Alle Artikel mit dem Schlagwort: scrum

Der Hofnarr an der Seitenlinie

Dienende Führung im Allgemeinen und die unverstandene Rolle des Scrum-Masters im Besonderen wird bisweilen unterschätzt. Die Wirkung dieser Art der Führung ist eher indirekt. Wie ein Gärtner sorgt sie für gute Bedingungen für gelingende Zusammenarbeit. Wer als Scrum Master wie ein Fussballtrainer beim Spiel nur an der Seitenlinie steht, dessen Beitrag wird leicht übersehen. Deshalb wird Scrum Mastern früher oder später „richtige“ Arbeit angetragen, also der Trainer einfach eingewechselt. Und wer sich seiner eigentlichen Aufgabe nicht ausreichend klar ist und wer nicht ausreichend konfliktbereit ist, nimmt diese Arbeit auch dankend an. Die langfristig viel wichtigere Arbeit am System und die kontinuierliche Verbesserung der Organisation bleibt dabei auf der Strecke, was aber niemandem mehr auffällt, weil alle mit „richtiger“ Arbeit beschäftigt sind.

Die Dreifaltigkeit agiler Führung

Man kann von Scrum halten was man will, aber der Scrum Guide beschreibt sehr schön drei Aspekte von Führung im Kontext agiler Produktentwicklung. Da gibt es im Zentrum der Wertschöpfung das Development Team, das möglichst autonom und selbstorganisiert arbeitet. Der Product Owner sorgt als „CEO“ des Produkts für die inhaltliche Führung und gibt dadurch der Autonomie eine gemeinsame Vision und Richtung. Und schließlich gibt es den Scrum Master, der sich dienend um die Menschen kümmert und dem Product Owner, dem Development Team und dem Rest der Organisation hilft effektiv zusammenzuarbeiten. Ein klassischer Manager ist dort nicht beschrieben, denn seine verschiedenen Aufgaben sind auf diese Rollen verteilt.

Die modernen Hofnarren

Ursprünglich waren Hofnarren keine Unterhalter oder Spaßmacher, sondern ernste Figuren. Sie hatten eine wichtige Aufgabe und und waren fester Bestandteil des Hofstaats. Durch ihre Narrheit waren sie allerdings von den gesellschaftlichen Normen entbunden und konnten so auf mehr oder weniger subtile und witzige Weise Missstände und (religiöse) Verfehlungen zur Sprache bringen und so die Mächtigen zum Nachdenken und Umdenken anregen. Durch diese „Narrenfreiheit“ waren sie „eine soziale Institution zulässiger Kritik.“ (Wikipedia) Die Gewaltenteilung in agilen Organisationen bedeutet in letzter Konsequenz auch eine Renaissance dieser ehrwürdigen sozialen Institution des Hofnarren in Form der Rolle des Scrum Masters.

Agilität und Gewaltenteilung. Oder: Was macht eigentlich der Chef?

In den meisten hierarchischen Organisationen herrscht immer noch der Geist des Absolutismus. Alle Macht liegt beim Chef. Er oder sie verwaltet und steuert, erlässt Regeln, überwacht deren Einhaltung und sanktioniert Fehlverhalten. Auch heute gibt es noch genug kleine und große Sonnenkönige: L‘état c‘est moi! Weil die Menschen natürlich immer noch anfällig sind für übermäßige Machtfülle einerseits und andererseits weil die Aufklärung offenbar nur geringen Einfluss auf die Gestaltung moderner Organisationen hatte. Der Vormarsch der Wissensarbeit und das zunehmende Streben nach Agilität führt auch zu einer neuen Aufklärung mit einer ausgeprägteren Gewaltenteilung in den Organisationen.

Der Scrum Master: Drei Anti-Patterns

Scrum ist als Rahmenwerk für agile Produktentwicklung trügerisch einfach. Neben dem Entwicklungsteam gibt es nur die Rollen Product Owner und Scrum Master. Der Prozess ist schlank und kommt mit wenigen Artefakten und Events (wie die Meetings in Scrum heißen) aus. Diese Einfachheit führt in der Praxis zu allerlei Fake-Agile und Cargo-Kult – nettes, aber wirkungsloses Theater. Damit genau das nicht passiert, gibt es eigentlich den Scrum Master. Leider kommt es gerade bei dieser wichtigen Rolle zu vielen Fehlinterpretationen, wie die folgenden drei Anti-Patterns beispielhaft zeigen.