Alle Artikel mit dem Schlagwort: Agile Transformation

Agil und Projekt: Ein Widerspruch?

Jede Organisation hat ihr Tagesgeschäft. Die einen verkaufen online Waren, die anderen bauen Autos und die nächsten vermitteln Privatwohnungen als Hotelzimmer. Dafür haben diese Organisationen ihre jeweiligen Prozesse, Rollen und jede ihre IT und insbesondere ihre Software, die immer wichtiger wird. So weit, so generisch. Die viel spannendere Frage ist, wie Organisationen den Status quo ihres Tagesgeschäfts, ihre Prozesse und ihre Software weiterentwickeln. Und noch spannender ist, wie schnell ihnen das gelingt und wie anpassungsfähig sie das macht.

Die agile Transformation braucht keine Helden

Liebe Entscheider, die ihr eure Organisation agiler machen wollt, sehnt euch nicht nach Helden und Heilsbringern für eure agile Transformation. Und hört auf, Blaupausen zu kopieren und mit Frameworks Agilität per Kochrezept einzuführen. Die agile Transformation ist kein Projekt, sondern ein langer Weg ohne Ziel, auf dem aus einer mittlerweile zu starren Organisation eine immer wandlungsfähigere wird. Unsicherheit gehört zum Wandel dazu, Helden und Kochrezepte nicht. Im Gegenteil, Helden und Macher machen abhängig, indem sie die Verantwortung für die Weiterentwicklung der Arbeitsweise übernehmen, anstatt die Teams und Mitarbeiter nachhaltig dazu zu ermächtigen.

Prinzipien vor Regeln

Die agile Transformation als einen möglichst reibungsfreien Übergang von einem heutigen in ein künftiges Organisationsmodell zu betrachten, ist eine genauso beliebte wie fundamental falsche Annahme, die für das Scheitern vieler Transformationen verantwortlich ist und sein wird. Weder lässt sich der gewünschte Zielzustand ausreichend genau beschreiben – und auch Modelle wie SAFe, LeSS, Nexus und Co. dürfen keinesfalls als Blaupausen verstanden werden – noch gibt es diesen Zielzustand im Sinne eines dann für gewisse Zeit stabilen Modells überhaupt. Das Ziel einer agilen Transformation ist eine hochgradig anpassungsfähige Organisation und das beinhaltet auch und gerade die kontinuierliche Anpassung der Strukturen und Prozesse an eine sich immer schneller verändernde Umwelt. Form follows function.

Absicht statt Anweisung

Wie soll man ein Atom-U-Boot befehligen, wenn man es selbst nicht gut genug kennt mit einer Crew die es gewohnt ist Befehle unhinterfragt auszuführen? Diese Frage musste sich David Marquet stellen als er überraschend das Kommando auf der USS Santa Fe übernehmen musste, obwohl er über ein Jahr für den Einsatz auf einem U-Boot eines ganz anderen Typs trainiert worden war. Die Fragestellung lässt sich leicht auf viele Führungssituation und Führungskräfte auf der Suche nach neuer Führung übertragen. Die Antwort von David Marquet, mit der er sprichwörtlich das Schiff herumriss und es nachhaltig vom schlechtesten Schiff in der Flotte zum besten verwandelte, hoffentlich auch: Er schwor sich und der Crew, nie wieder einen Befehl zu geben und verschob damit die Autorität zur Entscheidung wieder dorthin, wo auch das Wissen, die Erfahrung und Information dazu war. David Marquet liefert mit seiner Geschichte ein inspirierendes Beispiel von Empowerment und Selbstorganisation in einem Umfeld in dem man es nicht erwartet hätte.

Freiheit und Verantwortung

Auf dem Weg zur einer agilen Organisation werden Freiheit und Verantwortung neu verhandelt. Die Selbstorganisation als wesentlicher Baustein von agilen Organisationen geht einher mit mehr Freiheit, insbesondere die Freiheit, Arbeitsinhalte und Arbeitsweise im Team zu gestalten. Der Preis für diese Freiheit ist die Verantwortung für das Produkt und den Prozess. Aufgrund dieser prinzipiellen Interdependenz ist das kontinuierliche Ausbalancieren von Freiheit und Verantwortung entscheidend für das Gelingen von Veränderungsprozessen.