Alle Artikel mit dem Schlagwort: Agile Transformation

Der Scrum Master: Drei Anti-Patterns

Scrum ist als Rahmenwerk für agile Produktentwicklung trügerisch einfach. Neben dem Entwicklungsteam gibt es nur die Rollen Product Owner und Scrum Master. Der Prozess ist schlank und kommt mit wenigen Artefakten und Events (wie die Meetings in Scrum heißen) aus. Diese Einfachheit führt in der Praxis zu allerlei Fake-Agile und Cargo-Kult – nettes, aber wirkungsloses Theater. Damit genau das nicht passiert, gibt es eigentlich den Scrum Master. Leider kommt es gerade bei dieser wichtigen Rolle zu vielen Fehlinterpretationen, wie die folgenden drei Anti-Patterns beispielhaft zeigen.

Die agile Transformation in der Sackgasse

Wer Spotify kopiert oder irgendeine andere Blaupause einer agilen Organisation einfach umsetzt macht einen grundsätzlichen Fehler. Nicht weil die Modelle schlecht wären, sondern weil die von oben angeordnete Umsetzung eines von wenigen Managern, Experten oder Beratern ausgewählten oder erdachten Modells einer agilen Organisation dem ganz wesentlichen Prinzip der Selbstorganisation widerspricht. Modelle agiler Organisationen sind prinzipiell emergent in dem Sinne, dass sie aus der Zusammenarbeit von selbstorganisierten Teams in Richtung einer gemeinsamen Vision entstehen und sich ständig weiterentwickeln. Darum ist es entscheidend für eine nachhaltige agile Transformation, den Druck kurzfristige Erfolge zu liefern auszuhalten und den Menschen empathisch und vertrauensvoll den Raum und die Zeit zu geben, gemeinsam zu lernen und zu wachsen. So verlockend Blaupausen auch erscheinen und so schön aktionistisch ihre Einführung im großen Stil auch aussehen mag, so sicher führt genau das die agile Transformation in eine Sackgasse.

Die Säulen nachhaltiger Veränderung: Empathie, Vertrauen und Geduld

Change und Change-Management war gestern. Heute wird transformiert. Eine digitale Transformation für die Geschäftsmodelle, weil Daten das neue Öl sind. Eine agile Transformation für die Organisation und ihre Abläufe, weil Flexibilität und Schnelligkeit gefragt sind in Zeiten von großer Unsicherheit. Leider hat sich oft nur die Bezeichnung geändert und wo groß Transformation drauf steht ist eigentlich ganz klassisches – und sehr tayloristisches – Change-Mangement drin. Darum haben Patentrezepte und Blaupausen gerade Hochkultur: einfach mal LeSS oder SAFe einführen oder Spotify kopieren und fertig ist die agile Transformation. Der Charakter der Transformation als ein natürlicher Entwicklungsprozess eines komplexen Systems wird dadurch ignoriert zu Gunsten eines Musters, das zwar bisher auch nur leidlich funktioniert hat, aber wenigstens bekannt ist und gut steuerbar erscheint: Die Organisation und die Menschen darin einfach umbauen wie so eine komplizierte Maschine. Begleitet freilich von allerlei Change-Theater, denn man muss die Menschen ja irgendwie „mitnehmen“. Eine erfolgreiche Transformation aber, die diesen Namen verdient, basiert auf Visionen statt Blaupausen. Sie wird idealerweise getragen von allen und geführt mit Empathie, Vertrauen und Geduld.

Manifest für menschliche Führung

In einer Zeit, in der es „normal ist, dass vieles anders ist und immer schneller anders wird“ (Karl-Heinz Geißler) steht auch und insbesondere die Rolle der Führung mindestens zur Diskussion und in Teilen sogar in Frage. Führung muss die Selbstführung der anvertrauten Mitarbeiter zum Ziel haben. Führung heißt, andere erfolgreich zu machen. Diese menschliche Führung ist keine Frage der Position, sondern eine Frage der Haltung. Diese Haltung und die Werte neuer, agiler, digitaler und vor allem menschlicher Führung beschreibt dieses Manifest.

Der Opportunist: Verunsicherung verhindert Veränderung

Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern! Dieser Satz – bewusst ohne den im Originalzitat von Konrad Adenauer folgenden Halbsatz „nichts hindert mich, weiser zu werden“ – ist dem Opportunisten Programm. Was zählt ist was sich auszahlt. Für ihn persönlich. Dafür wechselt er gerne und oft die Richtung – je nachdem was ihm gerade opportun erscheint im Sinne der eigenen Karriere. Neben dem Helikopter-Manager, der seine Mitarbeiter durch Überbehütung klein hält, und dem Micro-Manager, der sie durch Kontrolle abhängig hält, ist der Opportunist ein dritter Archetyp problematischen Führungsverhaltens im Zeitalter von Wissensarbeit und agiler Transformation.