Alle Artikel mit dem Schlagwort: Selbstführung

Lebensweg statt Karrierepfad

Aus drei Jahren agiler Transformation der BMW Group IT habe ich vieles über Veränderungsarbeit gelernt und das in drei Prinzipien zusammengefasst. Ich habe auf dieser Reise aber auch viel über mich selbst gelernt. Ich mag Veränderung. Ich will etwas bewegen und die Welt verbessern. Ich neige zum Idealismus und habe Träume. Ich bin neugierig und offen. Und ich mag keine ausgetretenen Karrierepfade, sondern einen unbestimmten Lebensweg, der erst im Gehen entsteht.

Gute Führung macht sich überflüssig

Führung bedeutet schon lange nicht mehr Kommando und Kontrolle. Sie ist kein Privileg, sondern Dienstleistung. Die Dienstleistung besteht darin, Menschen zur Selbstführung und zur Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen zu ermächtigen und zu befähigen und sie dadurch erfolgreich zu machen. Der Wandel zu neuer Führung beginnt notwendigerweise beim Einzelnen und seinem Menschenbild. Dieser Wandel ist aber auch immer eine Irritation der Organisation und ihrer Kultur. Das neue Führungsverständnis, wie es das Manifest für menschliche Führung beschreibt, wird als Faulheit, Unfähigkeit oder Verantwortungslosigkeit abgetan werden, denn gute Führung macht sich letztlich überflüssig und stellt damit den zupackenden und bisweilen hektischen Aktionismus traditionellen Managements in Frage.

Wu Wei: Handeln ohne Erzwingen

Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen. Pater Anselm Grün bringt damit die wichtige Herausforderung der Selbstführung auf den Punkt. Wer dem Leben dienen und das menschliche Potential wie im Manifest für menschliche Führung beschrieben entfalten will, braucht zuallererst Klarheit über die Natur des Lebens und insbesondere über sein Leben. Nur wer hat die schon? Und wer nimmt sich heute überhaupt die Zeit über das Lebens nachzudenken? Ein kurzer Exkurs in den Daoismus am praktischen Beispiel der Entstehung des Manifests für menschliche Führung.

Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen

Die Digitalisierung ersetzt nicht den Menschen und sie kommt auch nicht ohne ihn aus. Im Gegenteil, gerade wegen der Digitalisierung ist das typisch Menschliche mehr denn je gefragt. Gemeint ist insbesondere unsere Fähigkeit, als eigenständige Individuen gemeinsam kreative Lösungen zu finden und effektiv und effizient in Teams und Organisationen zusammenzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit war in der Vergangenheit lange geprägt von zentraler Steuerung einerseits und gehorsamer Pflichterfüllung andererseits. Was für ungelernte Arbeitskräfte zu Beginn der Industrialisierung schon wenig menschlich, aber wenigstens produktiv war, ist heute mitten im Informationszeitalter endgültig zur entwürdigenden Zumutung geworden. Zeitgemäße Führung zielt heute auf eine Zusammenarbeit, welche Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen ermöglicht.

Von den Stoikern Gelassenheit lernen

Das Jahr ist noch kein Monat alt und meine Vorsätze sind Makulatur. Ich wollte achtsamer mit meiner Zeit umgehen, mich stärker fokussieren und besser priorisieren. Wie bei so vielen anderen ist mein Kalender voll und unerreichbar scheint die 5-Stunden-Regel, also nach dem Vorbild von Bill Gates oder Warren Buffet fünf Stunden pro Woche in Reflektieren und Lernen zu investieren. Darauf bin ich weder stolz noch will ich mich damit brüsten. Ich nehme es lieber als Anlass für eine kurze Rückbesinnung auf die Erkenntnisse der Stoiker und ihre sprichwörtliche Gelassenheit und Seelenruhe.