Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kulturwandel

Wider die Angstkultur

Der römischen Kaiser Caligula wurde mit seinem Motto oderint, dum metuant (zu dt.: Sollen sie mich doch hassen, solange sie mich fürchten) zum Inbegriff des autokratischen Gewaltherrschers. Von dieser radikalen Sorte gibt es heute glücklicherweise nicht mehr so viele in Politik (obwohl nationalistische und rechtsradikale Tendenzen nichts Gutes verheißen) und Wirtschaft. Dennoch ist Angst in mehr oder weniger subtiler Form das unausgesprochene Leitmotiv in den hierarchischen Strukturen vieler Organisationen mit der absolutistischen Machtfülle ihrer Protagonisten. Und das wider besseren Wissens um die Schädlichkeit dieser Angst für Kreativität und Produktivität.

Geschichten formen Kultur

Kultur in Organisationen ist viel mehr und oft etwas ganz anderes als die Werte die irgendwo an den Wänden prangen und in Hochglanzbroschüren stehen. Die Diskrepanz muss nicht immer so drastisch aus- und auffallen wie bei Enron, wo es trotz der Integrität als einen der vier zentralen Werte dort zu massiven Bilanzfälschungen und infolgedessen zu einem der größten Wirtschaftsskandale in der US-Geschichte kam. Die ge- und erlebte Kultur, also wie die Dinge in der Organisation eben sind und zu sein haben, manifestiert sich letztlich in den erwünschten und unerwünschten Verhaltensweisen. Und das Trägermedium für diese Kultur sind die Geschichten, die sich die Menschen in der Organisation erzählen. Kulturveränderung muss also genau da ansetzen und dafür sorgen, dass die richtigen Geschichten erzählt werden.

Kultur ist kein Schicksal

Jedes Unternehmen hat die Kultur die es verdient. Nicht im fatalistischen Sinne auferlegt, sondern im aktiven Sinne, dass jedes Unternehmen sich seine Kultur selbst geschaffen hat. Kultur als die Summe der Regeln und Normen, Werte und Prinzipien und erwünschter und unerwünschter Verhaltensweisen, kurz dafür wie es hier eben ist sind oder zu sein hat, ist von Menschen geformt. Schuld sind wir also alle an der Kultur in unseren Organisationen, nur bewusst machen sich das die wenigsten und noch weniger handeln aus diesem Bewusstsein heraus, reflektieren die Kultur und ihr Verhalten und arbeiten aktiv an der Veränderung der Kultur.

Kulturwandel und Cargo-Kulte

Viele über lange Jahre erfolgreiche Unternehmen spüren plötzlich großen Veränderungsdruck. Von Disruption ist die Rede. So viel, dass manche „Disruption“ schon zum Unwort des Jahres erklären. Disruptive Technologien mischen die Karten neu. In unserem hochvernetzten Zeitalter zudem in nie dagewesener Geschwindigkeit. Und so schielen die etablierten Unternehmen ein wenig neidisch auf ihre neuen und historisch unbelasteten Herausforderer. Um dann festzustellen, dass diese neuen Unternehmen ganz anders ticken, dass sie ganz anders arbeiten und dass sie eine völlig andere Unternehmenskultur haben. Und dann beginnt das ganze Theater des Changemanagements zu laufen: Neue Werte werden ausgelobt und die neue Kultur schmackhaft gemacht. Freilich ohne die Strukturen und Arbeitsweisen, die die alte Kultur hervorgebracht haben, anzutasten und damit letztlich ohne nachhaltige Wirkung.