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Die alltägliche Sabotage

Wer kennt das nicht? Der Büroalltag, eine Aneinanderreihung von nicht enden wollenden Besprechungen, Runden und Kreisen, die besser eine E-Mail geworden wären. Oder um es frei nach Rainer Maria Rilke zu sagen: Sein Blick ist vom Vorübergehn der Folien so müd geworden, daß er nichts mehr hält. Ihm war es als ob es tausend Besprechungen gäbe und hinter tausend Besprechungen kein Ziel. Das ist eben so und ist überall so. Vielleicht gibt es für diese alltägliche Sabotage der Produktivität aber auch eine ganz andere Erklärung aus den letzten Jahren des zweiten Weltkrieg. Aber Achtung: Ein Teil der Antworten dürfte die Bevölkerung verunsichern.

Lebensweg statt Karrierepfad

Aus drei Jahren agiler Transformation der BMW Group IT habe ich vieles über Veränderungsarbeit gelernt und das in drei Prinzipien zusammengefasst. Ich habe auf dieser Reise aber auch viel über mich selbst gelernt. Ich mag Veränderung. Ich will etwas bewegen und die Welt verbessern. Ich neige zum Idealismus und habe Träume. Ich bin neugierig und offen. Und ich mag keine ausgetretenen Karrierepfade, sondern einen unbestimmten Lebensweg, der erst im Gehen entsteht.

Gute Führung macht sich überflüssig

Führung bedeutet schon lange nicht mehr Kommando und Kontrolle. Sie ist kein Privileg, sondern Dienstleistung. Die Dienstleistung besteht darin, Menschen zur Selbstführung und zur Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen zu ermächtigen und zu befähigen und sie dadurch erfolgreich zu machen. Der Wandel zu neuer Führung beginnt notwendigerweise beim Einzelnen und seinem Menschenbild. Dieser Wandel ist aber auch immer eine Irritation der Organisation und ihrer Kultur. Das neue Führungsverständnis, wie es das Manifest für menschliche Führung beschreibt, wird als Faulheit, Unfähigkeit oder Verantwortungslosigkeit abgetan werden, denn gute Führung macht sich letztlich überflüssig und stellt damit den zupackenden und bisweilen hektischen Aktionismus traditionellen Managements in Frage.

Wu Wei: Handeln ohne Erzwingen

Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen. Pater Anselm Grün bringt damit die wichtige Herausforderung der Selbstführung auf den Punkt. Wer dem Leben dienen und das menschliche Potential wie im Manifest für menschliche Führung beschrieben entfalten will, braucht zuallererst Klarheit über die Natur des Lebens und insbesondere über sein Leben. Nur wer hat die schon? Und wer nimmt sich heute überhaupt die Zeit über das Lebens nachzudenken? Ein kurzer Exkurs in den Daoismus am praktischen Beispiel der Entstehung des Manifests für menschliche Führung.

Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen

Die Digitalisierung ersetzt nicht den Menschen und sie kommt auch nicht ohne ihn aus. Im Gegenteil, gerade wegen der Digitalisierung ist das typisch Menschliche mehr denn je gefragt. Gemeint ist insbesondere unsere Fähigkeit, als eigenständige Individuen gemeinsam kreative Lösungen zu finden und effektiv und effizient in Teams und Organisationen zusammenzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit war in der Vergangenheit lange geprägt von zentraler Steuerung einerseits und gehorsamer Pflichterfüllung andererseits. Was für ungelernte Arbeitskräfte zu Beginn der Industrialisierung schon wenig menschlich, aber wenigstens produktiv war, ist heute mitten im Informationszeitalter endgültig zur entwürdigenden Zumutung geworden. Zeitgemäße Führung zielt heute auf eine Zusammenarbeit, welche Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen ermöglicht.