Alle Artikel mit dem Schlagwort: Lebensführung

Mut ist nur ein Anagramm für Glück

Das Jahresende naht und mit ihm die Zeit des Rückblicks und der guten Vorsätze. Mein persönlicher Rückblick auf ein sehr bewegtes Jahr folgt natürlich noch, aber zum Thema Vorsätze möchte ich jetzt schon auf ein wunderschönes Fundstück des Internets hinweisen. Julia Engelmann begeisterte beim 5. Bielefelder Poetry-Slam am 07. Mai 2013 das Publikum und ihr Video bringt es auf Youtube mittlerweile auf über 7 Millionen Klicks. Völlig zu recht, wie ich meine. Weniger wegen der überragenden Poesie ihrer Schüttelreime, sondern vielmehr wegen ihrer aufrüttelnden Botschaft: Eines Tages werden wir alt sein und „an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können. Und die Geschichten, die wir dann stattdessen erzählen werden – traurige Konjunktive sein.“

Lebens- und Arbeitswelten mit Zukunft

Wer in unserer Vorzeige-Industrienation Spass bei der Arbeit hat, macht sich verdächtig. Eine Initiative mit dem Namen „EnjoyWorkCamp“ ins Leben zu rufen, um dort über Lebens- und Arbeitswelten mit Zukunft nachzudenken, kann man also getrost als Ketzerei werten. Umso mehr freut es mich, dass die Gemeinwohl-Ökonomin Franziska Köppe den Mut hatte genau das zu tun und zum nächsten EnjoyWorkCamp am 14. & 15. November 2014 ins Literaturhaus Stuttgart einlädt. Ich unterstütze die Initiative aktiv als Impulsgeber, weil wir am Übergang vom Industriezeitalter in das Zeitalter der Wissensarbeit unsere Lebens- und Arbeitswelten radikal überdenken müssen.

Lebensführung statt Selbstmanagement

Kann oder muss man sich selbst managen? Und wenn ja: wie viel? Unsere Zeit ist begrenzt und der Zweck unseres Dasein unklar. Selbst ein objektiver Maßstab für ein sinnvolles und erfülltes Leben ist uns postmodernen Menschen abhanden gekommen: viele Maßstäbe sind denkbar und akzeptiert. Der Wegfall gesellschaftlicher oder religiöser Zwänge und Wertvorstellung ist befreiend und belastend gleichermaßen: »Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.« (Jean-Paul Satre) Wir dürfen die Weichen in unserem Leben in nie gekannter Weise selbst stellen – wir müssen es auch, wenn wir die Zufriedenheit eines selbstbestimmten Lebens anstreben. Fraglich nur: können wir das auch? Und diese Frage des Könnens bildet für mich den Kern jedes Versuchs des Selbstmanagements.