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Geschichten formen Kultur

Kultur in Organisationen ist viel mehr und oft etwas ganz anderes als die Werte die irgendwo an den Wänden prangen und in Hochglanzbroschüren stehen. Die Diskrepanz muss nicht immer so drastisch aus- und auffallen wie bei Enron, wo es trotz der Integrität als einen der vier zentralen Werte dort zu massiven Bilanzfälschungen und infolgedessen zu einem der größten Wirtschaftsskandale in der US-Geschichte kam. Die ge- und erlebte Kultur, also wie die Dinge in der Organisation eben sind und zu sein haben, manifestiert sich letztlich in den erwünschten und unerwünschten Verhaltensweisen. Und das Trägermedium für diese Kultur sind die Geschichten, die sich die Menschen in der Organisation erzählen. Kulturveränderung muss also genau da ansetzen und dafür sorgen, dass die richtigen Geschichten erzählt werden.

Wir statt die!

Unsere Arbeitskultur ist in vielen Fällen auf Vereinzelung und Konkurrenz ausgerichtet. Das beginnt bereits in der Grundschule (oder mittlerweile schon vorher) und zieht sich in der Regel durch das gesamte Arbeitsleben. Teamarbeit, Projekte und hehre Unternehmenswerte wie Vertrauen und Wertschätzung helfen da nur bedingt, wenn am Ende des Jahres im Wesentlichen die individuelle Leistung zählt und diese im Stile eines Nullsummenspiels vielleicht sogar in Konkurrenz zur Leistung der anderen steht. In einem solchen Umfeld kann Agilität nicht gedeihen. Das Paradigma agiler Zusammenarbeit lautet eindeutig Kooperation: im Team, zwischen Team und Kunden und zwischen Teams. David Marquet hatte dafür eine genauso einfache wie effektive Regel auf seinem Atom-U-Boot USS Santa Fe: „There is no ‚they‘ on Santa Fe!“. Wir statt die!

Komfortzone Wasserfall

Die Kulturveränderung hin zu einer agileren Arbeitsweise betrifft nicht nur und auch nicht in erster Linie das Management und dessen hinderliche Praktiken. Die Aufgabe des Managements ist es einen angstfreien Raum für eine neue auf Vertrauen und Respekt basierende Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams zu schaffen. Aber auch dann werden viele Mitarbeiter die Komfortzone Wasserfall, in der sie es sich über Jahrzehnte bequem gemacht haben, nur ungern verlassen. Schon gar nicht in so unsicheren und instabilen Zeiten wie heute.

agile

Agil bedeutet wendig

In der Diskussion um Agilität ist immer wieder von der Kultur und einem notwendigen Kulturwandel die Rede. Meistens freilich ohne diese Kultur ausreichend präzise zu bestimmen. Es fallen dann Begriffe wie positive Fehlerkultur und Vertrauen, die aber eher Mittel zum Zweck sind. Die eigentliche Kulturveränderung beginnt beim Erkennen der Planbarkeit von komplexen Vorhaben als Illusion und rührt an den Grundfesten unserer klassischen Industrieunternehmen.