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Agilität und Subsidiarität: Autonome Entscheidungen – Gemeinsame Verantwortung

Agile Organisationen setzen konsequent auf das Prinzip der Subsidiarität. Entscheidungen werden so dezentral wie möglich getroffen. Die nächst höhere oder nächst größere Einheit greift prinzipiell nur dann ein, wenn die kleinere Einheit nicht in der Lage ist, die Aufgabe allein zu lösen. Ziel ist aber auch dann die Hilfe zur Selbsthilfe. Damit Subsidiarität zielgerichtet miteinander funktioniert und nicht im schädlichen Gegeneinander der Einheiten endet, braucht die Autonomie zwingend die gemeinsame Ausrichtung auf einen den höheren Zweck. Die ständige Arbeit an und mit diesem Zweck als Leitlinie und Ordnungsfunktion ist damit eine der wichtigsten Führungsaufgaben in einer agilen Organisation. Und die aktive Übernahme von Verantwortung im Sinne der gemeinsamen Mission ist die wichtigste Aufgabe der dezentralen Einheiten, durch die ihre Autonomie erst legitimiert wird.

Die oberste Direktive für gelungene Retrospektiven

Agilität bedeutet Anpassungsfähigkeit. In erster Linie natürlich in Bezug auf das entwickelte Produkt. In kleinen Schritten entstehen benutzbare Zwischenprodukte, die dazu dienen, sich das Problemfeld und die Lösungsmöglichkeiten nach und nach besser zu erschließen. Die Anpassungsfähigkeit betrifft aber nicht nur das Produkt, sondern auch die Arbeitsweise im Team. „In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team, wie es effektiver werden kann und passt sein Verhalten entsprechend an.“ ist ein ganz wesentliches Prinzip hinter dem Agilen Manifest. Agilität ist also viel mehr als bloße Methode, sondern die Haltung Verantwortung für das Produkt und die Arbeitsweise zu übernehmen. Damit gerade letzteres aber konstruktiv gelingt und nicht in Schuldzuweisungen endet, braucht es die richtige Haltung. Genau diese Haltung hat Norman L. Kerth in seinem dem Buch „Project Retrospectives: A Handbook for Team Reviews“ (Amazon Affiliate Link) in Form seiner obersten Direktive (Prime Directive) schön beschrieben.

Freiheit und Verantwortung

Auf dem Weg zur einer agilen Organisation werden Freiheit und Verantwortung neu verhandelt. Die Selbstorganisation als wesentlicher Baustein von agilen Organisationen geht einher mit mehr Freiheit, insbesondere die Freiheit, Arbeitsinhalte und Arbeitsweise im Team zu gestalten. Der Preis für diese Freiheit ist die Verantwortung für das Produkt und den Prozess. Aufgrund dieser prinzipiellen Interdependenz ist das kontinuierliche Ausbalancieren von Freiheit und Verantwortung entscheidend für das Gelingen von Veränderungsprozessen.

Verantwortung statt Ausreden

Die Kernaussage des Dramas „Geschlossene Gesellschaft“ des französischen Philosophen und Schriftsteller Jean-Paul Sartre lautet: „L’enfer c’est les autres“ („Die Hölle, das sind die anderen“). Das beschreibt auch die erste und sehr typische Reaktion, wenn Dinge nicht so laufen wie wir es uns vorstellen oder wenn wir nicht haben oder bekommen, was wir wollen. Dadurch schreiben wir die Ursache für unser Problem anderen zu und begeben uns damit in eine unproduktive Opferhaltung. Wie wäre es, wenn wir stattdessen wirklich Verantwortung übernehmen würden und uns klar werden, dass wir als Individuum oder als Team immer die Fähigkeit und Macht haben Dinge zum Besseren zu verändern.

Agilität: Eine Frage der Verantwortung

Ist die Rede von Agilität, sind meist Effekte gemeint wie eine bessere Anpassungsfähigkeit und ein geringeres Risiko durch die evolutionäre Entwicklung von Produkten in kurzen Zyklen. Übersehen wird dabei gerne, dass Agilität auch eine Frage der Verantwortung ist. Verantwortung des Teams für ihr Produkt, aber eben auch für die Arbeitsweise und die Zusammenarbeit im Team. Was zählt ist das Produkt, nicht die Einhaltung eines vorgegebenen Prozesses.