Alle Artikel mit dem Schlagwort: Wissensarbeit

Führung im Wandel – Augenhöhe statt Unterordnung

Im Übergang vom Industriezeitalter in das Zeitalter der Wissensarbeit ändert sich das Verhältnis von Mitarbeitern zur Organisation grundlegend. Aus abhängigen Arbeitern werden zunehmend unabhängige Wissensarbeiter, die ihre Produktionsmittel im Kopf tragen. Die Organisation ist deshalb mehr auf die Wissensarbeiter angewiesen als umgekehrt. Das Netzwerk löst in diesem Übergang die Hierarchie als führendes Organisationsprinzip ab. Führung basiert daher nicht länger auf Unterordnung und Gehorsam, sondern hat jetzt die Selbstführung der ihr anvertrauten Menschen zum Ziel.

Mut – Die unterschätzte Tugend

Für Winston Churchill war klar, dass ohne Mut alle anderen Tugenden bedeutungslos werden. Nicht nur gesellschaftlich und politisch brauchen wir den Mut so dringend wie schon lange nicht mehr, auch unseren Unternehmen und ihren Mitarbeitern täte mehr Mut gut. Wir brauchen einen Mutanfall, wie Harald Schirmer das ausdrückt, um traditionelle Organisationen zukunftsfähig zu gestalten. Das bisherige absolutistisch-hierarchische Bauprinzip hat endgültig ausgedient. Unsere Unternehmen brauchen im Zeitalter von Digitalisierung und Wissensarbeit eine neue Aufklärung mit konsequenterer Gewaltenteilung. Immanuel Kants Leitspruch für die Aufklärung sollte deshalb über jeder Pforte stehen: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Die unbequeme Wahrheit über Großraumbüros

Beim Versuch zwischen telefonierenden oder diskutierenden Kollegen konzentrierte Arbeit zu verrichten wünsche ich mir regelmäßig die ruhige Bibliothek aus Studienzeiten zurück. Kollaboration und Teamarbeit in Ehren, aber irgendwo muss doch auch mal allein und in Ruhe nachgedacht und gearbeitet werden. Bisher schrieb ich meine Unfähigkeit in Großraumbüros sinnvoll arbeiten zu können meinem eher introvertierten Naturell zu, aber jetzt ist es wissenschaftlich bestätigt, dass das Konzept von Großraumbüros prinzipiell nicht funktioniert. Die Studien von Ethan Bernstein von der Harvard Business School und Stephen Turban von der Harvard University zeigen deutlich, dass Großraumbüros entgegen der gängigen Annahme die persönlichen Interaktionen zwischen Kollegen nicht fördern, sondern sie sogar behindern. Es liegt also nicht (nur) an mir.

Nachhaltig arbeiten – Weniger ist mehr

Nachhaltigkeit definiert der Duden als ein „Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.“ In der Regel denken wir bei Nachhaltigkeit in makroskopischen Dimensionen unserer Umwelt. Für mich beginnt Nachhaltigkeit aber in viel kleinerem Maßstab, nämlich bei mir selbst und dem nachhaltigen Umgang mit meinen eigenen persönlichen Ressourcen, wie Zeit, Energie und Wissen. Es wird Zeit, über Relikte aus dem Industriezeitalter zu reden und insbesondere darüber, wie effektiv und nachhaltig die strikte zeitliche und räumliche Trennung von Arbeit und Leben (als wäre Arbeit kein Leben!) in Form von Achtstunden-Arbeitstagen am gemeinsamen Arbeitsort ist.

Führung als Begegnung von Erwachsenen auf Augenhöhe

Führung ist eine Frage der Haltung. Leider definiert sich Führung immer noch in Begriffen von Macht und Unterordnung. Das Verhältnis von Führendem und Geführten ist meistens asymmetrisch: Der Chef hat mehr Erfahrung, mehr Information und mehr Macht als seine Mitarbeiter. Die Mitarbeiter sind daher von ihrem Chef abhängiger als umgekehrt der Chef von ihnen. Historisch betrachtet stammt diese Haltung aus dem Taylorismus, wo der Manager tatsächlich derjenige war, der die Arbeitsabläufe am besten verstand und sie für seine meist ungelernten Mitarbeiter in einfache Arbeitsschritte strukturieren konnte. Diese Zeiten sind allerdings lange vorbei. Die Art der Tätigkeit und entsprechend das Ausbildungsniveau der Mitarbeiter hat sich seither radikal verändert. Geblieben ist in vielen Fällen nur das bekannte Abhängigkeitsverhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter. Peter F. Drucker prägte für diese veränderte Arbeitswelt bereits 1959 (seiner Zeit weit voraus) den Begriff der Wissensarbeit. Er erkannte früh die fundamentalen Unterschiede und forderte Führung als eine Zusammenarbeit von Erwachsenen auf Augenhöhe zu verstehen. Genau darum heißt die fünfte These des Manifests für menschliche Führung „Anführer hervorbringen mehr als Anhänger anführen.“