieben, denn seine verschiedenen Aufgaben sind auf diese Rollen verteilt.