Alle Artikel mit dem Schlagwort: Agile Transformation

Prinzipien vor Regeln

Die agile Transformation als einen möglichst reibungsfreien Übergang von einem heutigen in ein künftiges Organisationsmodell zu betrachten, ist eine genauso beliebte wie fundamental falsche Annahme, die für das Scheitern vieler Transformationen verantwortlich ist und sein wird. Weder lässt sich der gewünschte Zielzustand ausreichend genau beschreiben – und auch Modelle wie SAFe, LeSS, Nexus und Co. dürfen keinesfalls als Blaupausen verstanden werden – noch gibt es diesen Zielzustand im Sinne eines dann für gewisse Zeit stabilen Modells überhaupt. Das Ziel einer agilen Transformation ist eine hochgradig anpassungsfähige Organisation und das beinhaltet auch und gerade die kontinuierliche Anpassung der Strukturen und Prozesse an eine sich immer schneller verändernde Umwelt. Form follows function.

Absicht statt Anweisung

Wie soll man ein Atom-U-Boot befehligen, wenn man es selbst nicht gut genug kennt mit einer Crew die es gewohnt ist Befehle unhinterfragt auszuführen? Diese Frage musste sich David Marquet stellen als er überraschend das Kommando auf der USS Santa Fe übernehmen musste, obwohl er über ein Jahr für den Einsatz auf einem U-Boot eines ganz anderen Typs trainiert worden war. Die Fragestellung lässt sich leicht auf viele Führungssituation und Führungskräfte auf der Suche nach neuer Führung übertragen. Die Antwort von David Marquet, mit der er sprichwörtlich das Schiff herumriss und es nachhaltig vom schlechtesten Schiff in der Flotte zum besten verwandelte, hoffentlich auch: Er schwor sich und der Crew, nie wieder einen Befehl zu geben und verschob damit die Autorität zur Entscheidung wieder dorthin, wo auch das Wissen, die Erfahrung und Information dazu war. David Marquet liefert mit seiner Geschichte ein inspirierendes Beispiel von Empowerment und Selbstorganisation in einem Umfeld in dem man es nicht erwartet hätte.

Freiheit und Verantwortung

Auf dem Weg zur einer agilen Organisation werden Freiheit und Verantwortung neu verhandelt. Die Selbstorganisation als wesentlicher Baustein von agilen Organisationen geht einher mit mehr Freiheit, insbesondere die Freiheit, Arbeitsinhalte und Arbeitsweise im Team zu gestalten. Der Preis für diese Freiheit ist die Verantwortung für das Produkt und den Prozess. Aufgrund dieser prinzipiellen Interdependenz ist das kontinuierliche Ausbalancieren von Freiheit und Verantwortung entscheidend für das Gelingen von Veränderungsprozessen.

Von tayloristischer Unmündigkeit zu agiler Selbstorganisation

In der überwiegend tayloristisch geprägten Arbeitswelt wird immer noch recht strikt getrennt zwischen Denken und Handeln. Das Management definiert Ziele, Organisation und Prozesse und die einfachen Mitarbeiter arbeiten innerhalb dieser für sie geschaffenen Strukturen. Umorganisation und Prozessveränderungen sind nach diesem Paradigma ureigenste Managementaufgabe. Im Gegensatz zu anderen Organisationsveränderungen kann eine agile Transformation so aber prinzipiell nicht gelingen. Genau diese tayloristische Trennung zwischen Denken und Handeln löst sich nämlich in einer agilen Organisation auf zugunsten des neuen Paradigmas der Selbstorganisation und geteilter Verantwortung für Produkt und Prozess.