Alle Artikel mit dem Schlagwort: Organisationsentwicklung

Komfortzone Wasserfall

Die Kulturveränderung hin zu einer agileren Arbeitsweise betrifft nicht nur und auch nicht in erster Linie das Management und dessen hinderliche Praktiken. Die Aufgabe des Managements ist es einen angstfreien Raum für eine neue auf Vertrauen und Respekt basierende Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams zu schaffen. Aber auch dann werden viele Mitarbeiter die Komfortzone Wasserfall, in der sie es sich über Jahrzehnte bequem gemacht haben, nur ungern verlassen. Schon gar nicht in so unsicheren und instabilen Zeiten wie heute.

Spezialisieren ohne zu trennen

Wenn die gleiche Spezialistentätigkeit an verschiedenen Stellen im Unternehmen ausgeführt wird, stellt sich früher oder später die Frage nach der Zentralisierung. Die Bündelung der Spezialisten in einer entsprechenden funktionalen Einheit verspricht Synergieeffekte und Professionalisierung der jeweiligen Disziplin. Einerseits und theoretisch. Diese positiven Effekte werden andererseits praktisch mehr als aufgehoben durch Abgrenzung, Bürokratie und Praxisferne. Im Zweifel also lieber auf die funktionale Bündelung verzichten. Die Professionalisierung von Funktionen lässt sich heute unterstützt durch die Digitalisierung ohnehin besser durch einen Austausch in funktionalen Netzwerken quer zur an der Wertschöpfung ausgerichteten Organisation bewerkstelligen.

Wissensarbeit in den Strukturen des Industriezeitalters

Nicht immer hat man in großen hierarchisch organisierten Unternehmen das Gefühl, dass alle am gleichen Strang ziehen und ein gemeinsames Unternehmensziel verfolgen. Vielmehr verpufft ein nicht zu vernachlässigender Teil der eingesetzten Energie der Mitarbeiter ohne einen Beitrag zur Wertschöpfung durch politische Kämpfe der einzelnen Silos um Macht und Einfluss. Gegen einen fruchtbaren Dissens unter Spezialisten im Ringen für die gemeinsame Sache ist nichts einzuwenden, wohl aber gegen diese unfruchtbare Konkurrenz im täglichen Grabenkampf.

„Hört auf, Mitarbeiter wie Kinder zu behandeln!“

Vieles wurde schon geschrieben und gesagt über die „artgerechte Haltung“ von Wissensarbeitern im post-industriellen Zeitalter (nicht zuletzt auch hier). Reinhard K. Sprenger bringt es in seinem neuen Buch „Das anständige Unternehmen“ (Amazon Affiliate-Link) auf die griffige Formel: „Hört auf, Mitarbeiter wie Kinder zu behandeln!“ So banal und selbstverständlich diese Forderung klingt, so traurig und entmündigend ist die Realität in unseren Unternehmen leider immer noch.

Elfenbeintürme vermeiden

Um Projektarbeit nachhaltig und systematisch zu verbessern muss es im Unternehmen eine Stelle geben, die sich für das Thema Projekte und Projektmanagement verantwortlich fühlt. An dieser Stelle fließen die Erkenntnisse aus den Projekten und neue Trends zusammen, um daraus die Zukunft der Projektarbeit zu gestalten. Entscheidend dabei ist, dass die operative Unterstützung der Projekte im Vordergrund steht und nicht Vorgaben und Kontrolle. Dieser Aspekt der Unterstützung kommt in vielen Unternehmen allerdings viel zu kurz. Zu schnell wird eine zentrale Organisationseinheit als Hüter der Methoden und Prozessen ins Leben gerufen ohne dabei für die notwendige operative Bodenhaftung zu sorgen. Die Arbeit dieser Methodenabteilung ähnelt von weitem betrachtet – und näher kommt man mangels operativer Verzahnung nicht – dann oft Hermann Hesses Glasperlenspiel. Solche Elfenbeintürme sind wenig hilfreich, können aber vermieden werden.