Projektcoaching (21): Rollenwechsel

Die ers­ten Ein­sät­ze als Pro­jekt­ma­na­ger sind gera­de für vie­le ehe­ma­li­ge Fach­kräf­te eine Qual. Nicht weil sie das Hand­werks­zeug nicht beherr­schen, hier­für gibt es her­vor­ra­gen­de Schu­lun­gen und Bücher, son­dern weil sie in ihrer neu­en Rol­le noch nicht ange­kom­men sind. Der Maß­stab der für die Arbeit als Fach­kraft ges­tern noch galt, greift heu­te nicht mehr. Wer es nun ver­säumt die neue Rol­le zu durch­den­ken und die eige­nen Bei­trä­ge zu defi­nie­ren, dem droht ein Rück­fall in die eige­ne Kom­fort­zo­ne als Fach­kraft. Frei­lich eine Fach­kraft, die jetzt zusätz­lich die Auf­ga­ben des Pro­jekt­ma­nage­ments mehr schlecht als recht aus­füh­ren muss. Ein Plä­doy­er die­sen Rol­len­wech­sel, der mehr einem Berufs­wech­sel gleich­kommt, bewusst zu gestal­ten und pro­fes­sio­nell zu begleiten.

In vie­len Unter­neh­men, ins­be­son­de­re in der IT-Bran­che, ist die Rol­le des Pro­jekt­ma­na­gers die ers­te Manage­ment- und Füh­rungs­auf­ga­be von Mit­ar­bei­tern, die bis­her über­wie­gend als Fach­kräf­te tätig waren. Bis­her haben die­se Mit­ar­bei­ter also direkt zu den Ergeb­nis­sen bei­getra­gen, haben selbst Kon­zep­te geschrie­ben und selbst pro­gram­miert. In ihrer neu­en Rol­le als Mana­ger kön­nen und sol­len sie aber nur noch indi­rekt bei­tra­gen. Sie sor­gen jetzt dafür, dass ande­re die Ergeb­nis­se und ins­be­son­de­re die rich­ti­gen Ergeb­nis­se produzieren.

Lei­der wird auf die­ser Rol­len­wech­sel oft klein­ge­re­det oder igno­riert. Still­schwei­gend wird davon aus­ge­gan­gen, dass eine erst­klas­si­ge Fach­kraft auch ein erst­klas­si­ger Pro­jekt­ma­na­ger sein kann. Die ange­hen­den Pro­jekt­ma­na­ger wer­den in Schu­lun­gen und Zer­ti­fi­zie­rungs­kur­se geschickt damit sie das Hand­werks­zeug des Pro­jekt­ma­nage­ments ler­nen. Das ist sicher­lich not­wen­dig, aber ohne die rich­ti­ge Grund­hal­tung und das rich­ti­ge Ver­ständ­nis der eige­nen Rol­le nicht sehr wirksam.

Selbst wenn auf die­se grund­le­gen­de Ver­än­de­rung der eige­nen Rol­le expli­zit ein­ge­gan­gen wird, sitzt das eigent­li­che Pro­blem doch viel tie­fer. Die­ser Rol­len­wech­sel rührt am eige­nen Selbst­ver­ständ­nis. Eben war man noch eine gefrag­ter Exper­te und jetzt ist man noch unsi­che­rer Mana­ger. Die Fol­ge ist oft ein Rück­fall in die vor­he­ri­ge Rol­le: Pro­jekt­ma­na­ger die selbst die meis­te Zeit inhalt­lich mit­ar­bei­ten. Ich wür­de behaup­ten, dass dies nur in den aller­we­nigs­ten Fäl­len auf kon­kre­te Eng­päs­se im Pro­jekt­team zurück­zu­füh­ren ist, son­dern auf den eige­nen unbe­wuss­ten Drang zurück in die Kom­fort­zo­ne. Daher sind gera­de in ihren ers­ten Ein­sät­zen die meis­ten Pro­jekt­ma­na­ger eigent­lich Fach­kräf­te, die zusätz­lich die unver­meid­li­chen PM-Tätig­kei­ten aus­füh­ren: irgend­je­mand muss die Sta­tus­be­rich­te ja schreiben.

Wer es bis­her gewohnt war erst­klas­si­ge eige­ne Bei­trä­ge zu lie­fern, fühlt sich in sei­ner ers­ten Rol­le als Mana­ger erst Mal ziem­lich nutz­los. Sein bis­he­ri­ger Maß­stab für gute Arbeit passt nicht mehr für die neue Tätig­keit und ein neu­er Maß­stab wur­de ihm nicht mit­ge­ge­ben. Sei­ne Auf­ga­be ist es die eige­ne Rol­le und die eige­nen Bei­trä­ge neu zu defi­nie­ren und die­sen Maß­stab zu fin­den. Dabei liegt die Schwie­rig­keit weni­ger in der Aus­füh­rung, son­dern dar­an zu erken­nen, dass es die ers­te Auf­ga­be ist sei­ne neue Rol­le zu durch­den­ken und die eige­nen Bei­trä­ge neu zu definieren.

This requi­res that the know­ledge workers them­sel­ves defi­ne what the task is or should be-and only the know­ledge workers them­sel­ves can do that.
Peter F. Dru­cker: Know­ledge-Worker Pro­duc­ti­vi­ty: The Big­gest Chal­len­ge. Cali­for­nia Manage­ment Review XLI:2 (Win­ter 1999), 79 – 94

Um die­sen Rol­len­wech­sel von der Fach­kraft hin zum Pro­jekt­ma­na­ger bewusst zu gestal­ten und erfolg­reich durch­zu­ste­hen, braucht es einen Pro­jekt­coach. Er ist Spar­rings- und Dis­kus­si­ons­part­ner und gibt wert­vol­les Feed­back, auch und gera­de wenn es um die eige­ne Rol­le geht.

Vorangegangene Teile der Serie Projektcoaching

Bildnachweis

Das Arti­kel­bild wur­de von Lars Ploug­mann unter dem Titel „Out­side my com­fort zone“ auf Flickr ver­öf­fent­licht (Bestimm­te Rech­te vor­be­hal­ten).

Manifest für menschliche Führung – Reloaded 

Die ers­te Auf­la­ge des Mani­fest für mensch­li­che Füh­rung war ein Über­ra­schungs­er­folg. Mit sei­nen 50 Sei­ten ist es aber eigent­lich mehr ein White­pa­per als ein Buch. Vie­len Lesern gefällt gera­de die Kür­ze. Ande­re wün­schen sich mehr Tie­fe. Das kann ich nach­voll­zie­hen und will die­sem Wunsch ger­ne mit einer deut­lich erwei­ter­ten Auf­la­ge nach­kom­men. Wenn ihr das wollt! Mehr dazu auf der Kam­pangnen-Sei­te bei Start­next. Dan­ke für eure Unterstützung. Unterstützen

Wie hilf­reich war die­ser Beitrag? 

Kli­cke auf die Ster­ne um zu bewerten! 

Durch­schnitt­li­che Bewer­tung 0 / 5. Anzahl Bewer­tun­gen: 0

Bis­her kei­ne Bewer­tun­gen! Sei der Ers­te, der die­sen Bei­trag bewertet. 

Es tut uns leid, dass der Bei­trag für dich nicht hilf­reich war! 

Las­se uns die­sen Bei­trag verbessern! 

Wie kön­nen wir die­sen Bei­trag verbessern? 

Schreibe einen Kommentar