Alle Artikel mit dem Schlagwort: Selbstführung

Wu Wei: Handeln ohne Erzwingen

Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen. Pater Anselm Grün bringt damit die wichtige Herausforderung der Selbstführung auf den Punkt. Wer dem Leben dienen und das menschliche Potential wie im Manifest für menschliche Führung beschrieben entfalten will, braucht zuallererst Klarheit über die Natur des Lebens und insbesondere über sein Leben. Nur wer hat die schon? Und wer nimmt sich heute überhaupt die Zeit über das Lebens nachzudenken? Ein kurzer Exkurs in den Daoismus am praktischen Beispiel der Entstehung des Manifests für menschliche Führung.

Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen

Die Digitalisierung ersetzt nicht den Menschen und sie kommt auch nicht ohne ihn aus. Im Gegenteil, gerade wegen der Digitalisierung ist das typisch Menschliche mehr denn je gefragt. Gemeint ist insbesondere unsere Fähigkeit, als eigenständige Individuen gemeinsam kreative Lösungen zu finden und effektiv und effizient in Teams und Organisationen zusammenzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit war in der Vergangenheit lange geprägt von zentraler Steuerung einerseits und gehorsamer Pflichterfüllung andererseits. Was für ungelernte Arbeitskräfte zu Beginn der Industrialisierung schon wenig menschlich, aber wenigstens produktiv war, ist heute mitten im Informationszeitalter endgültig zur entwürdigenden Zumutung geworden. Zeitgemäße Führung zielt heute auf eine Zusammenarbeit, welche Eigenständigkeit im Sinne des Ganzen ermöglicht.

Von den Stoikern Gelassenheit lernen

Das Jahr ist noch kein Monat alt und meine Vorsätze sind Makulatur. Ich wollte achtsamer mit meiner Zeit umgehen, mich stärker fokussieren und besser priorisieren. Wie bei so vielen anderen ist mein Kalender voll und unerreichbar scheint die 5-Stunden-Regel, also nach dem Vorbild von Bill Gates oder Warren Buffet fünf Stunden pro Woche in Reflektieren und Lernen zu investieren. Darauf bin ich weder stolz noch will ich mich damit brüsten. Ich nehme es lieber als Anlass für eine kurze Rückbesinnung auf die Erkenntnisse der Stoiker und ihre sprichwörtliche Gelassenheit und Seelenruhe.

Führen heißt, Fragen stellen statt Antworten geben

Führung heißt, andere erfolgreich machen. So lautet die Führungsphilosophie von Sundar Pichai, dem CEO von Google. Der Gründer der Drogeriemarktkette dm, Götz W. Werner, wird noch konkreter und stellt fest: „Führung ist heute nur noch legitim, wenn sie die Selbstführung der anvertrauten Mitmenschen zum Ziel hat.“ Führung ist also eine gleichwertige Funktion innerhalb und für eine Gruppe von Menschen und immer eine Begegnung zwischen Erwachsenen auf Augenhöhe. Im Gegensatz zum tayloristischen Management, dessen Geist immer noch viel zu sehr durch unsere hierarchischen Organisationen weht, heißt Führen daher in erster Linie (die richtigen) Fragen zu stellen anstatt (die richtigen) Antworten zu geben.

Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen

Management beschäftigt sich mit dem Leblosen, mit Zahlen, Prozessen und Strukturen – Führung mit dem Lebendigen, mit dem Menschen in seiner Vielfalt und Einzigartigkeit. Gerne vernachlässigt wird dabei, dass Führung sich immer und zuallererst auf den Führenden selbst bezieht. Und Diese Selbstführung beginnt mit der Reise zu sich selbst und der Klärung so wesentlicher Fragen wie „Was ist mein Talent?“, „Was macht mir Freude?“ oder „Was braucht die Welt von mir?“.