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Projekt-Management: Ein Widerspruch?

In seinem lesenswerten Kursbuch „Kaputtoptimieren und Totverbessern. Eine kurze Geschichte des Managements als Scharlatanerie“ (Amazon Affiliate Link) brandmarkt Niels Pfläging die gängigen Praktiken des modernen Managements als Kurpfuscherei und stellt sie auf eine Stufe mit dem vorwissenschaftlichen Entwicklungsstand der Medizin im Mittelalter. Zwar hatten die Methoden zu Beginn des Industriezeitalters aufgrund der speziellen historischen Situation großen Erfolg, aber man muss sich fragen ob die Methoden noch ins heutige Umfeld der Wissensarbeit passen. Insbesondere sollte man sich fragen, ob dieses Management zu Projekten passt und je gepasst hat und ob Projekt-Management nicht schon ein Widerspruch in sich ist.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist schlechter

Ein wesentlicher Faktor für Motivation von Wissensarbeitern ist die Möglichkeit Arbeitsinhalte und Arbeitsweise möglichst frei bestimmen zu können. (Eine sehr sehenswerte Darstellung weiterer Motivationsfaktoren findet sich hier.) Jede Form von Kontrolle engt diese Unabhängigkeit ein und schmälert damit unweigerlich die Motivation. Wenn ich aber als Führungskraft und insbesondere als Projektleiter für die Ergebnisse eines Teams verantwortlich bin, dann muss ich kontrollieren. Oder etwa nicht? Ein Plädoyer für mehr Vertrauen.

Planung ersetzt Zufall durch Irrtum

Albert Einstein bringt es auf den Punkt. Was zunächst spöttisch klingt, vielleicht sogar spöttisch gemeint war, fördert das Dilemma beherrschbarer Projektplanung zu Tage. Ohne Planung bleibt nur ein gefährlicher Sichtflug; man ist dem Zufall ausgeliefert. Dennoch ist auch der beste und genaueste Plan nie die Realität; er enthält Annahmen über die Zukunft und ist insofern  immer Irrtum. Verzichten lässt sich auf Pläne aber nicht ganz, denn sie geben Orientierung. Orientierung für ein Team in dem jeder Einzelne bereitwillig Verantwortung übernimmt für das Gesamtvorhaben. Verantwortungsvolle Mitarbeiter erhält aber nur, wer ihnen Freiräume zu eigenen Entscheidungen im Team lässt. Genau dort liegt die größte Gefahr von Plänen: schnell werden sie zu genau, engen zu sehr ein und zwängen den Mitarbeiter in eine rein ausführende Rolle ohne Freiräume.