Alle Artikel in: Philosophie

Ermächtigung zur Arbeit am System

Selbstbestimmtheit ist ein entscheidender Motivationsfaktor für Wissensarbeiter. Mitarbeiter erwarten mittlerweile, dass sie im Rahmen eines sinnvollen übergeordneten Zwecks der Organisation über den Einsatz der eigenen Talente und der eigenen Zeit selbstbestimmt entscheiden dürfen. Das gilt nicht nur für die eigentliche Arbeit im System, also der Arbeit, die einen Mehrwert für die Kunden liefert, sondern explizit auch für die Arbeit am System, also der Organisation der Zusammenarbeit, der Arbeitsprozesse und auch der strategischen Ausrichtung. Für diese klassischen Management- und Führungsaufgaben sind also zukünftig nicht mehr das Management oder die Führung verantwortlich, vielmehr gehen sie über in die kollektive Verantwortung aller Mitarbeiter.

(K)ein richtiges Leben im falschen?

Viel wird geschrieben – auch hier – über neue Arbeit als Überbegriff für postindustrielle Gestaltung der Zusammenarbeit von Menschen im Unternehmen oder im Projekt als temporäreres Unternehmen sozusagen. Es ist die Rede von Selbstorganisation, demokratischen Entscheidungsprozessen, Sinnstiftung und vielen weiteren wohlklingenden Begriffen. Natürlich gibt es sie tatsächlich die leuchtenden Beispiele moderner Unternehmensführung, die all das und noch viel mehr anstreben und verwirklichen. Dennoch sieht die Arbeitsrealität für die allermeisten Menschen noch immer deutlich glanzloser aus. Unweigerlich stellt man sich als aufgeklärter Arbeiter jeden Tag an der Stechuhr die Frage, wieviel dieser Ideen im eigenen Arbeitsleben umsetzbar sind und ob es überhaupt ein richtiges Leben im falschen geben kann.

Wider den Heilsversprechen im Projektmanagement

Die einzig richtige Projektmanagement-Methodik gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Jedes Projekt ist in seiner jeweiligen Konstellation einzigartig. Die daran beteiligten oder davon betroffenen Menschen sind einzigartig. Daher verdienen es Projekte und ihre Menschen auch genau so geführt zu werden: einzigartig. Meine Abneigung gegen Heilsversprechen, Wundermittel und jede Form von grob vereinfachenden Patentrezepten ist ein wichtiger Teil meiner Projektmanagement-Philosophie: Ich führe meine Projekte passend statt standardisiert.

“Um so schlimmer für die Tatsachen!”

Wirklichkeit ist ein Konstrukt. Gemäß dieser Kernthese des radikalen Konstruktivismus konstruiert sich jeder seine subjektive Wirklichkeit aus seinen subjektiven Wahrnehmungen. Diese prinzipiell ungenaue Landkarte verwechseln wir mit der Wirklichkeit, weshalb wir sie nicht mehr ausreichend hinterfragen und aufgrund widersprüchlicher Wahrnehmungen anpassen. Stattdessen wird uns die Landkarte heilig und Unpassendes einfach passend gemacht: “Um so schlimmer für die Tatsachen!”, der Ausspruch des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, als er bei der Verteidigung seiner Dissertation mit der harten Realität eines kurz zuvor entdeckten achten Planeten unseres Sonnensystems konfrontiert wurde, welchen es seiner Theorie nach nicht geben hätte dürfen, wird zur (un)bewussten Devise. Wenn aber dem einzelnen Menschen schon der direkte Zugang zur Realität verwehrt bleibt, ist dann zu erwarten, dass dies Unternehmen — von Menschen gemacht und von Menschen geführt — besser gelingt? Auch die Wirklichkeit eines Unternehmens ist ein Konstrukt. Unternehmen, und dazu zählen im weiteren Sinne auch Projekte, basieren auf Grundannahmen; sie bilden die Realität mehr oder weniger genau ab, bleiben aber immer genau das: Abbilder. Das ist notwendig und sinnvoll; die Probleme entstehen auch hier erst, …