Alle Artikel mit dem Schlagwort: Change

Die Säulen nachhaltiger Veränderung: Empathie, Vertrauen und Geduld

Change und Change-Management war gestern. Heute wird transformiert. Eine digitale Transformation für die Geschäftsmodelle, weil Daten das neue Öl sind. Eine agile Transformation für die Organisation und ihre Abläufe, weil Flexibilität und Schnelligkeit gefragt sind in Zeiten von großer Unsicherheit. Leider hat sich oft nur die Bezeichnung geändert und wo groß Transformation drauf steht ist eigentlich ganz klassisches – und sehr tayloristisches – Change-Mangement drin. Darum haben Patentrezepte und Blaupausen gerade Hochkultur: einfach mal LeSS oder SAFe einführen oder Spotify kopieren und fertig ist die agile Transformation. Der Charakter der Transformation als ein natürlicher Entwicklungsprozess eines komplexen Systems wird dadurch ignoriert zu Gunsten eines Musters, das zwar bisher auch nur leidlich funktioniert hat, aber wenigstens bekannt ist und gut steuerbar erscheint: Die Organisation und die Menschen darin einfach umbauen wie so eine komplizierte Maschine. Begleitet freilich von allerlei Change-Theater, denn man muss die Menschen ja irgendwie „mitnehmen“. Eine erfolgreiche Transformation aber, die diesen Namen verdient, basiert auf Visionen statt Blaupausen. Sie wird idealerweise getragen von allen und geführt mit Empathie, Vertrauen und Geduld.

Veränderung braucht Offenheit

Veränderung von Organisationen scheitert nicht an starrköpfigen, trägen und unwilligen Mitarbeitern. Die Widerstände der Menschen sind vielmehr eine verständliche Abwehrreaktion auf einen zutiefst tayloristischen Veränderungsprozess: ein elitärer Zirkel an Managern denkt die Veränderung im Geheimen und den Betroffenen soll sie dann durch Maßnahmen des Changemanagements schmackhaft gemacht werden.

Spaltmaßfixierung und Startup-Kultur

Veränderung liegt in der Luft. Neue Wettbewerber mit neuen digitalen Geschäftsmodellen oder vielleicht nur mit Ideen von solchen Geschäftsmodellen brechen in sicher geglaubte Bastionen deutscher Perfektion und Präzision ein. Die Reaktionen der traditionellen Unternehmen reichen von Angst über Arroganz zu Ablehnung und Technikfeindlichkeit. Viele traditionelle Unternehmen spüren allerdings, dass sie sich verändern müssen, wenn sie überleben wollen. Dabei steht uns in Deutschland unsere bisherige Stärke im Weg. Perfekt soll es sein. Weniger ist uns nicht genug. „Fail fast, fail cheap“ hat für deutsche Ingenieure und Manager immer auch den Beigeschmack der Schlampigkeit an der Grenze zur Verletzung der Sorgfaltspflicht.

Die Frösche fragen

Unsere Sprache entlarvt uns oftmals. Projektbüros die als War-Rooms bezeichnet werden lassen tief blicken in die Seele des Projektleiters und seine Art Projekte durchzuführen. Es geht aber noch schlimmer. Beispielsweise im Veränderungsmanagement mit dem markigen Spruch: „Wenn Du einen Teich trocken legen willst, darfst Du nicht die Frösche fragen!“ Was bei Fröschen in Teichen stimmen mag, zeugt bei der Übertragung auf Menschen und die Veränderung der Zusammenarbeit im Unternehmen von einem falschen aber immer noch weit verbreiteten Menschenbild.

Projektpolitik

Kein Projekt ist eine Insel. Jedes Projekt ist eingebettet in ein Umfeld, mit dem es in Wechselwirkung steht: Das Projekt betrifft das Umfeld und das Umfeld beeinflusst das Projekt. Das temporäre System Projekt effektiv zu führen und effizient zu gestalten, die Arbeit am System, ist absolut notwendig aber bei weitem nicht hinreichend für den Projekterfolg. Dazu braucht es noch den Blick auf das Gesamtsystem, also Projekt in Wechselwirkung mit dem Umfeld. Während man als Projektmanager auf das System Projekt noch direkten Einfluss hat, entzieht sich das Umfeld dem direkten Zugriff. Damit sind wir im Bereich der Projektpolitik angekommen.