Die Transformation frisst ihre Kinder

COVID-19 ist ein Prüf­stein für Agi­li­tät und New Work. In der Kri­se zeigt sich die wirk­li­che Kul­tur der Orga­ni­sa­ti­on unge­schminkt. So man­cher Sitz­sack und Tisch­ki­cker ent­puppt sich nun als “lip­s­tick on the pig”, als nai­ver Car­go-Kult bes­ten­falls und als die vor­sätz­li­che Täu­schung eines Potem­kin­schen Dorfs schlimmstenfalls.

Es hät­te so schön sein kön­nen. Die Agi­li­tät hät­te in der Coro­na-Kri­se ihren erhoff­ten Nut­zen voll aus­spie­len kön­nen. Mehr VUCA geht gar nicht. Die Kri­se hät­te zur Erfolgs­ge­schich­te wer­den kön­nen. Agi­li­tät und Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on auf einer soli­den Basis aus Ver­trau­en in die Men­schen und ihre Leis­tungs­be­reit­schaft und einer Füh­rung auf Augen­hö­he hät­ten sich als die ent­schei­den­den Erfolgs­fak­to­ren her­aus­kris­tal­li­sie­ren kön­nen. Die Kri­se wäre dann die ein­ma­li­ge Chan­ce gewe­sen, Arbeit end­lich neu, mensch­li­cher und men­schen­wür­di­ger zu gestalten.

Die Kri­se wirkt wie ein Brenn­glas und bis­wei­len wie ein Rönt­gen­ge­rät. Es wird sicht­bar, was vor­her leicht zu über­se­hen oder unsicht­bar war. Das hät­ten die Vor­tei­le von Agi­li­tät und New Work sein kön­nen, eine erhöh­te Anpas­sungs­fä­hig­keit mit enga­gier­ten Mit­ar­bei­ter, die eigen­stän­dig im Sin­ne des Gan­zen han­deln gelei­tet von einem gemein­sa­men Pur­po­se. Vie­le Prot­ago­nis­ten von Trans­for­ma­tio­nen in die­se Rich­tun­gen erhoff­ten sich, genau das zu sehen als Bestä­ti­gung und Bekräf­ti­gung ihres ein­ge­schla­ge­nen Wegs.

COVID-19 ist ein Prüf­stein für Agi­li­tät und New Work. Zunächst indem sich die erhoff­te gestei­ger­te Anpas­sungs­fä­hig­keit und Resi­li­enz der Orga­ni­sa­ti­on zeig­te oder eben nicht. Und zuletzt, indem der Grad an Ver­trau­en in die Men­schen und ihre Fähig­keit zur Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on offen­kun­dig wird durch die Art und Wei­se, wie ins Büro zurück­ge­kehrt wer­den kann oder eben muss.

You can put lip­s­tick on a pig. It’s still a pig.

Barack Oba­ma

In vie­len tra­di­tio­nel­len hier­ar­chi­schen Orga­ni­sa­tio­nen erwies sich die ersehn­te Revo­lu­ti­on bei nähe­rer Betrach­tung lei­der als Illu­si­on. In der Kri­se zeigt sich die wirk­li­che Kul­tur der Orga­ni­sa­ti­on unge­schminkt. So man­cher Sitz­sack und Tisch­ki­cker ent­puppt sich nun als “lip­s­tick on the pig”, als nai­ver Car­go-Kult bes­ten­falls und als die vor­sätz­li­che Täu­schung eines Potem­kin­schen Dorfs schlimmstenfalls.

In the South Seas the­re is a car­go cult of peop­le. During the war they saw air­planes land with lots of good mate­ri­als, and they want the same thing to hap­pen now. So they’ve arran­ged to imi­ta­te things like run­ways, to put fires along the sides of the run­ways, to make a woo­den hut for a man to sit in, with two woo­den pie­ces on his head like head­pho­nes and bars of bam­boo sti­cking out like anten­nas — he’s the con­trol­ler — and they wait for the air­planes to land. They’re doing ever­ything right. The form is per­fect. It loo­ks exact­ly the way it loo­ked befo­re. But it doesn’t work. No air­planes land. So I call the­se things car­go cult sci­ence, becau­se they fol­low all the appa­rent pre­cepts and forms of sci­en­ti­fic inves­ti­ga­ti­on, but they’re mis­sing some­thing essen­ti­al, becau­se the pla­nes don’t land.

Richard Feyn­man, 1974

Vor der Kri­se gab es einen Fun­ken Hoff­nung, dass Büros, die nicht aus­se­hen wie ste­ri­le Kran­ken­häu­ser, Snea­ker statt Kra­wat­ten und Du statt Sie, dass das alles Zei­chen des Wan­dels sein könn­ten. Die Gefahr des Car­go-Kults war allen Prot­ago­nis­ten der Trans­for­ma­ti­on natür­lich bekannt, aber an guten Tagen ließ sich da schon mal groß­zü­gig dar­über hin­weg­se­hen. Jetzt nicht mehr. Und die­se kogni­ti­ve Dis­so­nanz gepaart mit feh­len­den Per­spek­ti­ven lässt vie­le Prot­ago­nis­ten nun ver­zwei­feln. Die Trans­for­ma­ti­on frisst ihre Kinder. 

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