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Projektarbeit: Ein Brandbeschleuniger?

In ihrem sehr lesenswerten Buch „Die Burnout-Lüge“ nähert sich Martina Leibovici-Mühlberger dem Thema Burnout aus ungewohnter Perspektive. Die Gynäkologin und Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychosomatik führt die steigenden Fälle von Burnout auf den Verlust von Sinn und sozialem Zusammenhalt in unserer auf Konkurrenz und persönlichem Gewinn geeichten und als Resultat zutiefst narzisstischen Gesellschaft zurück. Der Burnout-Patient wird damit aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur „zum Seismographen dieser Fehlentwicklung“, so die Autorin. Die Arbeitswelt sei in diesem Drama der „hautpsächliche und sichtbarste Austragungsort des persönlichen Sinnverlusts und Entfremdungskonflikts des Einzelnen“. Nachdem sich mittlerweile ein immer größer werdender Teil der Arbeit innerhalb von Projekten abspielt, ist es vor diesem Hintergrund an der Zeit, ein paar unbequeme Fragen zu stellen. Beispielsweise inwieweit die Zunahme der projektbezogenen Arbeit die Entstehung von Burnout begünstigt. Und wie die Projektarbeit gesünder und menschlicher gestaltet werden kann und muss.

Projektitis

Mir ist als ob es tausend Projekte gäbe und hinter tausend Projekten keine Welt. Dem post-industriellen (Projekt-)Manager geht es wie dem Panther in Rilkes Gedicht. Alles wird zum Projekt. Die Projekte verstellen die Sicht auf die Welt und werden zum Selbstzweck. Es ist die Rede von Projektinflation und einer sich schnell ausbreitenden Seuche genannt Projektitis. Gemeint ist, dass alles ein Projekt ist und zu viele Projekte gleichzeitig gemacht werden. Ein Erklärungsversuch.