Alle Artikel mit dem Schlagwort: Burnout

Sinnvoll(e) Projekte machen

Projektarbeit kann eine willkommene Abwechslung zur Linien- oder Prozessarbeit sein. Projektarbeit kann aber auch zur Belastung werden indem sie sozialer Entwurzelung, Individualisierung und Sinnverlust Vorschub leistet, so jedenfalls meine These. Besonders gut dort lässt sich das dort beobachten, wo es ausschließlich Projektarbeit gibt, nämlich bei den Unternehmen der Dienstleistungs- und Beratungsbranche, beispielsweise bei IT-Dienstleistern. Es ist höchste Zeit die Projektarbeit verträglicher zu gestalten: Sinnvoll(e) Projekte machen.

Projektarbeit: Ein Brandbeschleuniger?

In ihrem sehr lesenswerten Buch „Die Burnout-Lüge“ nähert sich Martina Leibovici-Mühlberger dem Thema Burnout aus ungewohnter Perspektive. Die Gynäkologin und Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychosomatik führt die steigenden Fälle von Burnout auf den Verlust von Sinn und sozialem Zusammenhalt in unserer auf Konkurrenz und persönlichem Gewinn geeichten und als Resultat zutiefst narzisstischen Gesellschaft zurück. Der Burnout-Patient wird damit aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur „zum Seismographen dieser Fehlentwicklung“, so die Autorin. Die Arbeitswelt sei in diesem Drama der „hautpsächliche und sichtbarste Austragungsort des persönlichen Sinnverlusts und Entfremdungskonflikts des Einzelnen“. Nachdem sich mittlerweile ein immer größer werdender Teil der Arbeit innerhalb von Projekten abspielt, ist es vor diesem Hintergrund an der Zeit, ein paar unbequeme Fragen zu stellen. Beispielsweise inwieweit die Zunahme der projektbezogenen Arbeit die Entstehung von Burnout begünstigt. Und wie die Projektarbeit gesünder und menschlicher gestaltet werden kann und muss.

Die Burnout-Lüge

Viel wurde in den letzten Jahren berichtet, analysiert und philosophiert zum Thema Burnout. Spätestens seit sich auch Vertreter der Reichen, Schönen und Berühmten dazu bekannt haben, nimmt die gefühlte Verbreitung des Phänomens epidemische Ausmaße an. Ebenso wie die vielfältigen Angebote einer boomenden Wellness-Industrie, die quasi noch aus dem Untergang Kapital schlägt. Viel schwerer wiegt aber, dass durch die bequemen Erklärungen und Therapieversuche auf individueller Ebene genauso wie durch die pauschale Verurteilung der Arbeitsbedingungen, das eigentliche Problem verschleiert wird: Ein auf Konkurrenz geeichtes von dadurch mittlerweile hyperindividualisierten, einander und sich selbst zutiefst entfremdeten Narzissten betriebenes System steht vor seinem Kollaps. Der Burnout-Patient wird damit aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur „zum Seismographen dieser Fehlentwicklung.“ Das ist die aufrüttelnde Botschaft des ungemein wichtigen und überfälligen Buches „Die Burnout-Lüge“ von Martina Leibovici-Mühlberger (Amazon Affiliate Link).

Studie: Burnout-Gefahr in IT-Projekten steigt

Die Arbeit in IT-Projekten wird zunehmend als belastend empfunden. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hervor: Lediglich 29% der Befragten gaben an, nach der Arbeit problemlos „abschalten“ zu können […]. Nur noch 37% der IT-Spezialisten glauben, ihre Tätigkeit sei auf Dauer durchzuhalten. Im Vergleich zu früheren Untersuchungen ist dies eine deutliche Verschlechterung: 2008 konnten noch 51% abschalten und fühlten sich 57% in der Lage die Tätigkeit auf Dauer durchzuhalten.