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Das Produkt bin ich!

Im Scrum erfüllt der Product-Owner eine entscheidende Funktion: er maximiert den Wert seines Produkts. Ausgehend von einer kraftvollen Vision priorisiert er die Funktionen nach dem angenommenen Nutzen und überprüft diese Annahme regelmäßig anhand der Rückmeldung der Kunden. In hierarchischen Organisationen, die auf Kommando und Kontrolle basieren, ist allerdings immer wieder zu beobachten, dass der eine oder andere Product-Owner zum absolutistischen Fürsten wird: „Das Produkt bin ich!“ Gemäß diesem abgewandelten Leitspruch des Absolutismus regiert er selbstherrlich über das Team und betreibt nach Gutdünken Micromanagement.

Wie viel Agilität und wenn ja, wozu?

Auch Wasserfall ist agil. Die Schleifen in denen ein Produkt entsteht sind nur viel länger. Nach jeder Schleife trifft ein Ergebnis auf einen Kunden. Dann zeigt sich der Nutzen oder eben nicht und es kann der Kurs korrigiert werden. Bei Scrum alle zwei bis vier Wochen, bei klassisch Wasserfall eher nur zweimal im Jahr mit entsprechend höherem Aufwand und Risiko. Beides kann je nach Projekt und Kontext angemessen sein. Es kommt einfach darauf an, wie anpassungsfähig und reaktionsfähig ein Projekt sein will und muss.

Niemals ohne Vision

Agil bedeutet wendig. Ohne eine Vision wird aus wendig aber schnell beliebig; anstatt sich zielgerichtet vorwärts zu bewegen dreht sich das Team im Kreis. Eine kraftvolle Vision beschreibt einen attraktiven Idealzustand, den alle Beteiligten als sinnvoll ansehen. Die Notwendigkeit einer solchen Vision wird leider oft unterschätzt oder aus Angst vor Misserfolg durch zu realistische und kraftlose Ziele ersetzt.

Agil ist eine Einstellung, keine Methode!

Viele Unternehmen sehen Agilität nur als eine Alternative zu ihrem etablierten Wasserfall; einfach eine bessere Methode um Projekte durchzuführen. Also wird eine geeignetes agiles Rahmenwerk ausgewählt, angepasst, umgesetzt und geschult. Am Ende dieser Umstellung gibt dann eben auch agil als Methode, bis auf weiteres festgeschrieben und laminiert und nur durch wichtige Gremien von zentraler Governance-Stelle veränderbar. Agil ist kann aber nie eine fertige Methode sein, sondern lebt von der fortwährenden Verbesserung durch die Anwender selbst.

Experimente statt Einheitsbrei

Wo viele Projekte durchgeführt werden, entsteht schnell ein gewisser Drang zur Vereinheitlichung der Methodik. Der Wunsch nach wiederholbar guten Projekten ist auch verständlich, Standardisierung und Patentrezepte garantieren aber maximal Mittelmäßigkeit. Aus Tütensuppe wird eben kein Fünf-Sterne-Menü. Das reicht vielleicht für das kleine Projekt zwischendurch, aber nicht für die komplexen Herausforderungen unserer Zeit. Projektmanagement braucht Freiraum für Experimente, Adaption und Variation statt iso-zertifiziertem Einheitsbrei.